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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-01 · 2 (1.2.1928) · p. Seite 21

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
2 (1.2.1928)
Article
Zur Ehrung eines Siebzigjährigen
Date
1928-02-01
Page
Seite 21 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 21 Aus dem Verbände Zur Ehrung eines Siebzigjährigen Es gibt Namen, die man nur zu nennen braucht, um das Bild einer Persönlichkeit, im allgemeinen und individuell bestimmenden Wortsinne, vor das Auge des Geistes zu stellen. Ein solcher Name ist der des Geheimen Justizrats Dr. Jos. Wern er in Bamberg, der am 24. Januar rüstigen Schrittes über die Schwelle des Greisenaltes getreten ist. Allen ihm von Seiten der Gemeinde, deren Angelegenheiten und Belange er seit 33 Jahren mit Klugheit und Tatkraft geleitet, ihm zugedachten Ehrungen hat er sich durch die Flucht nach dem sonnigen Süden entzogen. Aber seiner aus diesem Anlaß zu gedenken, mit aufrichtiger Anerkennung seiner großen Verdienste und mit wärmsten Segenswünschen für seine Zukunft, und diesem Gedanken an dieser Stelle Ausdruck zu geben, das fordert die Pflicht der Dankbarkeit. 1»; Sind doch die Jahrzehnte seiner Vorstandschast nicht bloß eine Zeit der Verbesserung und Wandlung aller gemeindlichen Einrichtungen gewesen, sondern auch eine Periode der Aufwärtsentwicklung in religiöser Beziehung, die gewiß nicht bloß dem unpersönlichen Zeitgeiste zu verdanken ist, sondern auch den Personen, die ihn leiten und von ihm sich leiten lassen. Joseph Werner ist der denkende Kopf seiner Gemeinde gewesen. Er ist mit dem Zeitgeiste gegangen und dabei stets ein treuer und aufrechter Bekenner der Väterreligion und ihrer Überlieferungen gewesen. In der Richtung des goldenen Mittelweges vorangehend, ist es seinem versöhnlichen Wesen vergönnt gewesen, ausgleichend zu wirken und über allen naturgegebenen Verschiedenheiten und Gegensätzen die Einheit und den Frieden der Gemeinde zu erhalten. In allen den Werken der Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit gewidmeten Vereinen hat er an führender Stelle gewirkt. Sein größtes Verdienst aber ist es, daß er den von der Synagogenkanzel gegebenen Anregungen folgend den lange erwogenen Plan eines zeitgemäßen Synagogenneubaues im rechten Zeitpunkt in Zusammenarbeit mit andern Männern verwirklichte und ausführte. Damit hat er seinen Namen unverlöschlich in die Geschichte der Kultusgemeinde eingezeichnet. Aber auch außerhalb der Gemeinde, im Rate der Bürgerschaft, dem er als Führer der Demokratie seit Jahrzehnten angehört, hat er durch kluges Wort und mannhaftes Eintreten für die Sache des Rechtes und der Gerechtigkeit den Angriffen von Judengegnern gewehrt und der Glaubensgemeinschaft wertvolle Dienste geleistet. Als treuer Freund des Verbandes hat Dr. Werner die Bestrebungen desselben stets eifrig gefördert und zur Verwirklichung seiner Idee in der Gemeinde beigetragen. Bei Vergegenwärtigung all dessen gelegentlich der Feier seines 70. Geburtsfestes wollen wir ihn nicht als Vorsteher seiner Gemeinde feiern — eine Betitelung, die eigentlich aus einem fremden Vorstellungskreis in den jüdischen übertragen scheint —, er verdient vielmehr den Ehrentitel eines P a r n e s im edeljüdischen Sinne dieses Wortes, das ist eines Pflegers und Förderers gemeinjüdischer Angelegenheiten und Interessen. Nach einem Worte der altzeitlichen Weisen klagt Gott über drei Menschen, der dritte von ihnen ist ein Parnes, der sich über die Gemeinde überhebt. — Über Dr. Joseph Werner hat Gott sich nicht zu beklagen und die Gemeinde Bamberg darf mit Dankbarkeit für seine ihr geleisteten Dienste sich feiner rühmen. Möge es ihm noch unzählbare Jahre vergönnt fein, das Haupt geschmückt mit der Krone des Greisenalters, gleich dem biblischen Joseph ein Mehrer der idealen Güter unserer Gemeinschaft zu sein und in seiner Gemeinde als Pfleger und Förderer aller jüdischen Aufgaben durch Rat und Tat zu wirken. A. E. Titelverleihungen Es wurden folgende Titel am Jahresende an Mitglieder der Verbandsgemeinden verliehen: Der Titel „Geheimer Justizrat" dem Rechtsanwalt Justizrat Dr. Eduard Bloch in München. .Der Titel „Justizrat" den Rechtsanwälten Dr. Rudolf Arnold in München, Dr. Emil Silbermann in München, Robert Teutfch in München, Dr. Karl Dormitzer II in Nürnberg, Dr. Edgar Ehrenbacher in Nürnberg, Dr. Justin Goldstein in Nürnberg, Dr. Artur Teutfch in Augsburg, Salomon Hänlein in Eichstätt. Der Titel eines „Geheimen Sanitätsrats" dem Hofrat Dr. Otto Rainach in München, dem Sanitätsrat Dr. Julius Rosenthal in Bad Kissingen. Der Titel eines „Sanitätsrcüs" den prakt. Ärzten Dr. Fritz Blumenfeld in München, Dr. Eugen Fromm in München, Dr. Adolf Godlewfky in Neumarkt, Dr. Jakob Gugenheim in Nürnberg, Dr. Max Strauß in Nürnberg, Dr. Julius Raff in Augsburg, dem Zahnarzt Dr. Julius Kupfer in Bambejrg. Der Titel eines „Geheimen Kommerzienrats" dem Kommerzienrat Joseph Schülein, Brauerei- und Gutsbesitzer in München, dem Kommerzienrat Dr. Friedrich Morgenstern, Fabrikbesitzer in Fürth i. B. Der Titel eines „Kommerzienrats" dem Teilhaber der Firma L. Bernheimer, Antiquitäten- und Kunsthandlung Otto Bernheimer in München, dem Generaldirektor des Solenhofener Aktienvereins Hugo Gutmann in München, dem Kohlengroßhändler Joseph Lilienthal in München, dem Teilhaber der Firma Raff & Söhne G. m. b. H., David Raff in München, dem Fabrikbesitzer Dr. Ludwig Wassermann in München, dem Kaufmann Max Loose in Straubing, dem Fabrikbesitzer Fritz Pretzfelder in Spiegelau, dem Fabrikbesitzer Arnold Dreichlinger in Neumarkt in der Oberpf., dem Fabrikbesitzer Abraham Adelsberger in Nürnberg, dem Kaufmann Joseph Aufseesser in Nürnberg, dem Geschäftsführer und Direktor der Firma S. Guttmann, Berthold Cohn in Nürnberg, dem Fabrikbesitzer Joseph Falk in Nürnberg, dem Fabrikbesitzer Gustav Löwensohn in Fürth, dem Fabrikbesitzer Louis Saemann in Nürnberg, dem Kaufmann Adolf Stock in Nürnberg, dem Kaufmann Hermann Adler in Haßfurt, dem Großkaufmann Albert Dann in Augsburg und dem Verlagsdirektor Paul Haas in Augsburg. Schopfloch in TMtlelfranken. Frau Sophie Stern, welche vor knapp einem halben Jahre in körperlicher und geistiger Frische ihren hundertsten Geburtstag feiern konnte, ist am 11. Januar 1928 nach kurzer Krankheit sanft und ruhig aus dem Leben geschieden.

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