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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-05-01 · 8 (1.5.1928) · p. Seite 113

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
8 (1.5.1928)
Article
Inhalt
Date
1928-05-01
Page
Seite 113 (sequence 1)
Language
German
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Aachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgemeinöe in München unö öes VerbanöeS Hagerischer Israelitischer Gemeinüen Sagerische Israelitische Gememöezeitung Erscheint am 1. unö 15. jeöen Monats. — Verlag: B. heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.— für Las tzerzog-Mar-Ätraße 4, Kernruf 93099, Postscheckkonto München Nr. J987* Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Feile 40 Reichspfennig Bchristleitung: Dr. Lugen Bchmtöt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße 6. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote if Reichspfennig 1?£8 München, 1. Mm Nr. 8 Inhalt: Jüdische Buchmalerei im 18. Jahrhundert — Über Rathenau — Der Zusammenbruch der Wissenschaft — Caliban oder Politik und Leidenschaft — Eine Gedächtnisfeier für Paul Nathan — Jüdisch- Soziale Schulungswoche — Sozialer Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München — Bekanntmachung über die Einzahlung der Mieten für Betstühle in der Hauptsynagoge für das Mietjahr 1928/29 — Perfonalia Iüdiscke Buchmalerei im 18. Jahrhundert Von Theo Harburger (München) Von allen Kunftzweigen, die die Juden für die Ausschmückung der zur Religionsübung dienenden Gegenstände heranzogen, weist die Buchmalerei naturgemäß die größte Eigenart auf. Wohl war in den ersten Jahrhunderten der gebräuchlichen Zeitrechnung bis weit in das Mittelalter hinein unter den von Juden betriebenen Handwerken das der Goldschmiede am meisten verbreitet, aber die Entwicklung der Zünfte hatte die Ausschaltung der Juden auch von diesem Kunstgewerbe bewirkt und verursacht, daß beim Wiederaufleben des Ziersinns auf jüdisch-religiösem Gebiet die heiligen Geräte von nichtjüdischen Künstlern verfertigt wurden. Der gleiche Werdegang ist natürlich auch bei der Malerzunft zu beobachten, nur hatte er — wenigstens im Norden Europas - entgegengesetzte Folgen. Noch in den mittelalterlichen Handschriften sehen wir insbesondere im italienischspanischen Gebiet, daß Schreiberarbeit und Buchmalerei durchaus nicht immer auf eine Hand zurückzuführen sind, daß vielmehr die größeren Bilddarftellungen in den geschriebenen Büchern so wenig Rücksicht auf die Schriftsührung und manchmal selbst auf die zugehörige Textftelle nehmen, daß nur die Heranziehung nichtjüdischer Miniatoren die Erklärung für diese auffallende Tatsache sein kann. Durch die oben gekennzeichnete Tendenz in den Beziehungen der europäischen Völker zu den Juden, die nach den Jahrhunderten der Vertreibungen und Verfolgungen zu einer fast völligen gesellschaftlichen Absperrung der Juden und damit zu kulturellem Ausschluß führte, hatte sich nun die Notwendigkeit ergeben, daß die ausgebildete jüdische Schreiberzunft der Ssoferim auch den bildlichen Schmuck der Handschriften sich angelegen sein ließ. Schon David Kaufmann, der bei seinen vielseitigen Kenntnissen der jüdischen Vergangenheit auch den Zusammenhang von Kunst und jüdischem Leben gerne betonte, hat in feinem Anhang zur Müller-Schlosserschen Ausgabe der „Haggadah von Sarajewo"^ diesem Zusammenhang eine grundlegende Darstellung gewidmet. In dieser Schrift hat er auch der jüdischen Buchmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts die ihr gebührende Stellung eingeräumt, besonders der mährischen Schreiberschule, die von Trebitsch ausgehend ihre Hauptwerke in der neuerstandenen Wiener Gemeinde im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts schuf. Von den in Bayern erhaltenen Zeugnissen der hochentwickelten hebräischen Kalligraphen- und Illuminatorenkunft weift ein großer Teil auf diesen Ursprung hin. Das bedeutendste Dokument dieser Art ist zweifellos die im Besitze der Gemeinde Heidingsfeld befindliche handgeschriebene Th'sillah. Dieses Gebetbuch für das ganze Jahr stellt einen Folianten (Blattgröße: 22,5 X 30 Zentimeter) mit 187 Blatt dar; jeweils die erste Seite jedes Blattes ist nummeriert. Das Titelblatt (Abb. 1), wie die letzte Seite (187 l») geben uns Auskunft über die Entstehung des Werkes. Arjeh Juda Loeb „Cahana" und „Saphra" aus Trebitsch hat die Arbeit begonnen am ersten Tebeth 5491, d. i. Sonntag, IO. Dezember 1730 in Wien unter der Regierung Kaiser Karls (IV.; 1711 - 174O) und vollendet am Dienstag der Perikope Chukath i. I. 5495, d. i. 28. Juni 1735 in Hanau (ruyn). Der Schreiber gibt auch an, daß er der Sohn des in Jerusalem begrabenen Rabbiner Elchanan „Cahana" sei. Durch diese Angaben sind wir in die Lage versetzt, den Urheber der Th'phillah, die als Geschenk des seinerzeitigen Rabbiners Baruch Cahana-Rapaport anläßlich der Einweihung der Heidingsfelder Synagoge am Freitag, 3O. Nissan 5540, d. i. 8. Mai 178O in den Besitz dieser Gemeinde, der Stätte seines 1 D. H. Müller und I. von Schlosser, Die Haggudah von Sarajewo, Anhang von D. Kaufmann: Zur Geschichte der jüdischen Handschriftenillustration; Wien, 1898, Seite 253—311. (Ausgenommen in DavidK aufmann, Gesammelte Schriften, III. Band, Seite 173—228; Frankfurt a. M., 1915.)

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