Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1928-03-15 · 3 (15.3.1928) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1928
Issue
3 (15.3.1928)
Article
Ein Bericht über die Verbandstagung
Date
1928-03-15
Page
Seite 5 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9539926-9936854-9936859--354-2732950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iMtteilimgm des MMchen Mmvmins für Wem Schriftleitung: M. Rosenfeld, München 1928 München, 15. März Nr. 3 Sn vericdl über die Verbandslagung Ein eigenartiger Bericht über die Lehrerverbandstagung in München erscheint in Nummer 2 der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes". Der Bericht befaßt sich in feinem Hauptkerl mit den Referaten der 2. öffentlichen Versammlung — Lehrerschaft und Jugendbewegung — und gibt besonders eingehend die Ausführungen der beiden Vertreterinnen des Frauenbundes wieder. Um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als ob diese Ausführungen auf der Versammlung unwidersprochen geblieben 'wären, bringen wir hier nach der stenographischen Aufnahme die Entgegnung des 2. Referenten, Predigers Rülf (Detmold). Im übrigen verweisen wir auf das im „Israelitischen Familienblatt" (Hamburg) abgedruckte offizielle Protokoll, aus dem ein objektives Bild der Verhandlungen zu gewinnen ist. Prediger Rülf führte in seinem Schlußwort aus: „Es hat ein Vertreter der neutralen Jugendverbände gesprochen und es haben zwei Damen gesprochen. Ich bedaure, daß die Jugend nicht gesprochen hat. Die beiden Damen sind nicht auf das eingegangen, was ich gerne gehört hätte. Viel lieber wäre mir gewesen, wenn sie gesagt hätten, diese jungen jüdischen Menschen werden wir in unsere Familien aufnehmen. Die Vereine und andere, die damals in den Jahren 1894 und, 1896 durch die Logen ins Leben gerufen wurden, sind zusammengebrochen, weil unsere jüdische Jugend kein Rachmonus will, sie will gleichberechtigt behandelt werden. Ziehen Sie die jungen Menschen in Ihren Kreis. Ich rede hier zu den Müttern. Liebe Mütter, sorgt dafür, daß Ihr Mütter nicht nur seid für Eure Kinder, sondern für ganz Israel. Da nützen alle schönen und noch so gut gemeinten Einrichtungen nichts. Unsere jüdischen jungen Leute haben höhere Ziele vor Augen. Ich möchte nun auf das eingehen, was die zweite Rednerin gesagt hat. Wir vertragen jede Kritik und was ich heute ausgeführt habe, war auch Kritik an uns. Aber die Kritik darf nicht über das Ziel Hinausschiehen. Sie haben gesagt/wir haben griechische und nicht jüdische Geschichte kennengelernt. An wem liegt das? Das liegt an den Eltern, die die Kinder nicht dem jüdischen Lehrer zugeführt Haben. Dieser wäre gerne bereit gewesen, seine Kraft in den Dienst der Jugend zu stellen. Die Arbeit, die wir hier leisten, ist nichts anderes als Mehrarbeit für euch. Damit möchte ich auch dem entgegentreten, was von der Bequemlichkeit der Lehrer gesagt wurde. Ein altes Wort sagt, wo kein Mehl ist, ist kein Werk. Dr. Driesen hat gesagt, der materielle Hintergrund muß da sein. Die in gesicherten Verhältnissen leben, können leicht ideal sein. Aber wir sind trotz unserer schlechten materiellen Stellung ideal eingestellt. Und ich sage Ihnen eines: Was lastet nicht alles auf dem jüdischen Lehrer? Er soll in allen Sätteln gerecht sein. Von wem verlangen Sie denn sonst noch all das? Selbst vom Rabbiner verlangen Sie es nicht. Warum alles von uns? Wir sind nie bequem gewesen; seitdem das Judentum besteht, waren wir die Träger. Das ganze deutsche Judentum bestände nicht mehr, wenn wir jüdischen Lehrer nicht wären. Das ist unser Idealismus und da können Sie versichert sein, der bleibt uns. Die Denkschrift des bayerischen Slaalsministeriums für Unterricht und Kultus über die Neuregelung der Lehrerbildung Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat dem Landtag eine ausführliche Denkschrift über die Neuregelung der Lehrerbildung vorgelegt. Die einleitende Übersicht über die Geschichte der Lehrerbildung in Bayern seit 1866 zeigt deutlich, in welcher Richtung der Weg geht. War das Ziel der Lehrerbildung 1866 der Schulmeister, der den Stofs der Volksschule beherrscht und „Geschicklichkeit" besitzt, diesen Stofs den Kindern beizubringen, so erstrebt die neue Lehrerbildung „die berufstüchtige und selbständige, von echtem Gemeinschaftsgeiste, sowie von Berufsfremde und Berufstreue erfüllte Lehrerpersönlichkeit". Mit Verwunderung wird man jedoch gewahr, daß trotz der großen Fortschritte der Pädagogik in diesem Zeiträume fast 50 Jahre die Lehrordnung der Lehrerbildungsanstalten unverändert blieb. Im Jahre 1912 erst wurde der Lehrplan gründlich umgestaltet. Eine gute Allgemeinbildung — etwa der mittleren Reife entsprechend — bildete nunmehr die Grundlage, auf welche sich die Berufsbildung aufbaute, zu deren Vertiefung oamals ein neues Seminarjahr angegliedert wurde. Aber schon zu jener Zeit bestand in manchen pädagogischen Kreisen die Auffassung, daß aus verschiedenen Gründen das Seminar überhaupt nicht die geeignete Stätte für die Lehrerbildung wäre, sondern auch der Volksschullehrer — wie alle höheren geistigen Berufe — nur durch den Besuch der Hochschule die rechte Ausbildung erlangen könnte. In der Nachkriegszeit erkannte man schließlich fast allgemein, daß die Hochschulbildung der Lehrerfür die Zukunft des deutschen Volkes von höchster Bedeutung sein wird und im Art. 143, Abs. II, der Reichsveickassung wurde bestimmtt: „Die Lehrerbildung ist nach den Grundsätzen, die für die höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich zu regeln." Die Denkschrift schildert nun, wie aus Rücksicht auf die ungeklärte außenpolitische Lage die Ausführung der Beschlüsse des Reichsschulausschusses (November 1919 bis Februar 1920) und die Vorschläge der Reichsschulkonferenz zunächst aufgeschoben wurde. Der Reserentenentwurf des Reichskabinetts vom Oktober 1921 scheiterte schließlich am Widerspruch der Finanzminister der Länder und die Besprechung der Länder vom 14. Februar 1923 schaffte völlige Klarheit darüber, daß die Länder nicht willens oder nicht in der Lage waren, sich in der Lehrerbildungsfrage zu einigen. Die Denkschrift gibt dann einen Überblick über die Pläne zur Neugestaltung der Lehrerbildung, wie sie von bedeutenden Pädagogen, von bayerischen Hochschulprofessoren und von den bayerischen Lehrervereinen aufgestellt worden sind. Der wesentliche Inhalt der Pläne ist aus folgender Übersicht zu ersehen: (VS — Volksschule, HL — höhere Lehranstalt, HR — Hochschulreife, U — Universität, PA — pädagogische Akademie.) Lebensjahr 7.8.9.| 10. 11.12.J 13.| 14.15.16.| 17.18.19 20.|21.| 22. Spranger BS h L mit HR Bildnerhochschule Univ.-Prof. Stölzle (Würzburg) VS Gynm. oder Realgymnasium ll Univ.-Prof Saran (Erlangen) VS Gymnasium oder Realschule Berufsschule HR Kerschensteiner 1921 VS Realschule, mit Modifikationen Seminar HR Kerschensteiner 1927 VS h L mit HR PA Prof. Eggersdorfer theol Hochschule Passau Berufseignungsprüfung PA an U oder theol. Hochschule VS > h m mit HR BS I Aufbauschule VS | HL | PA Seminarlehrerverein bzw. Seminarrektoren VS Allgemeinbildung Be- VS h L mit HR BMsschullehrerverein VS h L mit HR U VS | Ausbauschule Kath. Lehrerverband VS h L mit HR kPA Käthl Lehrerverein in Bayern VS h L mit HR Lyzeum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.