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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · p. Seite 8

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Article
Kompositionsabend von Heinrich Schalit
Date
1928-01-15
Page
Seite 8 (sequence 1)
Language
German
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8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Kompositionsabend von Heinrich Schallt Die Bergische Loge von Elberfeld und Barmen veranstaltete am Dienstag, dem 13. Dezember, unter gesanglicher Mitwirkung des Kölner Oberkantors Hermann Fleischmann einen Kompositionsabend, der ausschließlich von Werken des Münchener Tondichters Heinrich Schalit bestritten wurde. Heinrich Schalit selbst saß am Steinway-Flügel und bewältigte mit souveräner Meisterschaft den instrumentalen Teil des in jeder Beziehung bis zur Spannung interessanten Abends. Über die Kunst Schalits zu sprechen, dürfte den Rahmen eines einfachen Konzertberichtes bei weitem überschreiten; nichtsdestoweniger muß und darf es angedeutet werden, daß Schalit ganz moderne Wege geht, daß er aber nie die tonale Linie vernachlässigt oder gar außer acht läßt. Seine Harmonien sind geistreich und von angenehmer Wirkung, und da, wo er instrumental wirken will, da sitzen seine Akkorde in monumentalem Aufbau und mit überzeugender Kraft. Sein ganzes Schaffen steht bereits auf sehr bemerkenswerter Höhe und rechtfertigt den künstlerischen Ruf, den er selbst schon bei den ganz Großen genießt. In der Erfindung vornehm, und gefühlvoll in der Art des Gestaltens, so repräsentiert sich Schalit als ein schaffender Künstler von eigener Art und als eine Persönlichkeit, deren Wesen sicher mitbestimmend sein wird, wenn es sich darum handelt, die zukünftige Gestaltung der Musik wieder in lebensfähige und gesunde Bahnen zu lenken. Schalit ist augenblicklich Organist an der Hauptsynagoge in München; er ist aber auch ein feinsinniger Pianist in solistischer wie in begleitender Weise. Als geborener Wiener hatte er in seiner Jugend reichlich Gelegenheit, mit dem ostjüdischen Idiom in Berührung zu kommen, während seine große Musikalität ihn damals schon befähigte, die in jener Geistesrichtung aufgespeicherten Schätze zu erkennen und, sie musikalisch selbsterlebend, sich zu eigen Gjßtüuehen. deit eilte* 50 tfafvum QMeÄnie^ütJiun.^ da&XDeit&au&oA Sandan zu machen. Seine Gesänge atmen vielfach diese Atmosphäre; das Gewand aber, in dem sie sich präsentieren, lassen den Meister im Lichte der vornehmsten Kultur erscheinen. Von seinen Klavierwerken spielte er ein wie aus Marmorblöcken festgefügtes Tongebäude, ein „Choralvorspiel für Klavier" von großer Innigkeit und von überzeugender Gewalt, und seine „Bilder aus dem Marionettentheater" waren Kabinettstücke von kompositorischer Begabung. Die „Seelenlieder" und auch die „Jüdischen Volkslieder und Gesänge" sind so schön, daß sie bereits von den größten Sängern mit Bevorzugung und Liebe gesungen werden. Die Texte sind spezifisch jüdischen Inhalts, zum Teil Nachdichtungen aus dem Hebräischen von Emil Bernhard-Cohn. Einen adäquaten Gesangsinterpreten der herrlichen, mitunter ins Grandiose ausgreifenden Lieder und Gesänge fand Schalit in dem ausgezeichneten Kölner Oberkantor Hermann Fleischmann. Sein weicher, in allen Lagen gesanglichen Könnens vornehm klingender Bariton durchflutete wohltuend die weiten Räume des Konzertsaales, und wenn einer berufen ist, in unseren westeuropäischen Gegenden ostjüdische Lieder zu singen, dann ist es Fleischmann, der durch seinen kultivierten Geschmack bewiesen hat, daß man ostjüdische Lieder und Gesänge auch mit westeuropäischer Kultur in charakteristischer Weise vortragen kann. Mit dieser Veranstaltung hat sich die Bergische Loge unstreitig ein großes Verdienst erworben, das unausgesprochenermaßen in dem überaus zahlreichen Besuch des Konzertabends zum Ausdrucks kam. Das Publikum nahm die von hochstehender Warte gebotenen Kunstgenüsse dankbar entgegen und quittierte wiederholt mit großem Beifall. Von den „Jüdischen Volksliedern" mußte das „Wiegenlied" wiederholt werden. H. Z. vücderfchau Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Mit über 2000 Illustrationen, Beilagen, Karten und Tabellen, herausgegeben von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno K i r s ch n e r unter Mitarbeit von über 230 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern. Band I: A—C. Jüdischer Verlag, Berlin. In Leinen gebunden RM. 35.—, in Halbfranzband gebunden RM. 44.—. Mehr denn je gilt es heute, das Wissen von jüdischen Dingen zu erhalten und als die ständige Quelle jüdischen Seins zu hüten, da der noch vor wenigen Jahrzehnten im scheinbaren Überfluß sprudelnde Born seine befruchtende Fülle eingebüßt zu haben scheint. Gerade die letztvergangenen Generationen, denen die jüdischen Wissenselemente noch in reicherem Maße zur Verfügung standen, haben durch die Geringschätzung des anvertrauten Kulturgutes in hohem Grade zu dieser heute als so bedauerlich empfundenen Entwicklung beigetragen. Das Jahrhundert der Emanzipation, so reich es noch durch feine aus größerer Nähe zu den Quellen hervorgegangene Vertrautheit mit dem Wissensstoff war, hatte wohl wertvolle wissenschaftliche Leistungen aufzuzeigen, aber für den weiteren Kreis der Judenheit — insonderheit in Deutschland — vermochtet es die im tiefsten Kern ruhenden Kräfte nicht zutage zu fördern. Nur aus den kleinen Kreis derjenigen, deren lebendes Gefühl dem Strome ihrer Zeit, der sie dem Judentum zu entführen drohte, Widerstand leistete, war das Wissen und damit die Erkenntnis der dauernden Werte beschränkt. Daß diese Wenigen aber nicht vergebens die heilige Flamme gehütet hatten, zeigt heute das sich immer allgemeiner bemerkbar machende Bedürfnis nach jüdischem Wissen. Diesem Streben kommt nun das neue, großzügige Verlagsunternehmen zu Hilfe, das nach mühevollen, jahrelangen Vorbereitungen der Jüdische Verlag herauszugeben sich anschickt. Unter Mitwirkung von mehr als 230 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern und eines engeren Redaktionsstabes haben die Herren Dr. Herlitz und Dr. Kirschner damit ein Werk begonnen, wie es in deutscher Sprache nicht besteht. Das zu Anfang dieses Jahrhunderts erschienene, noch heute vorbildliche zwölsbändige Riesenwerk der „Jewish Encyclopedia" wendet sich in seiner ganzen Anlage mehr an den Gelehrten, zumindest an den Besitzer gewisser Vorkenntnisse auf jüdischem Gebiet. Der unzweifelhafte Vorzug der neuen Schöpfung ist aber gerade, daß in den Vielen, die nicht nur ihr jüdisches Wissen auffrischen wollen, sondern geradezu einer Einführung in das weite Feld der jüdischen Realien aller Art bedürfen, ein knapper, aber wertvoller Wegweiser sein will und (Fortsetzung auf Seite 111

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