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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · p. Seite 11

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Article
Jüdisches Lexikon [Rezension]
Date
1928-01-15
Page
Seite 11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 11 schon durch Verwendung der in der Weltjudenheit weitere Verbreitung genießenden deutschen Sprache, sowie wegen ihres durch die geringere Bändezahl erschwinglichen Preises eines größeren Abnehmerkreises sicher sein darf. Es ist natürlich, daß bei einem solchen Werk, düs noch dazu in der Hauptsache dankenswerterweise von Männern ins Leben gerufen wurde, die einen von dieser Arbeit abseits liegenden Lebensberuf auszufüllen haben, auch manches zu wünschen übrig bleibt. Das sind sich auch die Herausgeber vollauf bewußt und sind — was schon bei der Wetterführung des Lexikons sich zeigen wird! — für jede Art der Mitarbeit dankbar. Darum kann an dieser Stelle auch der eine oder andere schwache Punkt aufgezeigt werden, ohne daß deshalb der Vorwurf einer überheblichen Kritik erhoben werden dürfte. Die Wahl der Stichworte ist sehr wenig einheitlich, was besonders jetzt, solange das Werk noch nicht abgeschlossen vorliegt, recht störend wirkt. Wenn z. B. bei „Baalschem" als Beinamen bestimmter Persönlichkeiten auf ihre Eigennamen verwiesen wird, so ist nicht recht ersichtlich, warum dann der „Baalschem von Chelm" nicht unter Eliz ben Juda behandelt wird. Dabei scheint es doch berechtigter, die in Frage Kommenden, vor allen Dingen Israel Bescht selbst, wie auch der „Baalschem von Michelstadt" und die Anderen, hier darzustellen, wo man sie ohne Zweifel in erster Linie sucht. Eine wichtigere Aussetzung ist, daß die Aufsätze „Bayern" und „Baden" nicht Herren anvertraut wurden, die mit den historischen und politischen Verhältnissen der betreffenden Länder schon durch ihren Wohnsitz enger vertraut sind und infolgedessen manches einschlägige Material hätten bringen können. So sind diese Abschnitte nicht restlos befriedigend ausgefallen, obwohl die Redaktionskommission bei einer entsprechenden Auswahl ihrer — in der Namensliste aufgeführten — Mitarbeiter diesem berechtigten, nicht lokalpatriotisch zu wertenden, sachlichen Anspruch hätte genügen können. Ferner ist noch einiges zu dem allzugroßen Reichtum des Lexikons an Personalnachrichten zu sagen, da scheint mir des Guten doch zu vielgetan und die Auswahl nicht streng genug zu fein. Viele Persönlichkeiten, deren Wirkung für die jüdische Allgemeinheit irrelevant ist, die keine Bindung mit dem Judentum beweisen, hätte man ruhig weglassen können. Vor allen Dingen wäre bei den noch Lebenden eine größere Zurückhaltung am Platze. Im ganzen aber ist das Werk ein Ruhmestitel für Herausgeber, Mitarbeiter und Verlag. Durch Heranziehung möglichst vieler in ihren politischen Anschauungen nicht einseitig festgelegte Kenner der verschiedenen Materien ist ein möglichst abgerundetes Bild jüdischer Geistigkeit zu erreichen gelungen. Dabei ist der Redaktion zugute zu halten, „daß verschiedene Mitarbeiter trotz früherer Zusagen ihre Beiträge nicht lieferten oder die erbetene Mitarbeit aus verschiedenen Gründen versagten". Zuletzt sei mit besonderem Nachdruck auf die vorbildliche gute Ausstattung des Werkes durch Einband, Druck und das reiche, gut zur Reproduktion gelangte Abbildungsmaterial hingewiesen. Jedem wahren Freunde jüdischen Wissens ist mit dem Jüdischen Lexikon eine Gelegenheit geboten, seine Kenntnisse auf jüdischem Gebiete mit verstärkter Kraft aufzufrischen und zu vertiefen. München. Theo Harburger. Vereine Zwei Jahre sozialer Arbeit der Israelitischen Jugendhilfe, E. V. Die letzten zwei Jahre sind für die Israelitische Jugendhilfe von größter Bedeutung gewesen durch die Schöpfung des eigenen Heims. Durch den Opfersinn der gesamten jüdischen Bevölkerung Münchens, durch die Hilfe der Israelischen Kultusgemeinde München und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist es gelungen, das prächtige, von einem großen Garten umgebene Haus zu erwerben, das allen hygienischen ästhetischen Anforderungen einer modernen Erziehungsstätte entspricht. Im März 1926 wurde das Haus Antonienstraße 7, bezogen. In der Baaderstrahe hatte das Kinderheim zwanzig Kindern nach besten Kräften Unterkunft und Verpflegung geboten, im neuen Haus finden vierzig Kinder und junge Mädchen ein Heim. - Der Betrieb ist in drei Gruppen eingeteilt: die 3—6jährigen, die Schulkinder (diese beiden Gruppen bestanden schon in der Baaderstraße) und als neue Gruppe die Haushaltlehrlinge: Jede dieser Gruppen wird von einer ausgebildeten Kraft geleitet. Die Kinder sind aus diese Weise meist in kleinerem Kreis, so daß das Anstaltsleben nicht zu unangenehm für sie in. Erscheinung tritt und Ihre Kinder haben keinen jüdischen Lesestoff? Abonnieren« m Sie doch ■ ■ Zeitschrift für die jüdische Jugend Jedes Postamt.. Jeder Briefträger.. Verlag B.Heller München Herzog-Max-Sfr.4 das Ganze mehr Familiencharakter hat. Nur am Freitag Abend versammelt sich nach dem Gottesdienst, der allwöchentlich in dem schönen Betraum abgehalten wird, alles zum gemeinsamen Freitag-Abendtisch und daraus folgenden Spiel. Selbstredend werden auch sonst alle Feste gemeinsam gefeiert. So fand im vergangenen Jahr eine sehr schöne Chanukkahfeier statt, zu der eine große Schar Gäste zugegen waren. Purim und Simchas Thora wurden ebenfalls in froher Weise gefeiert und zu Sukkoh wurde. Dank der Opfersreudigkeit einiger Gönner sowohl im vergangenen als in diesem Jahr eine Laubhütte gespendet, in der die Buben regelmäßig ihre Mahlzeiten einnahmen. Die Geburtstage der Kinder und Damen werden festlich begangen und wenn die Geschenke auch äußerst bescheiden sind, so ist die Freude doch immer sehr groß. Das Hauptbestreben aber ist es, in erster Linie tüchtige brauchbare Menschen aus den Kindern zu machen, für sie zu sorgen, bis sie berufsfähig sind. Voller Sorge und voll Zweifeln wird bei jedem Kind die Frage der Berufswahl geprüft. Unterstützt von der städtischen Berufsberatung, die jedes Kind vor der Berufswahl einer genauen Eignungsprüfung unterzieht, wird diese wichtige Frage entschieden. Aber nicht nur die Berufswahl, auch die Unterbringung der Schulentlassenen ist sorgenvoll. Sollen die Kinder, die seit ihrer frühesten Jugend betreut und erzogen wurden, gerade in dem Augenblick, wo sie am nötigsten Halt und Führung brauchen, ihrem Schicksal überlassen werden? So wurde im neuen Heim für die weiblichen Schulentlassenen eine Abteilung geschaffen: die Abteilung für Haushaltlehrlinge. Im April 1926 wurde mit 8 Haushaltslehrlingen begonnen. Davon waren zwei im Heim der Israelitischen Jugendhilfe aufgewachsen, fünf kamen aus verschiedenen Orten Bayerns, eine aus Württemberg. Die Mädchen wurden abwechselnd in der Küche, bei der Hausarbeit, im Kindergarten, bei der Kinderpflege, beim Waschen, Nähen, Bügeln und im Garten beschäftigt: sie haben, als sie am Schlüsse des Schuljahres eine kleine Prüfung ablegen mußten, gezeigt, daß das Jahr außerordentlich wertvoll für sie gewesen ist. Manches Mädchen eignet sich aus dem einen oder anderen Grunde nicht fiir den hauswirtschaftlichen Beruf. Durch die Zusammenarbeit mit der Stellenvermittlrmg des Wohlfahrtsamts der Israelitischen Kultusgemeinde München, sowie der Stadt gelingt es in solchen Fällen meistens eine passende Lehrstelle zu finden. Mühe und Sorge verursacht die Frage, wo und wie leben diese Mädchen während ihrer Lehrzeit. Die Leitung mußte sich daher in einigen dringenden Fällen entschließen, sie im Heim unterzubringen, kann aber erst dann eine ausreichende Abteilung für sie schaffen, wenn die Unterbringung der männlichen Lehrlinge eine glückliche Lösung gefunden hat. Seit dem Jahr 1925 bemüht sich die Israelitische Jugendhilfe vergebens, eine entfprchende Unterkunft für die dem Heim entwachsenen Jungens zu schaffen. Unter Schwierigkeiten und Opfern mußten die Lehrlinge bisher auswärtigen Heimen übergeben werden. Nachdem die Anzahl der Lehrlinge von Jahr zu Jahr gewachsen ist, sah sich die Jugendhilfe in diesem Jahre veranlaßt, die München-Loge um Rat und Hilfe zu bitten. Der Gedanke wurde freudig aufgegriffen, da diese Aufgabe längst schon von der Loge vorgesehen war. Zunächst stellte sie als Jubiläumsspende anläßlich ihres 30jährigen Bestehens einen Betrag zur Verfügung, mit dessen Hilfe vier Lehrlinge versorgt werden. Als endgültige Lösung ist allerdings die jetzige Unterbringung nicht anzusehen, und es ist dringend zu wünschen, daß in der nächsten Zeit das

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