Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 7 (15.4.1928)
- Article
- Fürth
- Date
- 1928-04-15
- Page
- Seite 104 (sequence 1)
- Language
- German
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104 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Aus dem Verbände Aürkh. Ein sehr genußreicher Abend wurde Dienstag, den 27. März d. I., im Berolzheimerianum einer zahlreichen dankbaren Zuhörerschaft geboten. Kantor B. Adler (Fürth) veranstaltete ein Konzert zugunsten sozialer Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemein.de Fürth. Das auserlesene reichhaltige Programm konnte auch hohen Ansprüchen vollauf gerecht werden, hatte sich doch ein in unserer Stadt hinreichend bekanntes Künstlerehepaar, Herr und Frau Lauer-Portner, in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt. Der Vortrag der Triofonate in C-dur von I. S. Bach bestach durch schlackenreine Tongebung und hochkünstlerische Auffassung, so daß die Zuhörer zu ehrlichen Beifallskundgebungen und wiederholten Hervorrufen veranlaßt wurden. Studienrat Körner war ein ebenbürtiger Begleiter. Eine gleichfalls glänzende Leistung bot Frl. Elisabeth Friedrich von der Frankfurter Oper, die, begünstigt durch ein ungemein sympathisches Organ durch leichte, sichere Höhe und hochmusikalische Auffassung die Herzen der Zuhörer im Sturm gewann. Nun sei aber vor allem des verdienstvollen Veranstalters Kantors B. Adler gedacht, der durch äußerst geschmackvolle Zusammenstellung des Programms und durch sorgsamste Auswahl der Mitwirkenden, den Abend zu einem Erlebnis für die Fürther Musikwelt gestaltete. Mit der Baritonarie aus Mendelssohns Elias „Ist nicht des Herrn Wort wie Feuer" bewies Kantor Adler sein hohes musikalisches Können. Er verfügt über einen klangvollen weichen Bariton, dessen gutfundierte Tiefe und mühelose Höhe intensive Arbeit und vorzügliche Schulung erkennen lassen. Seine Chöre zeigten straffste Disziplin und gute Tongebung. Konzertsänger Otto Neuburger (Augsburg) brachte die bekannte Tenorarie aus der Schöpfung „Mit Würde und Hoheit angetan" zu Gehör. Seine zu helle Tonsärbung, zumal in der Mittellage, konnte nicht restlos befriedigen. Am besten geriet ihm in seiner innig empfundenen Vortragsweise das Büßlied von Beethoven, in dem er auch ein beachtenswertes musikalisches Können zeigte. Über einen gutllingenden, vollen, dunklen Alt verfügt Frau Elisabeth Rosenfelder (Fürth). Das von ihr vorgetragene Lied von Giordani erntete besonders starken Beifall. Die Begleitung der Sologesänge lag in den bewährten Händen des Kantors Oskar Schreins (Fürth). Das Konzert schloß Anita Lauer-Portner mit prächtiger Entfaltung ihres großen Gefangtones im Poome orotique von Scott und mit dem berühmten, alle Virtuosen-Effekte springenlassenden „Tambourin Chinois" von Frl. Kreisler ab (mit Studienrat W. Körner am Flügel), nachdem es Blumen und Hervorrufe nach sämtlichen Künstlern — auch in Fülle gab. vücberschau Zur Geschichte der oberpfälzischen Juden Eine Buchbesprechung von Theo Harburger (München) In großen Umrissen sind durch umfassende Geschichtswerke die Schicksale der Juden in den vergangenen Zeiten ausgezeichnet worden, die einzelnen Geschehnisse jedoch, die zusammen das Bild ergeben, bleiben dem weiteren Publikum meist unbekannt. Der Wert, dieser, oft hochmütig als „Kleinarbeit" abgelehnten Forschungen ist nicht nur für den von Bedeutung, der in die Einzelheiten eindringen will, um ein abgerundetes, lebenswahres Bild der Vergangenheit zu gewinnen, sondern auch dem, der ohne ausgesprochenes historisches Interesse die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft eines bestimmten Ortes sich veranschaulichen will. Diesen Weg, den in der entsprechenden allgemeinen Literatur die Heimatforschung einschlägt, betritt nun in einer neuerlichen Veröffentlichung der durch frühere Arbeit aus diesem Gebiete schon erfolgreich hervorgetretene Herr Rabbiner Dr. M. Weinbergi. Der Verfasser ist schon seit seiner früheren Tätigkeit als Rabbiner von Sulzbürg durch persönliche Verknüpfung mit den Geschicken der oberpfälzischen Judenheit eng verwachsen und hat be- 1 Dr. M. Weinberg, Rabbiner in Neumarkt (Oberpfalz), Geschichte der Juden in der Oberpfalz. Bd. IV: S u l z b ü r & Bd. V: Herzogtum Sulzbach (Sulzbach und Floß). Komm.-Verlag der Ewer-Buchhandlung, München 1927. Brosch. RM. 3.50 bzw. 5.50. reits im Jahre 1909 mit einer Darstellung des „Bezirkes Rothenberg" (der Gemeinden Schnaittach, O t t e n s o o s, Hüttenbach und F o r t h) der Spezialforschung einen großen Dienst geleistet. Die Weiterführung seiner Arbeiten nach einer so langen Pause ist sehr zu begrüßen; die Ermöglichung darf als Verdienst des „Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden" betrachtet werden, dessen historische Kommission mit diesen beiden Heften ihre „Schriften" beginnt und damit zum ersten Male der Öffentlichkeit Resultate der Forschung aus ihrem Kreise übergibt. Wie in dem früheren Werke geht Weinberg in rein zeitlicher Reihenfolge dem Ergehen der einzelnen Gemeinden seit ihrer Gründung nach. Ihren Aufstieg nehmen die drei behandelten Judensiedlungen im frühen 17. Jahrhundert, als die wirtschaftliche Bedeutung der Juden zunahm und zumal nach dem Dreißigjährigen Krieg den friedlichen Ausbau der geschädigten Gebiete ausschlaggebend beeinflußte. Über das Lokale hinaus ist von Wichtigkeit, daß die oberpfälzischen Orte nach ihrem Anfall unter die kurbayerische Herrschaft die ersten und für lange Zeit einzigen waren, in denen Juden — die im altbayerischen Gebiete dem strengsten Aufenthaltsverbot gegenüberstanden — sich aufhalten durften. Das führte zu manchen verfassungsrechtlichen Besonderheiten und Schwierigkeiten und wunde mit ein Antrieb zu dem späteren Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung in Bayern. Doch nicht nur für die allgemeine Lage der Juden in der Oberpfalz bieten die Untersuchungen Dr. Weinbergs wertvolles Material, durch ihr Eingehen auch auf die Entwicklung einzelner Familien wird sie dem Spezialsorfcher vieles Neue bringen. Ta nicht nur die Gelehrtengefchichte berücksichtigt ist, sondern bis auf die Kriegsopfer jeder Angabe über die familiäre Zusammensetzung der Gemeinden zu verschiedenen Zeitpunkten Platz gegönnt wird, G)ftkmrA f/ansfrcrsse i- ^Jlttüneheri fcindte ßeuüili'it Aeit üÜe* 50 alUen dlfcin^ttctan^ 'TÖcftiiauAcA - £atulou 0\caenuf!&ka/i ftTTTi mm