Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (1.5.1928)
- Article
- Jüdisch-soziale Schulungswoche
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 123 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 123 städter das Sondergebiet des „Ausländerrechts" behandelte. Über „Soziale Gerichtshilfe" sprach Frl. Meyer, und für das Gebiet der „Sozialversicherung" wurde ein allgemeiner Überblick von Frl. Gertrud Israel gegeben. Auch die Vorlesungen von Frl. Ruth v. d. Leyen und Dr. Stahl über „Sozialärztliche und sozialpädagogische Fragen bei schwer erziehbaren Kindern" stellten eine gegenseitige Ergänzung dar. Aus dem vielgestaltigen, im Vordergrund der neuzeitlichen Arbeit stehenden Gebiet der Sozialpädagogik find ferner die Vorlesungen von Direktor Schlosser-Wakenitzhof über „Fürsorgeerziehung", Frl. Fürst über „Neuzeitliche Führung der Kindergärten und Horte", Frl. Karminski und Dr. Lubinski über „Die schulentlassene Jugend" zu nennen. In der Sozialhygiene konnten — wie auf allen anderen Gebieten — auch nur einige besondere bedeutsame Fragen zur Behandlung gelangen, so „Volksbelehrung als Aufgabe der Gesundheitsfürsorge", über welche Rechtsanwalt Dr. Philipsborn und Frl. Neufeld referierten, ferner eine allgemeine Einführung in die Gesundheitsfürsorge mit Magistrats- Medizinalrat Dr. Goldmann als Referenten, und schließlich „Praktische Tuberkulosenfürsorge", über welche Dr. Samson, und „Geschlechtskrankensürsorge", über welche Stadtarzt Dr. Löwenstein berichtete. Die Vorlesungen wurden zum Teil durch Arbeitsgemeinschaften in willkommenster Weise ergänzt; außerdem fanden einige Besichtigungen statt. Im Rahmen der Schulungswoche veranstaltete auch der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands eine Sondersitzung, in der Direktor Dr. Rothschild (Dinslaken) zugleich für die Teilnehmer der Jüdisch-Sozialen Schulungswoche über die Frage sprach: „Was können wir aus der Erziehungsweise der Landerziehungsheime für unsere Anstaltserziehung verwenden?" Während der Schulungswoche trat schließlich der „Soziale Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche" zu seiner ersten Sitzung zusammen: ferner fand eine besondere Zusammenkunft der beruflich tätigen jüdisch-sozialen Kräfte statt. Wie der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle, Rabbiner Dr. Baeck, in seiner Schlußansprache hervorhob, sollte die Fortbildungs- Veranstaltung vor allem dazu dienen, Theorie und Praxis, die allzu leicht verschiedene Wege gehen, erneut miteinander zu verbinden. Die Schulungswoche, aus deren Erfahrungen manches für die Ausgestaltung späterer Veranstaltungen entnommen werden konnte, soll den Anfang weiterer Schulungsmöglichkeiten bilden. Es ist auch beabsichtigt, den wesentlichen Inhalt der Vorlesungen zu veröffentlichen, damit die zahlreichen starken Anregungen der Vortragenden — die sich alle mit größter Bereitwilligkeit und vollem Erfolge in den Dienst der Fortbildungsarbeit gestellt haben — über den Kreis der unmittelbaren Teilnehmer hinaus auf die praktische Arbeit fortwirken können. Sozialer Ausschuß des Allgemeinen Deutschen l^abbinerverdandes Mit dem 1. Februar 1928 hat der Soziale Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes eine gemeinsame Geschäftsstelle mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in deren Räumen, Berlin N 24, Oranienenburger Straße 69/11, errichtet, um seine Aufgaben in stetiger enger Fühlung mit der Zentralwohlfahrtsstelse durchführen zu können. Die Verbindung zwischen Ausschuß und Zentralwohlfahrtsstelle wird durch Herrn Rabbiner Dr. Emil Levy(Berlin)hergestellt. Ihm sind als Sachbearbeiter zwei Rabbinatskandidaten, die Herren Dr. Köhler und Dr. Philipp, beigegeben. Zuschriften für die Geschäftsstelle sind nur nach Berlin N 24, Oranienburger Straße 69/11, zu richten. Anregungen und Mitteilungen allgemeiner Art bitten wir weiterhin an den Vorsitzenden des Sozialen Ausschusses, Herrn Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M., Staufen Straße 30, senden zu wollen. flus dem Verbände Bad kissingen. (Aus technischen Gründen verspätet.) Am 30. März verschied nach mehrmonatiger schwerer Krankheit im jüdischen Krankenhaus zu Frankfurt a. M., noch nicht fünfzig Jahre alt, Herr Rechtsanwalt Dr. S i l b e r f ch m i d t von Bad Kissingen. Ein Mann von gerader, vornehmer Gesinnung, ein treuer Bekenner des konservativen Judentums ist mit ihm dahingegangen. Im bayerischen Judentum hat er sich als stellvertretender Präsident der Tagung des bayerischen Landesverbandes einen geachteten Namen erworben. Am 2. April fand auf dem Frankfurter jüdischen Friedhof die Beerdigung statt. In Anbetracht des Monats Nissan beschränkte sich Herr Rabbiner Dr. H o r o w i tz (Frankfurt a. M.) auf wenige Worte des Dankes an den Verblichenen und des Trostes an die Hinterbliebenen. Herr Rezirksrabbiner Dr. Bamberger (Bad Kissingen) sprach im Namen der Gemeinde und des Israelitischen Kurhospizes in Bad Kissingen, dessen Vorstandschaft der Verstorbene angehört und dem er durch Rat und Tat seine Dienste gewidmet hat. Im Aufträge der Kultusgemeinde Bayreuth, der Heimatgemeinde des Entschlafenen, überbrachte Herr Rabbiner Dr. Salomon (Bayreuth) den Angehörigen den Ausdruck herzlicher Teilnahme. Dem trauernden Bruder will die Gemeinde für seine treue, hingebungsvolle, ehrendienstliche Arbeit Dank und Verehrung darbringen. In der Zeit seiner beruflichen Ausbildung hatte der Verblichene dank seiner musikalischen Befähigung den Gottesdienst durch Chorgesang ausgestaltet und verschönt. Ein Ehrengrab, das die Gemeinde angeboten, konnte von der Familie leider nicht angenommen werden. Namens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden würdigte Herr Justizrat Dr. E. Strauß (München) die Verdienste des Entschlafenen. Seit Beginn der Tätigkeit des Verbandes stand er als zweiter Präsident der Tagung an hervorragender Stelle und hat noch auf der letzten Tagung in Fürth in mühevoller Arbeit umsichtig und verbindlich die Verhandlungen geleitet. Seinen Rat und seine Arbeit wird der Verband sehr vermissen. Abschiedsgrüße überbrachten noch Herr Justizrat Dr. Bulheller von Bad Kissingen im Aufträge der dortigen Anwälte, Herr Oberstudienrat Freudenberger (Würzburg) für die Franken-Loge und Herr vr. meä. Mayer von Bad Kissingen für Vurschenbund Wirzeburgia. Durch alle Reden klang die Trauer um einen Mann, der das Reine ehrte, die Treue wahrte und seinem Judentum lebte. Seiner Gemeinschaft wie der Gesamtheit diente er mit gleicher Liebe. Ehre seinem Andenken! nassn Akarktbreit. Am 15. April feierte der israelitische Frauenverein sein fünfzigjähriges Bestehen. In der Festrede gab Herr Lehrer Brückheimer einen Überblick über die Entwicklung des Vereins, der außer den üblichen Aufgaben auch noch d i e übernommen hat, die Armen der Umgebung zu Pessach und Rosch-haschonoh zu unterstützen. Er überreichte dann den acht noch bei der Gründung beteiligten Damen eine Urkunde, worin sie zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Die erste Vorsitzende, Frau Berta R o s e n f e l d, übergab dem geladenen Gemeindevorstand zur Erinnerung an das Jubiläum eine prachtvoll gearbeitete Schulchon-Decke und betonte, daß dieser Tag weiterhin festgehalten werden soll durch die Gründung eines Fonds, aus welchem im Bedürfnisfalle an die Mitglieder Beihilfen abgegeben werden können. Frühere Mitglieder hatten durch Übersendung von reichen Spenden ihr altes Interesse bezeugt und durch den hier geborenen Herrn Strauß (London) war anläßlich der Feier ein herrlich verziertes Thoramäntelchen gestiftet worden. Anschließend feierte der Bezirksrabbiner, Herr Dr. W o h lg e m u t h (Kitzingen), die nur der Frau eigenen Gesiihle der Mütterlichkeit und des Mitleidens. Wittelshofen. Das Purimfest nahm in unserer kleinen Gemeinde in diesem Jahr unter Leitung des Herrn Lehrers Erlebacher (Mönchsroth), der auch Wittelshofen mit versieht, einen überaus befriedigenden Verlauf. Anschließend an die Verlesung der Megilloh, der Alt und Jung andächtig lauschte, hielt Herr Lehrer Erlebacher einen Vortrag über die Bedeutung des Purimfestes, der auf alle Zu-