Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (1.3.1928)
- Article
- Würzburg
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeirung für Sabbate und Sonntage nicht gut frei machen können, will wesentlich durch Bearbeitung der Jugend für die Zukunft eine Besserung herbeiführen, kann für die praktische Gegenwartsarbeit, die oben geschildert, weniger in Betracht kommen. E i n Punkt konnte leider bei der vollständigen Ausfüllung der Beratungszeit nicht mehr behandelt werden, die Frage der Ansäßigmachung eines Sophers in Bayern, eine Berufsklasse, an der es zur Zeit nahezu ganz fehlt. Winke und Angebote nach dieser Richtung wären der Leitung des Bundes gesetzestreuer Gemeinden ganz besonders erwünscht. Wir können nur den Wunsch hegen, daß die gut besuchte — sie zählte 55 Teilnehmer — und von einem wahrhaft jüdischen Geist erfüllte Versammlung und ihre Verhandlungen gute Früchte im Interesse der Wiederbelebung des religiösen Sinnes auf dem Lande zeitigen mögen. Jedenfalls trat ein derartig erfreulicher Idealismus der Lehrerschaft zutage, der die besten Hoffnungen aus ein Gelingen der Bestrebungen des Bundes und der Verhandlungen der Versammlung rechtfertigt. Die israelitische Realschule in Fürth Im Gegensatz zu der größeren Zahl jüdischer Volksschulen ist als jüdische Mittelschule in Bayern die 1862 gegründete „höhere Bürgerschule in Fürth" vereinzelt geblieben. Diese außerordentlich verdienstvoll wirkende Schule hat sich dank der unermüdlichen Bemühungen ihrer Leiter Dr. Auerbach (1862—1873), Dr. Dessau (1873—1898), Dr. Feilchenfeld (1901—1923) zu einer Musteranstali entwickelt, welcher 1911 in Anerkennung ihrer Leistungen seitens des Reiches die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst erteilt wurde. Unter dem seit 1923 als Direktor wirkenden Dr. Elias hat die Anstalt weitere gute Fortentwicklung genommen. Sie zählt heute 160 Schüler und Schülerinnen, welche in zehn Klassen (vier Vorschul- und sechs Realklassen) von elf im Hauptamte wirkenden Lehrern (drei Volksschullehrer, zwei Religionslehrer, sechs Reallehrer) und mehreren technischen Hilfskräften unterrichtet werden. Die Schüler der Oberklasse haben seit Bestehen der Anstalt fast ausnahmslos die seit 1828 unter Leitung eines Staatskommissärs an der Anstalt abgehaltene Abgangsprüfung bestanden. Der Betrieb der Anstalt legt dem Vereine, welcher Unternehmer der Schule ist, schwere Lasten auf. Nur etwa zwei Fünftel der Eltern sind in der Lage, das Schulgeld, welches in den Volksschulklassen RM. 120.—, in den Realschulklassen RM. 180.— jährlich beträgt, voll zu bezahlen. Aber selbst bei Vollzahlung würden die Eingänge nicht im Entferntesten zur Deckung der Gehälter mit RM. 18 000.— und der Pensionen für sechs Bezugsberechtigte mit RM. 14 000.— (wozu RM. 6000.— der Versorgungsverband bayerischer Gemeindebeamten zuschießt) ausreichen. Schon jetzt lastet auf dem Anwesen eine aus Betriebsausfällen herrührende Hypothekenschuld von RM. 20 000.— neben einer ungedeckten Bankschuld von RM. 11 000.—. Die Schule wendet sich daher an alle Glaubensbrüder Bayerns mit der Bitte um Förderung. Es ist ihr Bestreben, jüdische Kinder zu guten Juden und gebildeten Menschen, zu tüchtigen Kaufleuten und treuen Staatsbürgern zu erziehen. Sie bedarf zur Erreichung dieser Zwecke finanzieller Unterstützung durch Gemeinden, Verbände und einzelner. Sie bedarf aber auch ideeller Förderung. Nicht nur Schulkinder aus Fürth und Nürnberg, auch Volks- und Mittelschüler aus ganz Deutschland können Aufnahme finden. Es ist Gelegenheit geboten, die Kinder in guten Pensionen zu mäßigen Preisen unterzubringen. Mägen alle zusammenstehen, diese segensreich wirkende Anstalt zu erhalten. ttus der Semeinde Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Lehrkurfe März 1928 Programm A. Vorträge Universitätsprofessor Dr. Max Eisler (Wien): „Die Kunst Max Liebermanns." Zuvor Einführung in die Kunstbetrachtung. Zwei Vorträge mit Lichtbildern am 11. und 12. März 1928, 20 Uhr 15 Minuten, im Museumssaal, Promenadestraße 12. Numerierter Sitzplatz RM. 2.—. Sitzplatz RM. 1.50, Stehplatz RM. 1.— für beide Vorträge. Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung am 16. Februar 1928 Geheimer Justizrat Dr. Dispeker eröffnete die Sitzung, er beglückwünschte K. R. Dr. Wassermann zu der verliehenen Auszeichnung und sprach die Hoffnung aus baldige Genesung des wegen Krankheit abwesenden Justizrat Beer aus. Er hieß den an Stelle des in die Vorstandschaft gewählten Justizrats Dr. Oestreich in die Gemeindevertretung eingetretenen Ingenieur Sternberger herzlich willkommen. Cs wurde dann eine Entschließung des Landesfinanzamtes an den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden vom 12. Januar 1928 verlesen, in der festgestellt wird, daß das frühere Finanzamt München II, jetzt München Süd, aus der Vermögenssteuer 1925 der offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften nur die Bauumlagen statt der vollen Kirchenumlagen erhoben habe, daß diese Sachbehandlung unrichtig sei und richtig gestellt worden wäre. Herr Generaldirektor Samuel Weiß hat der Gemeinde eine Stiftung von RM. 10 000.— in Aktien der Lokalbahn-A.-G., München, als Grundstock eines unter dem Namen Samuel Weiß zu verwaltenden Stiftungsvermögens übergeben. Die bisherigen drei Vorsitzenden des Vorstandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Justizrat Dr. Oestreich und Justizrat Dr. Elias Straus sind vom Vorstand wiedergewählt worden. In den Revisionsausschuß wurde Herr Eugen Löwenstamm gewählt: K. R. Louis Ballin hat die Wahl in den Synagogen-Ausschuß, J.-R. Leo Oppenheimer die Wahl als Beauftragter des Krankenhauses angenommen. Herr Sally Eichengrün hat wegen Arbeitsüberlastung die Wahl in die Ritterstiftung abgelehnt. Eine Ersatzwahl für Herrn Eichengrün wurde für nicht erforderlich erachtet. Anschließend wurden verschiedene Gehalts- und Personalfragen behandelt. Der israelitischen Religionsgesellschaft Ohel Jakob wird zur Durchbildung ihres Synagogenchors ein monatlicher Zuschuß von 60 RM. gewährt. Ferner wurde beschlossen, einen Synagogenchor-Ausschuß zu bilden, der über die bei den Gottesdiensten zum Vortrag gelangenden Kompositionen Bestimmungen zu treffen har. In diesen Ausschuß wurden gewählt: J.-R. Dr. Oestreich, Dr. Wilmersdörser und als sachverständiger Berater Kantor Kirschner. Zum Vertragsabschluß mit der Firma V .Heller bezüglich der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung sprach J.-R. Dr. Oestreich als Berichterstatter. Die Zeitung wird im Jahre 1928 zweimal monatlich, und zwar jeweilig am 1. und 15. erscheinen. Man hat sich bei den Verhandlungen auf den Standpunkt gestellt, daß die Zeitung nur dann zweimal monatlich erscheinen dürfe, wenn sie die Gemenge nicht mehr, sondern weniger kosten würde. Die Garantiesunnne betrug bisher 6000 RM. und ist nunmehr auf 3600 RM. herabgesetzt worden. Das Ziel geht dahin, die Gemeindezeitung ohne Zuschüsse auf eigene Füße zu stellen. Ein Schritt in dieser Richtung GROSSE JUGENDHERBERGS-LOTTERIE eingerichtet — m. Bauplatzzusch. mit 10 Losen RM. 5.— _ .mit 6 Losen RM. 3.— bei allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen, sowie bei der Hauptvertriebssteile Bayer.' Lotterie-Ges. m. b. H. (Aubeie), München, Marienplatz 1 (Postscheckkonto 5463) 50-Pfennig-Lose / Glückbriefe! "*®*®®““**®**“®**S bei allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen, sowie bei der Ha 8635 Gewinne im Werte von RM. $5 000 Barauszahlung a.Wunsch m.80°6 BEREITS NÄCHSTE WOCHE: 9. MÄRZ BESTIMMT ZIEHUNG