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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1928-03-15 · 3 (15.3.1928) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1928
Issue
3 (15.3.1928)
Article
Die Denkschrift des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über die Neuregelung der Lehrerbildung
Date
1928-03-15
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 3 Weitaus die meisten deutschen Länder haben chre Lehrerbildung im Sinne dieser Vorschläge umgestaltet. Durchwegs verlangen sie den Besuch einer neunklassigen höheren Lehranstalt oder einer sechsklasfigen Ausbauschule mit Hochschulreife. Daran schließt sich eine zwei- oder dreijährige Berufsausbildung an der Universität (Sachsen, Hamburg, Thüringen, Hessen, Braunschweig) oder an einer Pädagogischen Akademie (Preußen). Baden hat eine „Lehrerbildungsanstalt", für deren Eintritt Hochschulreife vorausgesetzt wird, in deren „Vorkurs" aber auch Schüler mit Primareife ausgenommen werden. Die Lehrerbildung in der alten Form besteht zur Zeit nur noch in Württemberg und Bayern. Aber seit 1925 unternimmt auch Bayern Schritte, um eine Reform der Lehrerbildung in die Wege zu leiten und die Vorschläge der vorliegenden Denkschrift sind wohl das Resultat der verschiedenen Beratungen und Besprechungen der letzten Jahre. Der zweite Hauptteil der Denkschrift legt die Gesichtspunkte dar, von denen aus die neue Lehrerbildung betrachtet werden muß. Die Volksschule „soll den jugendlichen Menschen mit . allen Kräften und Fähigkeiten erfassen und ihn zu einem allseitig entwickelten, brauchbaren und tätigen Mitglied der kleinen und großen Gemeinschaften, in die er hineingeboren ist, erziehen"! Darum muß der Lehrer-Erzieher „mit wissenschaftlicher Einsicht in die Erziehungstatsachen und Erziehungsvorgänge gründliche Durchbildung in der Erziehungspraxis verbinden". Daraus ergibt sich die Notwendigkeit „einer umfassenden und vertieften Ausbildung" der Volksschullehrer. Der Lehrer „muß über soviel geistige Selbständigkeit verfügen, daß er die wichtigsten pädagogischen Strömungen verfolgen und beurteilen kann". Darum muß er sein Wissen hochschulmäßig erarbeiten; das setzt aber Hochschulreife voraus. Die Hochschulreife erwirbt der künftige Volksschullehrer am besten an der sechsklasfigen Aufbauschule, da er dann die Volksschule selbst ganz durchläuft und da ferner der Lehrplan der Aufbauschule auf die Bedürfnisse des Volksschullehrers etwas Rücksicht nebmen kann. (Musik!) Die künftige bayerische Lehrerbildung wird sich nach der Denkschrift also folgendermaßen gestalten: 7 Jahre Volksschule; dann 6 Jahre Aufbauschule mit voller Hochschulreife (Deutsche Sprache im Mittelpunkt; Machematik — Naturwissenschaften; Latein und Englisch; Musik, Werkunterricht usw.); 2 Jahre Pädagogische Akademie, Lehramtsprüfung I.; und dann 2 Jahre Fortbildung, Lehramtsprüfung II. In die Pädagogische Akademie werden auch Absolventen neunklassiger höherer Lehranstalten nach Bestehen einer entsprechenden Ergänzungsprüfung ausgenommen. Die bestehenden Lehrerbildungsanstalten werden (frühestens ab 1929) klassenweise abgebaut.und jedes Jahr tritt eine neue Klasse der Aufbauschule dafür ins Leben. Die Errichtung der Pädagogischen Akademie erfolgt erst, sobald Absolventen der Aufbauschule vorhanden sind. Das ist also frühestens 1935. Es ist wahrscheinlich, daß die Vorschläge der Denkschrift, eventuell mit kleinen Änderungen, vom Landtag akzeptiert werden. I. B. Hirnheimer (Höchberg). SchulgesckichHiche Aufzeichnungen über die ifraelitifcbe Voifcsfchule in Buttenwiefen von hauptlehrer 21t. Sonn (Fortsetzung) Ein Umlagenverzeichnis vom 30. Juli 1848, in welchem 58 Umlagenpflichtige aufgeführt werden, beweist, daß obiger behördlicher Anordnung wohl Folge geleistet wurde. Ob auch der „Fleischaufschlag" zur Durchführung kam, läßt sich aus den Akten nicht erkennen. Der Schulumbau wurde vollendet und am 1. Dezember 1848 das neue Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben. IV. Gehalts- und Schulgeldbezüge des ersten Lehrers Abraham Heilbronner Der erste Lehrer an der neugegründeten israelittschen Elementarschule A. Heilbronner hatte im Jahre 1848 in der Werktagsschule 79, in der Feiertagsschule 37 Kinder, also insgesamt 116 Schüler zu unterrichten. Hierfür erhielt derselbe, wie seine Ernennungsurkunde ersehen läßt, einen jährlichen fixen Gehalt von 325 Gulden. Dieser Personalbedarf wurde durch Erhebung eines Schulgeldes, das für Werktagsschüler monatlich 24 Kreuzer, für Sonntagsschüler monatlich acht Kreuzer betrug, vollständig gedeckt. Man konnte es daher dem Lehrer Heilbronner nicht verdenken, daß er auf das Schulgeld, welches von fremden schulpflichtigen Kindern von der Gemeinde erhoben wurde, für sich Anspruch machte und deshalb eine Beschwerde an die Kgl. Regierung richtete. Am 4. Januar 1850 wurde diese Beschwerdeschrift an die Kultusgemeinde geleitet mit dem Aufträge, „binnen acht Tagen hierüber Aufklärung und Rechtfertigung abzugeben". Dieser erfolgte unterm 17. Jänner 1850 an das Kgl. Landgericht Wertingen durch die israelitische Kultusverwaltung in sehr eingehender Weise. Sie spricht dem Lehrer Heilbronner das Recht, von fremden Kindern das Schulgeld für sich beanspruchen zu wollen, vollständig ab, weil Lehrer Heilbronner einen Jahresgehalt von 325 Gulden von der Gemeinde zugesichert erhielt, ob die Schülerzahl groß oder klein ist. Sie erklären, daß „bei weitem mehr hiesige schulpflichtige Kinder in der Fremde, als fremde Schüler hier sich befinden, daß infolgedessen Lehrer Heilbronner eine geringere Schülerzahl zu unterrichten, also Erleichterung für sich hat und dennoch seinen vollen Gehalt bezieht". Und so bittet die Kultusverwaltung zum Schluffe das Kgl. Landgericht: (Fortsetzung folgt.) Personalien Würzburg. In hohem Alter verstarb hier Frau Klara Wechsler, Witwe des ehemaligen, unvergeßlichen Lehrers der Präparandenschule Höchberg, Reb Hyle W. . Frau Wechsler war eine Tochter des «berühmten „Reb Mendel" (Rosenbaum) in Zell bei Würzburg, eines ebenso frommen wie gelehrten Mannes, der durch feine Persönlichkeit wie durch seine Beziehungen zu den höchsten Stellen in der Zeit der Emanzipationskämpfe wiederholt bestimmend auf das Geschick der bayerischen Judenheit einzuwirken vermochte. Nach dem stützen Tode ihres Mannes verblieb der Heimgegangenen die Sorge um die zahlreiche Familie. Ihr felsenfestes Gottvertrauen und ein bis ins hohe Alter ihr treugebliebener unverwüstlicher Humor halfen ihr über die Nöte des Lebens hinweg. Von der allgemeinen Hochachtung, die sie genoß, legte die starke Beteiligung bei ihrer Beerdigung, die auf dem Friedhofe in Höchberg stattfand, beredtes Zeugnis ab. Mit den Angehörigen und Bekannten werden auch die früheren „Höchberger" (zu denen auch der Schriftleiter zählt) der so wackeren und lebenstüchtigen Frau ein dankbares Andenken bewahren. Hauptlehrer L. Gutmann, Öttingen, wurde zum Oberlehrer er- Lehrer Bernstein, bisher in Aub, übernahm die Religionslehrerstelle Wilhermsdorf. TNitgliederbewegung. Als ordentliches Mitglied ist dem Verein Lehrer I. Kissinger, München, beigetreten. Ihren Austritt haben erklärt: Lehrer I. Blum und Studienrat M. Bernheim, beide in Nürnberg. (Grund: Beitragsleistung.) Einzahlungen im Februar 1928. Don Goldstein (Würzburg) 10.—, ©enger (Würzburg) 10.—, Sonn Jak. (Würzburg) 15.—, Sonn Dav. (Würzburg) 15.—, Ottensoser (Würzburg) 15.—, Dr. Hammelburger (Würzburg) 15.—, Dorfzaun (Fischach) 15.—, Oppenheimer (Fürth) 10.—, Heß (Miltenberg) 15.—, Geßner (Rostock) 10—, Wechsler (Aschbach) 15.—, Zeilberger (Floß) 30.—, Reiter (Gerolzhofen) 15.—, Edelstein (Sugenheim) 15.—, Sonn (Großlangheim) 15.—, Blumenthal (Hofheim) 30.—, Dingfelder (München) 15.—, Kirschner (München) 15.—, Dr. Keßler (München) 15.—, Dr. Klugmann (München) 15.—, Müller (München) 15.—, Krämer (Ansbach) 10.—, Rau (Hirschaid) 15.—, Laßmann (Westheim) 10.—, Wolf (Lendershausen) 15.—, Erlebacher (Mönchsroth) 20.—, Lehmann (Eschau) 15.—, Kurzmann (Schweinfurt) 15.—, Gundersheimer (Brückenau) 15.—, Sonn (Buttenwiesen) 30.—, Wähler (Hörstein) 15.—, Adler (Frankfurt) 35.—, Freudenberger (Thüngen) 15.—, Lichtenstädter (Hamburg) 10.—, Schwarzenberger (Bödigheim) 10.—, Dr. Fränkel (Augsburg) 30.—, Heß (Nürnberg) 15.—, Frank (Uffenheim) 15.—. Durch Dingfelder (München) 200.—, Wechsler (Aschbach) 5.—. Würzburg 1. März 1928. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.

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