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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-01 · 2 (1.2.1928) · p. Seite 26

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
2 (1.2.1928)
Article
Nationen und Religionen im heutigen Palästina
Date
1928-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Zum Schluß besprach Herr Pfarrer Kaufmann eingehend den Zionismus und lobte begeistert den grandiosen Idealismus der jüdischen Pioniere. Er schloß mit einem Appell, dieses große Werk nach Kräften zu unterstützen. Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen illustrierten das Gesagte. Sj. Die „Zenne Renne" In der Vortragsreihe, welche die Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes wie alljährlich veranstaltet, gestaltete sich der Vortrag von Frau Dr. Vadt-Strauß (Berlin) besonders interessant. Die Rednerin, bekannt durch ihre literar-historischen Veröffentlichungen sprach vor einem zahlreichen und äußerst interessierten Publikum am 12. Januar im Lessingsaal über die „Zenne Renne", jenes alte jüdische Frauenbuch, das sich heute noch in vielen jüdischen Familien findet. Die „Zenne Renne" ist kein eigentliches Gebetbuch. Es ist das Buch der Mischen Belehrung schlechthin, zu dem unsere Urgroßmütter in der Stille des Sabbats griffen. Es ist in jüdischdeutscher Sprache, der damaligen Umgangssprache geschrieben, denn genügend hebräisch beherrschten auch damals nur wenig Frauen. Das Buch enthält nicht nur in jüdisch-deutscher Übersetzung die fünf Bücher Mose, die Prophetenabschnitte und die fünf Megillans, sondern auch in reizvoller und einfacher Frage- und Antwortsorm Erklärungen zu diesen Abschnitten, in die alles eingeflochten ist, was ein Frauengemüt berührt: Sagen, Märchen, praktische Fragen, Leben und Sterben, alles findet sich in diesem seltsamen Buch. So kann es nicht Wunder nehmen, daß es Generationen hindurch (seine Entstehung dürfte etwa in die Zeit des 30jährigen Krieges fallen) das Buch der jüdischen Frau geblieben ist. Es ist außerordentlich begrüßenswert, daß Bertha Pappenheim im Begriff steht, durch Übertragung aus dem Jüdisch-deutschen, das uns heute nicht mehr geläufig ist, dieses Buch der Vergessenheit und dem Unverstandensein zu entreißen und uns Frauen von heute wieder zugänglich zu machen. Der freudige Beifall, der Frau Dr. Badt-Strautz für ihre ebenso kenntnisreichen wie warmherzigen Ausführungen dankte, bewies, daß die Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes mit der Wahl derartiger Thematen, die im besonderen für unsere jüdischen Frauen belehrend und interessant sind, auf dem rechten Wege ist. Siegfried Zieglers Schaffen Zur Ausstellung im Münchener Kunstverein Im Münchener Kunstverein fand vor kurzem eine überaus beachtenswerte Ausstellung statt. Die besten Maler, alte und junge, sind ausgefordert worden, Bildnisse zu zeigen, die nicht vom Wunsch eines Auftraggebers, sondern vom freien, künstlerischen Geist allein ihren Formwillen empfangen haben; unter fertigen Arbeiten fertiger Meister findet man da eine Skizze, eine unfertige Arbeit also, die nicht nur den ehrenvollen Platz, den man ihr gab, vollauf verdient, sondern die darüber hinaus den Beweis bringt, daß echtes, im Tiefsten wahrhaftiges Künstlertum doch siegreich bleibt und Bestand haben wird. Die Skizze ist das Werk eines Achtzehnjährigen, das Bildnis seiner Mutter. Man spürt den Geist Leibls in dieser Farbgebung, in diesem Pinselstrich, man weiß auf den ersten Blick, daß hier einer ist, der gewillt ist, den großen und schweren Weg zu gehen, der tastend und mühsam von der frühen Meisterschaft des efften Jünglingsalters zur bewußten Kraft der Gestaltung führt, einen Weg, der auch Umwege suchend abtastet, weil der Mensch und Künstler irrt, so lang er strebt und nur dann wirklich verloren ist, wenn er sich allzu sicher auf der glatten Bahn eines leichten Erfolges fühlt. Neben der Skizze hängt das Werk einer späteren Zeit, das erstaunlich stark und kühn gesehene Bildnis des Münchener Schriftstellers Hermann Roth, ganz vom inneren Wesen heraus begriffen und so von Innen heraus nur bis an die Grenze des Bildhaften hergetragen. Alte hebräische Bücher werden an jedem Ort angekauft. Offerten unter Nr. 502 an die Anzeigen-Abteilung der Äayer. Israel. Gemeindezeitung Der rastlos schaffende Mann, der des Lebens volles Gewicht auf sich lasten fühlt und doch durch dieses Lastende langsam hindurchwächst, hat eine Reihe von Gemälden geschaffen, die im öffentlichen and privaten Besitz durch ganz Deutschland zerstreut sind und nur gelegentlich, so vor einigen Jahren im Pfälzischen Kunstoerein Speyer zu eindrucksvollen Ausstellungen zusammengesügt werden. Siegfried Ziegler lebte auch zwei Jahre in Karlsruhe, arbeitete auch in Heidelberg und Frankfurt und hat dort mit seine besten Bilder gemalt. Die meiste Zeit verbrachte er in seiner Heimatstadt München, in der er auch gegenwärtig lebt und arbeitet. Wenn man das Bestreben, den lebendigen Eindruck der Natur festzuhalten und durch die Kraft der Farbe, Stimmung und Wesen von Landschaft und Menschenantlitz auf die Leinwand zu bannen, heute noch mit dem Schlagwort des Impressionismus bezeichnen könnte so wäre auch Ziegler in diese Kunstrichtung einzubeziehen. Aber man muß verstehen, daß es den ehrlich Strebenden von heute um mehr geht als um das Auffangen flüchtigen Eindrucks. Sie streben wahrhaft, das, was in schwankender Erscheinung schwebt, mit dauerndem Gedanken zu befestigen. Aus Form und Farbe suchen sie, ohne den gefährlichen Umweg des problematischen Zerdenkens, das Wesen von Menschen und Dingen zu erfassen. So weiß Ziegler eine Winterlandschaft oder nahe Dächer einer Großstadt, eine Landstraße oder ein besonntes Dorf, lauter schlichte Vorwürfe, mit einer Wesenhaftigkeit zu erfüllen, die über das Stimmungsmäßige weit hinausgeht und sich, bei aller Großzügigkeit, ja Derbheit des Pinselstrichs, einer man möchte sagen neuen Klassik nähert, im Sinn einer klaren, schlichten Bewußtheit. Zieglers stärkste Seite ist das Bildnis. Er legt die Menschen, die er wiedergibt, nicht endgültig fest und holt doch das Entscheidende aus ihren Zügen. Meisterhaft versteht er Kopf und Figur in den Raum zu stellen. Durchaus malerisch gehalten, kommen seine Bilder durch die Farbe zur Form: Der sicher hingesetzte Farbton wird von selbst Begrenzung oder Auflösung des Linearen. Ziegler hat in einem Jahrzehnt unermüdlicher Arbeit eine staunenswerte Zahl bedeutender Werke geschaffen. Er war ursprünglich Schüler von Professor Jank an der Münchener Akademie, von Leibl hat er sich weniger unmittelbare Anregungen als künstlerische Grundsätze geholt. Im Jahre 1915 errang er unter zweihundert Bewerbern das Mettingfche Reisestipendium. Um weniges später wurde bei einer Ausstellung im Münchener Kunstverein neben zwei Bildern von Defregger und Stuck sein „Bildnis eines Unteroffiziers" gekauft, und zwar von keinem anderen als Altmeister. Defregger selbst, der das Bild neben einem Leibl in seinem Hause zu hängen für würdig fand. In früheren, der Kunst freundlicher gesinnten Tagen hätten solche Erfolge eines Zwanzigjährigen nachhaltigste Wirkung gehabt. Unsere spröde Zeit verlangt ein täglich neues, unermüdliches Ringen um den Erfolg, den sie freilich denen nicht auf die Dauer versagen kann, die ihn durch Fleiß und großes Können erzwingen. Dr. Eugen Roth. Gesellschaft Concordia Samstag, den 15. Januar 1928, feierte die Gesellschaft Concordia von 1838 das Jubiläum ihres neunzigjährigen Bestandes in einem wohlgelungenen Stiftungsfest. Nach dem Prolog und einem niedlichen Kinderreigen, ausgeführt von den Kindern einiger Mitglieder der Gesellschaft, sprach der 1. Vorsitzende, Herr S. A. Weil. Er begrüßte die zur Feier erschienenen Vertreter von Rat und Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, sowie der Israelitischen Kultusgemeinde München, der Logen, des Zentralvereins und des Jüdischen Frauenbundes. Als die Aufgaben der Gesellschaft bezeichnete er die Pflege der Geselligkeit, von Kunst und Wissenschaft und des Sports, insbesondere aber die Pflege deutscher Kulturaufgaben, in der Erkenntnis, daß die Wurzeln unserer Kraft im deutschen Boden ruhen. Ihr stehe als zweite Wurzel gleich das Gesetz unserer heiligen. Religion, das wir ererbt von unseren Vätern haben. Ehrerbietiges Gedenken entbot der Redner dem Reichspräsidenten und der bayerischen Staatsregierung und verknüpfte damit den Wunsch, es möge deutsches Land und deutscher Strom von fremder Besatzung frei sein. In einem Rückblick über die Geschichte der Gesellschaft kamen manche bemerkenswerte Einzelheiten zur Kenntnis der Zuhörerschaft. Besonders wurde auch der kulturellen und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Vereins, der verewigten Rabbiner Dr. Perles und Coßmann Werner, gedacht. Unter den Namen, die sich um das Gedeihen des

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