Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (1.3.1928)
- Article
- Justizrat Dr. Bernhard Breslauer, Ehrenpräsident der Vereinigung für das liberale Judentum, gestorben
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 über einen Teppich, fiel hin und zog sich einen Arm- und Beinbruch zu. Die Folgen dieses Unfalls konnte der sonst rüstige Greis nicht mehr überwinden. Justizrat Bernhard Breslauer wurde 1851 in Posen geboren. Schon in seiner Jugend wandte er sich öffentlichen jüdischen Fragen zu. Er war der erste, der Bestrebungen zur Erringung öffentlicher Rechte für jüdische Gemeinschaften in Deutschland anregte und einleitete. Mit seiner Hilfe wurde seinerzeit der Verband der deutschen Juden gegründet. Er war Mitbegründer der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und deren Präsident vom Gründungsjahr 1908 bis 1917. In Würdigung seiner großen Verdienste hat ihn die Vereinigung zu ihrem Ehrenpräsidenten gewählt. Justizrat Breslauer betätigte sich hervorragend in der sozialen und in der Wohlfahrtsarbeit. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: „Recht und Rechtspflege im Judentum" in der Sammelschrift „Soziale Ethik im Judentum"; „Die jüdische Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege" im „Archiv für Volkswohlfahrt", „Das jüdische Recht nach dem System des Bürgerlichen Gesetzbuches". 5lus dem Verbände Würzburg. In Verfolg der bei der letzten Versammlung des Bundes gesetzestreuer Gemeinden in Kitzingen gefaßten Beschlüsse und Resolutionen, die sich mit der Behebung der religiösen Not in den Landgemeinden befaßten, und zugleich auf Wunsch der Agudas Jisvoel-Jugend-Gruppe, Sitz Nürnberg, die sich bei der Erfüllung dieser Aufgaben zu beteiligen wünscht, hatte die Vorstandschaft des Bundes auf den heutigen Tag eine größere Versammlung von Interessenten einberufen. In weitem Umfange hatten sich die Teilnehmer, besonders auch aus Lehrerkreisen, eingefunden, was hiermit dankbar anerkann twird. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), setzte in seinen einleitenden Worten das Problem, um das es sich handelt, auseinander und forderte die Teilnehmer zur Diskussion auf, bei der im Sinne des Wortes '{]}'' ny'.trm der Nachdruck auf ersprießliche Vorschläge und rettende Tat gelegt werden möge, nicht auf rethorische Ausführungen. Die Debatte bewies auch in der Tat den Wunsch zu helfen und war von einem erfreulichen Geiste gekennzeichnet, der schon aus der Rede des ersten Redners, des Herrn Lehrers Brückheimer (Marktbreit) ersichtlich war, der hauptsächlich den Nachdruck auf die Tätigkeit der Lehrer der Filialstellen legte, die mehr, wie bisher, ihre Zeit ausnützen müßten und es sich nicht genügen lassen dürften, nur einmal pro Woche zu unterrichten, sondern auch bereit sein sollten, mindestens einmal im Monat, vielleicht an einem Sonntag, eventuell auch einmal an einem Sabbat, wenn sie in der Hauptgemeinde vertreten sind, auch einen Schiur-Vortrag zu halten. Aber auch die Vertreter des Lehrerberufes, die keine Filialen haben, denen ihre Tätigkeit so viel freie Zeit läßt — und bei den meisten Religionslehrern dürfte das der Fall sein —! sollten es als n‘2* C’21” betrachten, sich für lehrerlose Gemeinden im Sinne der gemachten Ausführungen zur Verfügung zu stellen. Diese Anregung war sicher auf einen fruchtbaren Boden gefallen-, denn eine von einem der anwesenden Herren Lehrer sofort in Umlauf gesetzte Liste förderte 14 Namen zutage, von Herren, die in diesem Sinne sich zur Verfügung zu stellen, sich bereit erklärten. Diese Liste soll alsbald in dem Sinne ergänzt werden ,daß sämtliche lehrerlose Gemeinden in Bayern eruiert und auch die übrigen Herren Lehrer aufgefordert werden sollen, die von ihnen in obigem Sinne zu versorgenden Gemeinden zu nennen. Einmütig war man der Ansicht, daß das anregende und erfrischende Thorahwort doch wenigstens von Zeit zu Zeit vorgetragen werden muß, wenn nicht eine völlige geistige Versandung und religiöse Stagnation einsetzen soll. Allein schon die Ermöglichung Tefiloh bezibur hin und wieder muß als Wohltat empfunden werden. Am schlimmsten freilich sieht es mit. der Thorahvorlesung in lehrerlosen Gemeinden aus und nur wenige Gemeinden sind in der glücklichen Lage, einen würdigen, sachkundigen Privatmann in ihrer Mitte zu haben. Demgemäß war es die Meinung der Versammelten, daß nach dieser Richtung besondere Fürsorge Platz greifen muß, damit nicht immer wieder religiöse Unzuträglichkeiten sich Herausstellen und Brochoth lebatoloh geschehen. Die Herren Lehrer sollen schon um deswillen, damit sie auch einmal, ohne ihre Seele mit drückender Beklemmung belastet zu fühlen, über einen Sabbat verreisen können, daraus bedacht sein, junge Leute und Knaben, die bereits Barmizwoh sind, zu Baale Krioh auszubilden und schon während des Jahres immer wieder einzelne Parfchioth durch sie vortragen lassen, vielleicht gerade die in die Ferien fallenden Abschnitte mit ihnen zu erlernen. Um dieses Ziel zu erreichen, müßte künftig davon Abstand genommen werden, dem Barmizwoh nur mechanisch seine Parschoh beizubringen, sondern es müßte eine gründliche Unterweisung in den Neginoth und Taamim erfolgen, die den Jungen instand setzt, sich selbst für eine weitere Krias-hathoroh vorzubereiten. Mit Recht meinte Kahn Westheim, es müßte die Erlernung der Krias-hathoroh in den offiziellen Unterricht gelegt werden. Ganz im Sinne der in Kitzingen gefaßten Beschlüße soll auch versucht werden, durch ein Inserat festzustellen, ob es möglich sein sollte, in vom Bunde aus an einem oder mehreren zentral gelegenen Orten zu veranstaltenden, unter sachgemäßer Leitung stehenden, auf einige Wochen sich erstreckenden Kursen junge Leute zu Baale Thephilloh, Baale Krioh, Baale Thekioh heranzubilden. Zur Erhaltung und Erleichterung des religiösen Lebens auf dem Lande sollte auch in Erwägung gezogen werden, ob nicht religiös geeignete junge Leute zur Ausführung der rvi2*y nü'nt^ herangebildet werden könnten. Falls der Punkt der eben erwähnten Kurse Schwierigkeiten begegnen sollte, wäre durch Inserat oder direkte Befragung durch die zuständigen Rabbiner sestzustellen, ob nicht einzelne Lehrer in ihren Gemeinden unter Gewährung von Prämien seitens des Bundes sich um Ausbildung der jungen Leute in obigem Sinne bereit finden würden, und auch Baalebotim dazu heranziehen könnten. Als ein brauchbarer Vorschlag wurde auch die Anregung des Herrn Ludwig Loewenhaupt (Kitzingen) erachtet, daß geeignete Schiur-Vorträge für bestimmte Sabbate und Feste seitens der einzelnen Rabbiner in die lehrerlosen Gemeinden behufs Vortrags gesandt werden mögen und wenn möglich auch geeignete Bücher aus einer leicht faßlichen religiösen Literatur zur Verfügung gestellt werden könnten. Freudigst würde es begrüßt werden, wenn auch Mitglieder der V. j. A. an Sonntagen, eventuell auch einmal an Sabbaten, zur Ermöglichung einer Tefilloh bezibur und eines Schiur-Vorteages hin und wieder Landgemeinden aussuchen würden. Die Agudas-Jugend-Organisation, die zum größten Teil junge Kaufleute umschließt, die sich bei ihrem Arbeitsverhältnis gerade ch ölorte~JhtJL POEZ£Ll>4X^IED£BLlGE MtXCHEJf THEATINERSTRASSE 23 GRÖSSTE AUSWAHL IST GEBRAUCHS- UND LUXUS-PORZELLAN DIE,FÜHRENDE WELTMARKE