Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (15.5.1928)
- Article
- Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
- Date
- 1928-05-15
- Page
- Seite 135 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 135 sehr anderseits die Augsburger Kultusgemeinde ihre inneren jüdischen Angelegenheiten gefördert und gepflegt hat, dafür bietet die prächtige am 4. April 1917 eingeweihte Synagoge als äußeres Symbol den sprechendsten Beweis. Niemand, der in Augsburgs Mauern weilt, sollte den Besuch dieses mit künstlerischer Vollendung erbauten Gotteshauses versäumen, das er nicht ohne tiefste ästhetische und religiöse Eindrücke verlassen wird. „Ein Bau des 20. Jahrhunderts, der für die geistige und ethische Richtung des deutschen Judentums unserer Zeit einen vorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darftellt" lautet das Urteil des Münchener Kunsthistorikers Dr. Georg Jakob Wolf. Mit der Geschichte des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist der Name Augsburg unlöslich verbunden. Denn in Augsburg war es, wo am 22. Februar 1926 die Verfassung des Verbandes beschlossen wurde. Damit war der Abschluß langjähriger Bemühungen geschaffen, der bayerischen Judenheil eine feste Organisation zu geben. Damit war das Haus im Rohbau geschaffen, dessen innere Ausgestaltung die Aufgabe der nächsten Jahre war und der kommenden Jahre sein wird. Daß die Kultusgemeinde Augsburg nach ihren Kräften daran arbeiten wird, hat ihr erster Vorstand, Dr. Eugen Strauß, anläßlich der erwähnten Augsburger Tagung in trefflichen Worten zum Ausdruck gebracht, indem er ausführte: „Und wenn wir heute uns hier versammelt haben, dann tun wir in unserem Kreise das, was heute die Lebensaufgabe der deutschen Nation ist, das ist der Aufbau. Auch wir in unserem Kreise wollen nichts anderes tun, als aufbauen an so vielem, was zerstört ist, und was wir für unsere Zukunft brauchen." Diese Mitarbeit begrüßen wir wie auf dem weiteren Gebiet der Verbandstätigkeit, so auch auf dem besonderen Gebiete der Zeitung. Es ist unsere Erwartung, daß sich Augsburgs Anteil an dieser Zeitung nicht allein in einer Tktriänderung und Ergänzung erschöpfe, auch nicht allein in einer Bekanntgabe amtlicher Nachrichten, sondern in einer Mitarbeit weiter Kreise, sei es durch Mitteilung wichtiger Vorkommnisse persönlicher und allgemeiner Natur, sei es durch Aufsätze belehrenden oder programmatischen Inhalts, damit diese Zeitung, wie sie eine Zeitung des Verbandes und der Kultusgemeinde München geworden ist, auch eine Zeitung der Kultusgemeinde Augsburg werde, als eine würdige Repräsentation ihrer Eigenart. Denkwürdige Überreste der allen Iudengemeinde Rothenburg Zu dem Artikel „Denkwürdige Überreste der alten Judengemeinde Rothenburg" in voriger Nummer gestatte ich mir, folgendes zu bemerken: Das Mainzer Memorbuch gibt neben den Monatstagen der Judenmetzeleien im Tamus und Aw 1298 auch die Wochentage an, auf die diese Daten fielen. Auf dem Rothenburger Gedenkstein finden wir als ersten Tag den 19. Tamus angegeben, im Mainzer Memorbuch den 14. Der Verfasser obigen Artikels vermutet (Seite 103, Anm. 4) einen Abschreibefehler im Memorbuch. Das ist nicht richtig. Im Jahre 1298 fiel, wie in der Liste angegeben (vgl. Salfeld, S. 185) ,der 8. Aw auf einen Freitag: demgemäß der 19. Tamus, wie leicht nachzurechnen, auf einen Montag, der 14. auf einen Mittwoch. Tatsächlich berichtet das Memorbuch, daß damals die Metzelei am Mittwoch 14. erfolgte. Wenn also ein uns unerklärlicher Irrtum vorliegt, fo nur auf dem Gedenkstein. Eine zweite Schwierigkeit erblickt der Verfasser mit Recht in den Worten des Steines: 'L'wn anm wörtlich etwa zu übersetzen: „Am dritten Tag erfolgte die Entlassung in die Freiheit." Es bezieht sich das auf die Verfolgung, die nach dem Memorbuch am Sonntag, den 11., Montag, den 12. und Dienstag, den 13. Aw 1298 sich abspielte. Dieses berichtet ferner, daß am 10. und 11. die Belagerung der Juden in der Festung erfolgte und sie dann alle am Dienstag, den 12., hingemetzelt wurden. Der „dritte Tag" im Text des Gedenksteines kann demnach zweierlei Bedeutung haben, entweder „Dienstag" (im Hebräischen als dritter Tag bezeichnet) oder „dritter Tag der Drangsalierung". Beides kann angenommen werden. Nun erhebt sich der krasse Widerspruch: Das Memorbuch berichtet von der ausnahmslosen Ermordung aller Juden in Rothenburg, während der Gedenkstein im geraden Gegenteil von der Befreiung der Juden an diesem Tag berichtet. Wie ist das zu erklären? Ich glaube, daß die Lösung recht einfach sein könnte. Vermutlich sind diese Worte „Am dritten Tage erfolgte die Befreiung" als ein Eulogium aufzufassen, im Anschluß an die Stelle im Psalm 88, Vers 6: 'vsn d-tied , d. h. in freier Übersetzung: „Bei den Toten ist Freiheit." Wir finden demnach hier eine Umschreibung des Begriffes „Sie wurden am dritten Tag getötet", wie wir ähnliche eulogifche Umschreibungen im neuhebräischen Sprachgebrauch öfter finden. Die ganze Stelle würde also etwa zu übersetzen sein: Am 12. Aw war meine Freude zu Ende, und es war der dritte Tag, da die Ermordung erfolgte. Es wäre dann allerdings in einem dem hebräischen Sprachstil nicht fremden Parallelismus der Gedanken ein und dasselbe Geschehen in zweifacher Form ausgedrückt. Dr. Weinberg. Eine gemeinnützige jüdische Cbevermittlungsstelie In Vorträgen, und Aufsätzen hat der Unterzeichnete auf die Notwendigkeit der Errichtung einer gemeinnützigen jüdischen Ehevermittlungsstelle hingewiesen. Er sieht darin ein geeignetes Mittel, um der jüdischen Ehenot der Gegenwart zu steuern, die ständig sinkende Ziffer der jüdischen Eheschließungen zu heben, zahllosen tüchtigen jüdischen Mädchen, die heute aus äußeren Gründen nicht zur Verehelichung gelangen können, und damit ihrer natürlichen Bestimmung entzogen werden, zur Verehelichung zu verhelfen; vor allem aber sollte die gemeinnützige jüdische Ehevermittlungsstelle berufen sein, die bedrohlich anwachsende Zahl der Mischehen, die ernstlich den Bestand des Judentums gefährdet, einzudämmen. Nachdem mir von verschiedenen Seiten Zustimmungserklärungen zugegangen sind, und die Gründung einer derartigen Institution als 'llßiMLm.'whi mim. 'TUäSSt Aass - Schneiderei - Aodlsches Beiwerk * -