Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 7 (15.4.1928)
- Article
- Jubiläums-Schauturnen des jüdischen Turn- und Sport-Vereins Bar-Kochba, Nürnberg
- Date
- 1928-04-15
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
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108 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 essenten angelockt, so daß Saal und Tribüne überfüllt waren. Unter den Ehrengästen sah man den Vorsitzenden der Kultusgemeinde, Herrn Rosenzweig, sowie mehrere Damen und Herren des Kultusvorstandes. Vertreter hatten entsandt die Jakob-Herz- und Maimonides-Loge, der Centralverein, der R. j. F., die Zionistische Ortsgruppe, der Süddeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband, der Deutsche Schwimmverband, sowie Vertreter der Nürnberger Tagespresse, die in ihren Berichten die Veranstaltung als durchaus gelungen bezeichneten. In nahezu drei Stunden führten die einzelnen Abteilungen ihre Übungen vor, die Zeugnis ablegten von dem Ernst, mit welchem Bar-Kochba Leibesübungen betreibt. Nach dem Aufmarsch der einzelnen Abteilungen führten die Knaben- und Mädchenabteilungen schneidiges Riegenturnen vor. Die größeren Mädchen zeigten exakte Stabübungen im Rhythmus der Musik. Großen Beifall fanden die Freiübungen der Turnerinnen. Hierauf hielt der erste Vorsitzende, Herr Dr. Bloch, eine Begrüßungsansprache, in welcher er seiner Freude Ausdruck verlieh, daß so viele Besucher des Schauturnens ihr Interesse an den Leibesübungen bekundeten, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie nicht enttäuscht nach Hause gehen würden. Eltern und Erzieher könnten sich überzeugen, daß die Jugend im Verein gut aufgehoben sei. Der Verein hat in den 15 Jahren ersprießliches geleistet, er überreichte 6 bewährten Vorturnern das Vorturnerabzeichen. Als besondere Ehrung erhielt Tb. Fritz Neuburger, der sich mit besonderem Eifer der Jugendpflege widmet, einen Uhrenanhänger mit Plakette. Auch dem bewährten Turnlehrer Adolf Stibitz sprach er Dank und Anerkennung aus. In der zweiten Abteilung kamen Freiübungen und Pferdsprünge der Männerabteilung zur Vorführung. Einen sehr guten Eindruck hinterließen die Keulenübungen der Jügendturnerinnen, die Sprünge über den hohen Kasten der Jugendturner, sowie die gymnastischen Grundübungen der Turnerinnen. Die erste Männerriege bot am Hochbarren hohe Turnkunst, ihre Leistungen grenzten schon an das Artistenhafte und ernteten auch brausenden Beifall. Mit bunten Tänzen schloß das reichhaltige und musterhaft durchgeführte Schauturnen. Die eigentliche Feier des Gründungsfestes findet am Samstag, den 19. Mai, im großen Tiergartensaal statt. Jüdischer Jugendverein Dienstag, den 27. März, hatte der Jüdische Jugendverein zu einer Aufführung seiner Spielgruppe in den Cherubinsaal geladen. Gespielt wurde „Leonce und Lena" von Georg Büchner. Es ist sowohl ein Risiko wie auch ein Problem, in einer mit guten und nicht einmal immer rentierenden Theatern ausgestatteten Stadt eine Liebhaberaufführung in Szene zu setzen. Doch dies rechtfertigt die Erkenntnis, daß Theater seiner Natur nach keinen persönlichen artistischen Genuß, sondern ein Gemeinschaftserleben darstellt. Da immer wird echtestes Theater lebendig, wo einzelne für ihre und vor ihrer Gruppe spielen. Der Erfolg jedenfalls hat dem Jüdischen Jugendverein Recht gegeben, denn der Cherubinsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Aufführung unter der Regie von Willem Jan-Holsboer fugte sich zu einem wohl gerundeten Ganzen. Die überragende Leistung des Abends war ohne Zweifel der Narr Valerio Holsboers, aber auch die übrigen Darsteller waren mit Liebe und Können bei der Sache. Wir nennen den „logischen" König Paul Lindners, den romantischen Leonce Louis Knoblauchs, die Prinzessin Lena von Fannerl Chamnitzer, die Gouvernante Vicki Spinners, die drei Würdenträger, dargestellt durch Ernst Waldner, Hermann Knoblauch, Erich Erck, die Rosetta Else Knoblauchs (eine gute Leistung!). Eine ausgezeichnete Zwischenaktsmusik stellte die Verbindung der einzelnen Bilder her. Lob verdienen auch die Kostümentwürfe Maria Steiners. Dieser Abend war ein gutes Zeichen für den frischen, lebendigen Geist des Jüdischen Jugendvereins in München. S. Seskirättsnacbrickten Bei Versteigerungen jeder Art, besonders Konkurs- und Nachlaßversteigerungen, Schätzungen, Liquidationen und Gutachten bietet die einzige jüdische, seit 35 Jahren hier tätige und durch viele Anerkennungsschreiben ausgezeichnete Auktionsfirma TXl. Lohn, München, Auensiraße 38. Gewähr für sorgfältige und prompte Ausführung. Eine Berücksichtigung dieser Firma erscheint um so mehr angebracht, als sich gerade unter den in München ansäßigen Auktionären besonders in den Jahren 1922/23 antisemitische Bestrebungen durchgesetzt hatten, die so weit führen, daß man damals dis beiden jüdischen Angehörigen des bayerischen Auktionären-Verbands ohne Begründung aus diesem Verbände ausschloß. Endlich eine feine koschere Speisewürze. Eine Würze für die rituelle Küche ist bestimmt ein weitesten Kreisen willkommenes Präparat. Ganz besonders wünschenswert ist es, daß sich eine der größten Nahrungsmittelfabriken des Kontinents entschlossen.hat, ihr in allen Ländern seit Jahren bestens eingeführtes Qualitätsprodukt den rituellen Anforderungen entsprechend unter Aufsicht des Rabbinats herzustellen und damit endlich in dem Hermon-Vitamin-Extrakt eine feine koschere Speisewürze in den Handel zu bringen. Dieser Hermon-Vitamin-Extrakt ist für jede Hausfrau eine unentbehrliche Hilfe für die Küche zur Verbesserung aller Speisen, sowohl für die einfache, wie die feinste Küche. Der Extrakt ist außerdem aber als appetitanregendes Kräftigungsmittel wegen seines reichen Vitamingehaltes von den Ärzten des In- und Auslandes anerkannt und empfohlen. 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