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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-15 · 3 (15.2.1928) · p. Seite 33

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
3 (15.2.1928)
Article
Inhalt
Date
1928-02-15
Page
Seite 33 (sequence 1)
Language
German
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Homerische Aachrichtenblatt üer Israelitischen Aultusgemeinöe in München unü öes VerbanüeS Homerischer Israelitischer Gemeinüen IsraeÜtische Gemeinöezettung erscheint am t. unü t5. jeüen Monats. — Verlag: V. Heller, München, Herzog Marstraße 4, Kernsprecher 95099, Postscheckkonto Ar. ZP67 München. Schristleitung: vr. Lugen vchmiöt, Rechtsanwalt in München, Aarlstraste 6. Sezugöpreis für nicht eingewiesene Vezieher: Mark 4.— für öas Jahr. Anzeigenpreis: Oke 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Pfennige. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote if Pfennige. 1?Z$ München, 15. Februar Är.z Inhalt: Sprachliches und Sachliches aus dem Talmud — Martin Buber: Sein Gang in die Wirklichkeit — Dybuk —> Aus der Gemeinde — Vereine — Lehrerzeitung und Gebetszeiten — Personaler — Kalendarium Sprachliches und Sachliches aus dem lalmud Von Rabbiner Dr. H. Ehrentreu Anläßlich der ersten Iahrzeit von Rabbiner Dr. S). Ehrentreu s. A. im Januar 1928 bringen wir nachstehend einige ausgewählte Stellen aus seinen talmudischen Schriften. I. In Sanhedrin 22a findet es die Gemara auffallend, daß die Weisen Babels, die Wahrsager und Chaldäer, die Flammenschrift an der Wand des königlichen Palastes nicht zu lesen vermochten, die eine feurige Hand beim Gaftmahl des Belfchazar geschrieben hatte. (Daniel 5, 5.) Es wird dort die bekannte Ansicht vorgetragen, daß damals, oder kurz vorher, der Übergang vom alten '12V 2H2 zum neuen 2D2 vor sich gegangen, so daß die „Weisen Babels" mit diesen neuen Schriftzeichen noch nicht vertraut waren. Unser Talmud neigt jedoch der Ansicht zu, daß die Schriftzeichen nicht verändert worden, daß vielmehr das wllwx 2n2 die ursprüngliche Schrift ist, und fragt demnach mit Recht, wie es zu erklären sei, daß die Weisen Babels nicht einmal die hebräischen Schriftzeichen lesen konnten. Es heißt doch in Daniel ausdrücklich, daß sie weder die Schrift lesen konnten, noch die Deutung 'anzugeben wußten. Diese Frage ist auch ganz berechtigt. Wie man auch über die „Weisheit" der '^22 'D’2n denken mag, so viel Kenntnis muß man doch bei den offiziellen Vertretern der Wiffenschaft des mächtigen babylonischen Reiches voraussetzen, daß sie die hebräischen oder aramäischen Schriftzeichen lesen konnten. In der Gemara daselbst kommen mehrere Amoraim zum Wort, von denen jeder seine eigene Meinung kundgibt, um diese Frage zu beantworten. Der Eine meint, die Buchstaben waren nach dem n"x Alphabet, der Andere, daß sie von links nach rechts geschrieben waren. Der Amora Samuel dagegen sagt, die Buchstaben waren in folgender Form geschrieben: 'spjj oinDO p^xx. Raschi erklärt daselbst, es waren drei Worte von je fünf Buchstaben, die dann von Daniel in dieser Weise gelesen wurden, daß er die drei ersten, dann die drei zweiten Buchstaben usw. als zusammengehörig erkannte. Die Erklärung von Raschis Worten macht den Kommentatoren Schwierigkeit. h"vnnn möchte sie emendieren. x^annö verteidigt die Richtigkeit unserer Lesart. Beide nehmen an, daß die Schriftzeichen nebeneinander gestanden haben. Mir erschien von jeher als die einfachste Lösung, daß die drei Buchftabengruppen nach Samuels Ansicht nicht nebeneinander, sondern untereinander geschrieben waren, daß sie von oben nach unten gelesen werden mußten, und zwar in nachstehender Form: □ n 0 ' s b j l 1 P X Außerordentlich überrascht war ich, als ich vor einigen Jahren las, daß Rembrandt auf seinem Gemälde „Mene Tekel" die Flammenschrift genau in dieser Form angebracht hat. Man hat das als ein besonderes Kuriosum bezeichnet und darin den Beweis erblicken wollen, daß der berühmte holländische Maler damals noch nicht mit Juden verkehrte, da diese ihn doch wohl auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht hätten*. Mir ist es unerfindlich, wie man auf einen solchen Gedanken kommen kann. xi2noö X2S'X! Einen schlagenden Beweis, daß er bei der Herstellung dieses Gemäldes von Juden, und zwar von rabbinisch gebildeten Juden, beraten war, kann man sich gar nicht denken. Wer hebräisch schreiben oder hebräische Buchstaben malen kann, der muß wiffen, daß man im Hebräischen nicht nach chinesischer Manier von oben nach unten, sondern von rechts nach links liest. Wenn nun Rembrandt die Inschrift in dieser Form gruppierte, so kann er es nur auf Grund unserer Talmudstelle getan haben, mit der ihn ein jüdischer Gelehrter bekannt machte. Wir brauchen auch nicht weit zu suchen und es läßt sich mit Leichtigkeit festftellen, wer dieser jüdische Gelehrte war. Das Gemälde wird datiert: 1635/36. Aus demselben Jahre, 1635, 1 Vgl. Israelitische Monatsschrift, Beilage zur jüdischen „Presse" 1906, Nr. 4.

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