Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-15 · 3 (15.2.1928) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
3 (15.2.1928)
Article
Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde München
Date
1928-02-15
Page
Seite 43 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2727810-2727850-2727853-2732716--02908-2732772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 43 8. Arbeitsgemeinschaften Dr. Willy Meyer (Nürnberg): «Die Geschichte des antiken Denkens in seinen Beziehungen zum Judentum." 5. Abend: «Philon aus Alexandreia", am 15. Februar. 6. Abend: «Plotin", am 29. Februdr. 20,15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf. Straße 1, Rückgebäude. Eintritt frei. Werden und Wesen der jüdischen Mystik Infolge Raummangels sind wir genötigt den Bericht über den Vortrag von Leo Baeck auf die nächste Nummer zurückzustellen. Am Sonntag, dem 5. Februar, hat anschließend an den Vortrag von Rabbiner Dr. Leo Baeck eine gesellige Zusammenkunft in den von der Gesellschaft „Concordia" freundlicher Weise zur Verfügung gestellten Räumen stattgesunden. Die Herren Moritz Goldberg (Violine) und Franz Kleinbauer (Klavier) boten einen sehr ansprechenden Vortrag der Händelschen Sonate für Violine und Klavier f-dur. Max Kahn sang in gewohnt ausgezeichneter Weife Lieder von Schubert, Loewe und Mendelssohn. Gastspiel des Moskauer hebräischen Theaters Habima in den Münchener Kammerspielen des Schauspielhauses Das Moskauer hebräische Theater hat auf einer zweijährigen Turnee, die es durch fast ganz Europa und Amerika führte, nunmehr auch in München gastiert. Es ist anzuerkennen, daß die Münchener Kammerspiele diesem Theater einen Platz in ihrem Hause eingeräumt und so wiederum gezeigt haben, daß sie einen der wertvollsten Faktoren im kulturellen Leben Münchens darstellen. Das Moskauer hebräische Theater sieht bereits auf einen zehnjährigen Bestand zurück. Damals in den Wirren der russischen Revolution fanden sich in Moskau junge Leute, meistens Akademiker, zu einer Theatergruppe zusammen. Ihr Spiel ist das offensichtliche Ergebnis einer außerordentlich eingehenden Detailarbeit, einer Arbeit, die durch das hinreißende Feuer der Darstellung verdeckt wird. Die Habima hat in München drei Stücke gespielt: „Dybuk" von An-Ski, „Der Golem" von Leiwik, „Der ewige Jude" von Pinsk. Letzteres hat der Berichterstatter nicht gesehen. Wir versagen es uns an dieser Stelle aus den Inhalt der gespielten Stücke einzugehen und verweisen auf den oben wiedergegebenen Aufsatz „Dybuk". Was an dem Spiel der Habima besonders auffällt, ist ihre Kunst des Ensemblespiels, die nicht nur das Ergebnis von Schulung und Technik ist, sondern der Ausdruck einer starken inneren Zusammengehörigkeit. Daß bei dieser Truppe das Starwesen fehlt, daß heute ein Schauspieler eine Nebenrolle vertritt, der gestern eine Hauptrolle spielte, ist nur ein äußerer Beleg hierfür. Die Verwendung der Maske ist bei diesen Schauspielern in einer Weise gesteigert, wie sie sonst im europäischen Theater sich nicht findet und cm die Masken der alten griechischen Tragödien beinahe erinnert. Sie ist neu und ungewohnt, aber sehr wirkungsvoll. Die Masken der Lahmen, Blinden und Bettler, der Talmudschüler im „Dybuk" wie die Masken der Gruppenszenen im „Golem" haben starke Eindrücke hinterlassen, sie waren individuell belebt. Manche Bilder und Gestalten wird man so leicht nicht vergessen. Die Braut Leah in überirdischer Schönheit unter den Armen und Bresthasten von dem Dämon (Dybuk). Das unheimliche Spiel des Meschullah. Die prachtvolle Gestalt des Wunderrabbi Asriel, zu dem Leah gebracht wird, damit er den Dämon aus ihr vertreibe. Hier werden manche Erzählungen über die chassidischen Wunderrabbis vorstellbar und verständlich. Ein ganz anderer wiederum ist der Prager Rabbi Löw, der Maharal. Beide sind von dem gleichen Darsteller gespielt und doch ist die Verschiedenheit der Charaktere ausgezeichnet durchgeführt. Asriel, der Zaddik, der nach den Lehren des Chassidismus, da, wo er erscheint, die göttliche Harmonie herstellt und Rabbi Löw, der Kluge, der Leidenschaftliche, der mit beiden Füßen auf der Erde steht und — klebt. Auch die Darstellung des Golem, gewiß keine leichte Aufgabe, vermochte durchaus zu überzeugen. Einen starken Gegensatz hierzu schuf A. Rowina, die Darstellerin der Leah, im Messias des „Golem". Es überraschte die Klangfülle der hebräischen Sprache. Bedauerlich ist, daß volles Verständnis infolge Unkenntnis oder mangelhafter Kenntnis der Sprache nur einem Bruchteil der Zuhörerschaft möglich war und es ist ein Zeichen für die hohe Kunst der Darstellung, daß das Spiel der Künstler auf die Zuhörerschaft unzweifelhaft einen sehr starken Eindruck hinterließ. S. Frau Hermine Klein, die Schwiegermutter des Kastellans der Kultusgemeinde München, Herrn Leopold Goldlust, konnte am 10. Februar in seltener körperlicher und geistiger Frische ihren 90. Geburtstag feiern. Vereine Vereinigung Jüdischer Akademiker an der Universität München, i. B. I. A. S. E. Herr Bezirks-Rabbiner Harry Levy, Regensburg, spricht am Donnerstag, dem 16. Februar 1928, abends 8 Uhr, im Lesiingsaal, Herzog-Rudolf-Str. 1, über „Neue Wege der Religionsphilosophie". Gäste sind herzlich willkommen. Eintritt frei. i. A.: Gustav Spielmann. Jüdischer Gesangverein. In der Generalversammlung am 27. Januar erfolgten Neuwahlen. In den Vorstand wurden gewählt: als erste Vorsitzende Frau Emma Dreyfuß, weitere- Vorstandsmitglieder die Herren Justizrat Dr. Fränkel und Dr. Betzak. Ausführlicher Bericht folgt. Jüdischer Jugendverein, München In der diesjährigen Generalversammlung wurde der 1. Vorsitzende wiedergewählt. Ferner: die Damen A. Kovacs, Bober und Halpern; die Herrn Studienrat Schaalmann, Dr. Wellisch und Glaser. Die Vorstandschaft behielt sich das Recht der Kooptierung weiterer Mitarbeiter vor. Ein ausführlicher Bericht folgt. Am Donnerstag, dem 16. Februar, 20 Uhr, im Heimlokal, St.-Anna-Straße 6 pari., veranstalten wir einen internen heiteren Abend, zu dem besonders Maskierte Zutritt haben. Nur Mitglieder und nur die Gäste, die im Besitze einer Gastkarte sind, werden eingelassen. Gasttarten sind beim 1. Vorsitzenden Herrn Neisser in der „Ewer"--Buchhandlung, Ottostraße 2, zu holen. Da nur wenige ausgestellt werden, bitten wir um rechtzeitige Besorgung. Das neue Arbeitsprogramm erscheint noch Mitte dieses Monats. Wir bitten Interessenten dieses zu verlangen. Die Freitag-Abende sind wie bisher jeweils in der Herzog-Max-Straße 9, Rckg. 1. Stock. Jeder willkommen! konzerlverein. Die in Münchener musikalischen Kreisen bestens bekannte Geigerin Annie Steiger-Betzak (Frankfurt a. M.) wurde erngeladen, am 24. Februar in einem der von Dr. M u n - t e r geleiteten Freitagsfymphoniekonzerte des Münchener Konzertvereines das selten gehörte Prokofieff-Violinkonzert zu spielen, mit dem sie kürzlich in einem Konzert des Berliner Symphonieorchesters großen Erfolg errang. Wie wir hören steht der Jüdische Gesangverein München mit der Künstlerin in Unterhandlung, um sich ihre Mitwirkung in einer Veranstaltung zu sichern, die dem Andenken Franz Schuberts anläßlich seines hundertjährigen Todestages gewidmet sein soll. RICHARD GÜLDENSTEIN Herzog-Max-Straße 4 Privat: Schubertstraße 5/II Telephon 54 0 62

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.