Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1 (15.1.1928)
- Article
- Bamberg
- Date
- 1928-01-15
- Page
- Seite 6 (sequence 1)
- Language
- German
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6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Aus dem Verbände Bamberg. Am 24. Januar 1928, feiert Geheimrat Dr. Werner, der langjährige Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, seinen 70. Geburtstag. Wir werden auf das verdienstvolle Wirken des Jubilars noch in einem besonderen Artikel zurückkommen. Tvürzburg. 15. Dezember. (Ein schönes Geschenk.) Im Mai 1922 kaufte ein- Konsortium der Israelitischen Gemeinde Würzburg, 30 Herren, den vierten Teil des sogenannten Zandtschen Anwesens, schloffen sich zu einem Verein zusammen und bestimmten statutarisch, daß dieser Erwerb zum Neu- oder Umbau einer Synagoge verwendet werden solle. Die Gemeinde sollte höchstens den Goldwert des Erwerbs dem einzelnen Genoffen vergüten, ein Gewinn dürfte nicht verlangt werden. Nun haben die katholischen Schwestern, deren Anwesen an das Zandtsche grenzt, dasselbe gekauft, so daß dem Konsortium ein Erlös von etwa 71000 RM. zusiel. In uneigennütziger Weise hat das Konsortium diesen Betrag der Israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellt, um denselben zum Neu- resp. Umbau der Synagoge zu verwenden. Herr Karl Sichel, der Vorstand des Konsortiums, übergab in der letzten Kultussitzung dieses schöne Geschenk dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde. Völkersleier. Am 29. Oktober fand in der Israelitischen Kultusgemeinde zu Völkersleier die Einweihung der renovierten, im Jahre 5522 erbauten, Synagoge, verbunden mit der Einweihung einer Kriegergedenktafel, ferner das 25jährige Amtsjubiläum des Kultusvorstandes, des Herrn Viktor Bergmann, statt. Eine stattliche Anzahl von Freunden und Bekannten aus Nah und Fern hatten sich zu Ehren des Tages in der festlich geschmückten Synagoge eingesunden. Als ein Zeichen des konfessionellen Friedens in der Gemeinde sei besonders erwähnt, daß auch die katholische und evangelische Geistlichkeit, der vollständige Gemeinderat, die drei Ortsvereine mit Fahnen erschienen waren. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Ansprache des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Bamberger (Bad Kiffingen), der in warmherzigen, beredten Worten seiner Aufgabe gerecht wurde. M. Rosenberger, Lehrer. Aufseß. Herr Schloß, Lehrer a. D. beging seinen 80. Geburtstag und 60. Dienstjahr in guter Gesundheit und Rüstigkeit am 21. Dezember 1927. Aus der Semeinde Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München. Herr Dr. Raphael Levi wird seine Vorträge über: „Jesaia" mit einem 3. Abend am Sonntag, 22. Januar 1928 abschließen. Der Vortrag findet im Lessingsaal, Herzog-Rudolph-Straße 1, abends 20.15 Uhr, statt. Auf vielseiügen Wunsch wird die Philosophische Arbeitsgemeinschaft über die „Geschichte des antiken Denkens in seinen Beziehungen zur jüdischen Philosophie" Forffetzung finden. Herr Dr. Willy Meyer (Nürnberg) wird den 3. Abend am Mittwoch, dem 18. Januar, 20.15 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudolph-Straße 1, leiten und über „Aristoteles", allenfalls auch über „Stoa und Epikureismus" sprechen. Es ist gelungen, Herrn Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) anfangs Februar zu einer Vortragsreihe über „Jüdische Mystik" zu gewinnen. Herr Universitätsprofessor Dr. Max Eisler (Wien) wird anfangs März aus seinem Fachgebiet der Kunstwissenschaft sprechen. Lhanukkah-Feier der Kultusgemeinde Nach einer Pause von vielen Jahren veranstaltete die Israelitische Kultusgemeinde München wieder eine Chanukkah-Feier zur Freude der Jugend und der Eltern. Die Leitung des Festes lag in den Händen von Oberlehrer Dr. Keßler, der, unterstützt von Studienrat Kiechle und Fräulein Cahnmann und Haan, in lebenden Bildern, Vorträgen und einem feinen Märchenspiel das Leben im jüdischen Hause, in dem die sorgende Mutter waltet, an den Augen vorbei- und in die Herzen einziehen ließ. Chanukkahfeiern, von Kindern für Kinder aufgeführt, sind nichts Neues. Dieser Feier aber gab die Geschlossenheit und Einheitlichkeit der Vortragsfolge die besondere Note, die auf einen Ton eingestimmt das Leitmotiv immer wieder anklingen ließ: Die jüdische Mutter im jüdischen Hause. Die kleinen und größeren Künstler waren mit ganzem Herzen von ihrer Aufgabe erfüllt; Sänger, Musiker und Vortragende boten Leistungen, die über das Können hinausgingen, das man von einer Dilettantenschar erwartet. Wenn ich nur ganz wenige mit Namen nenne, so mag der kleine Raum mich entschuldigen, den die Schristleitung mir zur Verfügung stellt. Albrecht Rosenthal, aus der III. Klaffe des Wilhelmgymnasiums sang mit glockenreiner Knabenstimme die Berochos über die Lichter und haneros halolu und schuf die Feierstimmung für die von feinsinnig vorgetragenen Deklamationen eingeführten lebenden Bildern: Sabbytlichter, Sabbatweihe, Sabbatsegen, Sabbats Abschied, Sederabend und Chanukkah. Der Prolog, gesprochen von Biama Silbermann, und „Der Mutter Traum", Märchenspiel von Keßler, als Einleitung und als Abschluß der Feier, waren Ausdruck für die Einheitlichkeit. Das Künstlertrio Lotte Wallach als sehr jugendliche und doch würdige Mutter, Ilse W e i n - berger das leben- und liebesprühende Kind, der Prophet Elia, gemimt von ErnaKrochna, und die 22 setsamen Gesellen hatten den Kindern gar viel, den Müttern mehr zu sagen. Wenn schüchterne Kritik meinte, das Märchenspiel sei über die Fassüngsgabe jugendlicher Hörer hinausgegangen, so mag die Wahrheit solcher Ausstellungen nicht ganz bestritten werden, aber das Kind hat die Gabe, dort wo der Worte Sinn dem Kopf verschlossen bleibt, den Stimmungsgehalt mit dem Herzen zu erfassen. Wer sich die dankbare Mühe macht, nicht nur die Wirkung, sondern die Nachwirkung solchen Erlebens bei den Kindern nachzuprüfen, findet eine Bestätigung des Wortes von Theodor Storm: „Wenn Du für die Jugend schreibst, so darfst Du nicht für die Jugend schreiben." So hat auch Keßler „Der Mutter Traum" gedichtet und mit seiner Künstlerschar in die Wirklichkeit übertragen. Dafür war er und seine Schar bedacht. S. Dingfelder. Chanukkahfeier der israelitischen Volksschule. Im Cherubinsaal, der bis zur letzten Ecke von erwartungsfrohem Publikum gefüllt war, veranstaltete die israelitische Volksschule am 22. Dezember ihre Chanukkahfeier. Die Darbietungen standen sämtlich auf solcher Höhe, daß man beinahe nicht glauben konnte, sieben- bis zehnjährige Kinder vor sich zu haben. Die mustergültige Aussprache und der ausdrucksvolle Vortrag — sowohl im Deutschen als auch im Hebräischen —, das glänzende Gedächtnis der Kinder für die langen Gedichte und Gespräche verblüfften geradezu. Die Geschmeidigkeit und Gewandtheit der Bewegungen, das hingebungsvolle Spiel, der köstliche Humor der Kleinen rissen das Publikum immer wieder zu stürmischem Beifall und Hervorrufen hin. Das Programm war von sachverständiger Hand zusammengestellt. Nach Einstimmung des Publikums durch eine Szene „Chanukkah-Märchen" und dem Gedichte „Matisjahu" von Flanter erfolgte das „Entzünden", gleichzeitig ausgeführt von zehn Knaben. Nach (auswendig) gemeinsam gesprochenem Haneros-Halolu sangen glockenhelle Kinderstimmen das Moaus zur. Eine Szene „Im Trödlerladen", ein hübscher Reigen „Tanzliedchen" und ein lustiges Stücklein „Rate-gut" bildeten den Beschluß des ersten Teils. — Der zweite Teil des Abends wurde durch ein außerordentlich wirkungsvolles Stimmungsbild, betitelt „Cheder", eröffnet. Ein entzückender Reigen, „Sepperltanz", leitete über zu dem fröhlichen Stückchen: „Dr. Sägebein", das wahre Lachstürme entfesselte. Beim Schlußgesang: „Elijahu hanowi" erschien zur Überraschung der Kinder der Prophet selbst, sang ihnen tröstend Antwort — und verteilte obendrein Lebkuchen! — Als Einlagen folgten zwei Tänze eines siebenjährigen Mädchens, die von seltener musikalischer Begabung und körperlicher Gewandtheit zeugten. — Die Begleitung verschiedener Gesänge und Reigen auf dem Klavier wurde von Lehrer I. Kissinger, Turnlehrerin Kutter und Frau Kahn in vollendeter Weise ausgeführt. — Alles in allem legte der Abend glänzendes Zeugnis ab für die hervorragenden Leistungen der israelitischen Volksschule sowohl im Deutschen als auch im Hebräischen, im Turnen und im Gesang. Möge die allseitige Anerkennung den Lehrern der Schule Lohn sein für ihre treue, aufopferungsvolle Arbeit! H. Versammlung des Lentralvereins Die Versammlung vom 15. Dezember 1927 im Museumssaal, die von rund 180 Personen besucht war, wurde von dem Vorsitzenden, Herrn Sanitätsrat Dr. Baron, eröffnet, der zunächst Las Ergebnis der engeren Vorstandswahlen innerhalb des Ortsgrup-