Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (15.5.1928)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1928-05-15
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
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Bayerische Nachrichtenblatt öer Israelitischen KulMSgemeinüen in München unö Augsburg unö ües Llerbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinüen Israelitische GememÜezeitung Erscheint am -.unö-5. seöen Monats. — Verlag: V. Heller/ München, Sezugspreis für nicht eingewiesene Leztetzer: Reichsmark 4-— für Sas Herzog-Mar-Vtraße 4/ Kernruf 93099, Postscheckkonto München Nr. 3987. Aahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfennig Schristleltung: Dr. Lugen vchmiöt, Rechtsanwalt ln München, Rarlstraste 6. Kamillenanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote if Reichspfennig fpLS München, if. Mai Ar.? Inhalt: Überreste von kanaanitischen Kulturen bei Jerusalem — Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" amtliches Organ der Gemeinde Augsburg— Denkwürdige Überreste der alten Judengemeinde Rothenburg — Eine gemeinnützige jüdische Ehevermittlungsstelle — Henri Dunant — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Bücherschau — Vereine — Lehrerzeitung — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden über Ersatzwahl: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über die Einzahlung der Mieten für Betstühle, Bekanntmachung über Preisausschreiben; Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg: Bekanntmachung über die Erklärung der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" zum amtlichen Organ der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg — Personalia Überreste von kanaanitiscken Kulturen bei Jerusalem von E. B r a A, Felsaltäre. In einem früheren Aufsatz* wurde schon erwähnt, daß sich bei Jerusalem noch relativ zahlreiche Spuren von nicht jüdischen, sondern kanaanitischen Kulten finden, was man bei der religiöspolitischen Stellung, welche die Stadt im Altertum einnahin, eigentlich nicht für möglich halten sollte. — Wir wollen nun zuerst den Leser mit einigen derartigen Objekten bekannt machen, um dann die Erklärung dieses scheinbar so widerspruchsvollen Phänomens zu versuchen. — Ich fand bei Jerusalem also gelegentlich meiner Untersuchungen mehr als ein halbes Dutzend von Felsaltären. Sie bestehen gemeinhin aus mehreren Stufen, die oben in einer kleinen Plattform mit einer Schale, kleinen „Würfeln" oder dergleichen enden. Allerdings muß man ein geübter Beobachter der Felsarchitektur sein, d. h. aller der Produkte, welche aus dem lebenden Fels selber herausgearbeitet sind', um derartige Altäre zu „sehen" und sicher als solche bestimmen zu können; denn gerade in der Nähe von einstigen oder heute noch existierenden Städten hat man aus bequem gelegenen Felöpartien häufig 1 Wir verweisen auf die früher erschienenen Aufsätze des bekannten Forschers in den Jahrgängen 1929 und 1926 der „Gemeindezeitung". 3 Um das besser verständlich zu machen: wenn ich ein Haus aus Stein oder Balken und Brettern erbaue, so ist das die gewöhnliche Stein- oder Holzarchitektur: wenn ich aber in den Felsen selbst mehrere Kammern aushöhle und durch Türöffnungen verbinde, so ist das ein „Haus", eine Kammer in Felsarchitektur, wie sie in Anatolien, Etrurien usw. häufig Vorkommen. — Errichte ich einen Altar aus einzelnen Steinen und Steinplatten, so ist das ein gewöhnlicher Altar; bearbeite ich aber eine aus dem Boden hervorragende Felsspitze derart, daß sie die eben beschriebene Form erhält, so ist das ein „Felsaltar", resp. eine „Felsstatue", wie z. B. der bekannte Löwe im Luzerner Stadtpark. — ndenburg Steine zu Bauzwecken herausgeholt und diese Stellen ähneln dann fast Felsaltären. Bei aufmerksamer Beobachtung aber wird man dort niemals Schalen oder sonstige Details finden, welche die Felsarchitektur als solche charakterisieren. Auch machen oft Verwitterung, absichtliche Beschädigung oder ein Überzug von Flechten die Felsaltäre undeutlich und lassen sie im LandschaftSbild verschwinden. Da trägt es denn viel dazu bei, richtig unterscheiden zu können, wenn man bereits früher einwandfreie Exemplare, wie ich sie in Phrygien usw. bei den großen Kultzentren ausgenommen habe, gesehen hat. — Aus diesen Gründen habe ich auch in der leider noch nicht erschienenen Publikation meiner Funde vier solcher Felsaltäre nicht gebracht, weil ich nicht absolut sicher war, daß sie auch wirklich solche waren. Hingegen können wir das Gegenteil bei dem Stück, das hier Abbildung I bringt, bestimmt annehmen, da eine solche Bearbeitung des Felsens praktischen Zwecken nicht gedient haben kann. Das ist auch kein Zufall (Bruchstellen von Bausteinen), denn dazu ist das Ganze viel zu genau und regelmäßig gearbeitet; endlich ähnelt dies Exemplar fast „wörtlich" einigen Felsaltären, die bei der „Midasstadt" Iasili-Kaja in Phrygien stehen. Mit der Beschreibung kann ich mich kurz fassen, da die Abbildung ja leicht zu verstehen ist: In eine Felswand, die wie eine große Stufe (Abbildung I. 1,1) von ungefähr 2,5 Meter Höhe den Felsboden (den ersten Anfang des Kidrontales, südlich vom Aschenberg) begrenzt, sind 3 Stufen gemeißelt (2-4), von denen die oberste (4) doppelt so breit wie die beiden andern sind. Auf dieser befinden sich dann rechts und links noch zwei „Klötze" (5. u. 5.), genau wie in Iasili-Kaja. - Im Garten des heutigen S. Onufriosklosters sind auch zwei Felsaltäre, von denen einer ganz wie der eben geschilderte ist, nur hat er auf der obersten Stufe einen kleinen Einschnitt, während der zweite dort leider durch eine moderne Treppe halb verdeckt ist. Davon abgesehen,