Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (1.2.1928)
- Article
- Führertagung der Junggruppen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 2)
- Language
- German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Seligmann (Chemnitz) waren die Referenten. Inder ebenso lebhaften wie einzigartig interessanten Aussprache — viele der jungen Menschen diskutierten hier zum erstenmal — wurde vor allen Dingen der unbedingte Wille zum Verband immer wieder festgestellt. Es wurde ohne Einschränkung anerkannt, daß die Junggruppen in ideologischer und organischer Beziehung einheitlich der neutralen Organisation des Verbandes angehören, und daß die Junggruppsn im Verbände allein die einzig wahrhaft überparteiliche, neutrale Gemeinschaft der jüdischen Jugend Deutschlands sehen. Die letzte Einheit soll verwirklicht werden durch die Durchführung des folgenden Beschlusses: „Zwischen der Führertagung der Junggruppen des Verbandes und dem Vertreter des Verbandsvorstandes wird vereinbart: 1. Die einzelnen Landes- bzw. Bezirksverbände wählen in ihre Vorstände mit Sitz und Stjmme je einen Führer der Junggruxpen, der für die Arbeit der Junggruppen des betreffenden Bezirks verantwortlich ist. Aus ihnen setzt sich das Junggruppendezernat zusammen. 2. Es werden zwei bis drei Mitglieder des Junggruppendezernats im Verbandsvorstand Sitz und Stimme erhalten. Der Vertreter des Verbandsoorstands verspricht dafür zu sorgen, daß diese Beschlüsse in Kürze zur Durchführung gelangen." Am zweiten Tage stand das Gebiet „Junggruppen und Judentum" zur Debatte. Hierüber referierten I. Raphael (Beckum) und Manfred Altmann (Trier). Erft wurde generell nachgewiesen, daß unser Ziel der jüdischen Gemeinschaft ohne Rücksichtnahme auf den Wust der Parteien, Weltanschauungen und Judentumssplitter, nur erreicht werden kann auf dem Wege des Verbandsgedankens, der geeignet ist, die Tragik der jüdischen Zwiespalte zu überwinden. Hier ist das Wort von der Neutralität keine Larve oder Schutzmaske, auch nicht das Pseudonym einer Demagogie, sondern Wille zur Einheit, im Sinne der prophetischen Unerbittlichkeit und Reinheit. Sodann wurden von Manfred Altmann Wege gewiesen, die zum Jüdisch-Erzieherischen innerhalb der Junggruppe führen. Dem allgemeinen Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß im Verbände 30 Junggruppen mit etwa 850 Mitgliedern bestehen, in einigen Landesverbänden befindet sich bereits ein Junggruppler im Vorstande. Die Verbandszeitschrift („Der Jugendbund") enthält eine eigene Rubrik für die Junggruppen. Das Ergebnis der offiziellen und inoffiziellen Aussprache wurde zum Schluß in folgender Kundgebung zum Ausdruck gebracht, die einmütige Zustimmung fand: „Nach eingehender Aussprache bekennen sich die in Düsseldorf am 25. und 26. Dezember 1927 versammelten Führer der Junggruppen des Verbandes zur unbedingten Notwendigkeit ihre Gruppen unter Wahrung echter Überparteilichkeit zu führen, und sie damit zu starken Mitträgern der Verbandsidee zu machen. Aus dieser Einordnung in das Verbandsganze erheben die Führer der Junggruppen die Forderung an die Führer des Verbandes und der Vereine, es eine ihrer vornehmsten Aufgaben zu betrachten, den Junggruppen die Selbständigkeit und Freiheit innerhalb ihrer Arbeit zu geben, die ihnen allein die Möglichkeit zu gedeihlicher Entwicklung bietet". Führerlager des kadimah In der Zeit vom 25. Dezember bis 1. Januar fand in Schmiedeberg im Riesengebirge das erste Führerlager des Kadimah statt. An ihm nahmen etwa 60 Führer und Führerinnen des Bundes teil. Entsprechend der außerordentlichen.Wichtigkeit, die der Bund der planmäßigen Durchbildung seiner Führer zumißt, war das Lager mit größter Sorgfalt vorbereitet und befriedigte nach seinem inneren und äußeren Verlauf sämtliche Teilnehmer. Im Gegensatz zu früheren Tagungen wurden bundesideologische Fragen nicht besprochen; dagegen standen im Mittelpunkt der geleisteten Arbeit pädagogische Fragen. Für die Behandlung des allgemeinen pädagogischen Teiles hatte sich der Privatdozent der Hamburger Universität, Dr. Curt Bondy, zur Verfügung gestellt. In dreitägiger, intensiver Arbeit im Plenum und in kleineren Kreisen wurde unter der Leitung Dr. Bondys zu folgenden Fragen Stellung genommen: Grundfragen der Pädagogik und Psychologie, Grenzen der Erziehung, der Führer, der Zug, Lebenshaltung, die sexuelle Frage, Probleme der geistigen Erziehung, Erziehungsziel und Bildungsideal, Zwang und Freiheit in der Erziehung. Außer den einleitenden Referaten Dr. Bondys wurden eine Anzahl Sonderreferate von Führern des Bundes gehalten. Der ausgezeichneten straffen und sachlichen Leitung dieses Teiles durch Dr. Bondy, der es verstand, sich dem besonderen Charakter des Bundes anzupassen, und die wirklichen Fragen eines Jugendbundes in den Vordergrund zu stellen, ist das Gelingen der Tagung zu einem sehr großen Teile zu verdanken. Besonderes Gewicht wurde auch auf die Behandlung der Fragen jüdischer und hebräischer Arbeit gelegt. Hier war es gelungen, für das Hauptreferat Herrn Dr. Mayer, Zwickau, zu gewinnen, dessen lebendige Ausführungen stärkstes Interesse fanden und auf die Weiterführung der jüdischen Bildungsarbeit des Kadimah außerordentlich anregend wirkten. In diesem Teile wurden u. a. folgende Themata behandelt: Grundsätzliches zum Hebräischen, Methodik des Hebräischen. Die besonderen Ausgaben der jüdischen Erziehung bei Jüngeren von 12 bis 15 Jahren und Übersicht über die für dieses Alter zur Verfügung stehenden Stoffe. Für die praktische Scoutarbeit war der Bund auf eigene Kräfte angewiesen. Auch hier sind wesentliche Fortschritte feit dem letzten Bundestag zu verzeichnen. Am letzten Tage fand in einem Schmiedeberger Lichtspieltheater die Aufführung eines Filmes und eines Lichtbildervortrages statt, welche von der Monteffori-Gefellschaft in dankenswerter Weife zur Verfügung gestellt worden waren. — Die Tagung war auch insofern erfreulich, als eine große Anzahl von Jungführern sich in aktiver Weife an ihr beteiligten. Der Vundesrat des Kadimah trat im Laufe der Tagung zur Besprechung von bundesorganisatorischen Fragen zusammen; u. a. wurde die Bundesleitung mit Bernhard Bamberger, Hans Kaufmann, Kurt London und Erich Sonntag bestätigt. Das Führerlager des Kadimah hat durch seinen Verlauf bewiesen, daß der Glaube der Führer, mit der Gründung des Bundes neue Wege jüdischer Jugenderziehung beschritten zu haben, durch die Tatsachen gerechtfertigt worden ist. S. Eichengrün Co.“t£i5 DAMEN-MODESTOFFE IN SEIDE, WOLLE UND BAUMWOLLE Enorme Auswahl / Beste Qualitäten / Zu bekannt billigen Preisen D^e Woche Extra-Verkauf in Weißwaren