Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Article
Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine
Date
1928-01-15
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727850-2727851-2732509--02767-2732569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 5 Die Tagung Im Festsaale des „Bayerischen Hofes" wurde der neunte Verbandstag des Reichsverbandes Jüdischer Lehrervereine feierlich eröffnet. Oberlehrer Dingfelder (München) begrüßte die Tagung des Bayerischen Israelitischen Lehrervereins sowie der Münchener Bezirkskonferenz und stellte fest, daß nach dem nunmehr vollzogenen Anschluß des Bayerischen Lehrervereins endlich auch diese „Mainlime" überschritten sei. Mittelschullehrer Stern (Berlin), der Vorsitzende des Reichsverbandes, eröffnete den Verbandstag und gab den frohen Gefühlen Ausdruck, daß nun die jüdische Lehrerschaft Deutschlands in mustergültiger Einheit sich zusammengeschlossen habe, vielleicht den Gemeindeverbänden zum Vorbild. Ideelle Fragen werden der Tagung das Gepräge geben, Wirtschaftsfragen bleiben den Landesverbänden Vorbehalten. Die ideellen Fragen sind: 1. Sein oder Nichtsein der jüdischen Schule; 2. des Lehrerstandes: 3. des gesamten Judentums. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer entbot die Grüße der Gemeinde München und des Bayerischen Landesverbandes. Rabbiner Dr. Baerwald die des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes und der Banerischen Rabbinerkonferenz. Der Vorsitzende des Bayerischen Lehrervereins. Oberlehrer Winkler (Auasburq). überbrachte zugleich auch im Auftraae des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins die Vrudergrüße dieser Organisationen, wobei er die innige Verbundenheit mit der jüdischen Kolleaenschaft in den gemeinsamen hohen Zielen des Berufes und des Standes betonte.' Der Ehrenvorsitzende, Feiner (Hamburg). gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die bisherige Schicksalsgemeinschaft zu einer Gesinnungsgemeinschaft wurde. Im Aufträge des Jüdischen Frauenbundes begrüßte Frau Krämer (München) die Tagung. Bankier Krämer beschloß den Reigen der Redner, indem er als der Präsident der Münchener Loge des U.O.B.B. zugleich auch für die Jesaia-Loge versicherte, daß solche Begrüßunasabende nicht allein dekorativen Charakter hätten, sondern eine Huldigung der Nichtlehrer für die mühevolle und verantwortunasreiche Arbeit der jüdischen Lehrerschaft seien. Ehoraesang des Jüdischen Gesangvereins umrahmte die Veranstaltung. M' Der erste Verhandlungstag am Dienstag, dem 27. Dezember, wurde eingeleitet durch herzliche Begrüßungsworte des Oberregierunasrates Metzger, der im Namen des Kultusministeriums svrach. Stadtschulrat Reichel entbot die Grüße des Münchener Stadtrates. Im Mittelpunkt dieses Tages standen die Referate von Oberstudiendirektor Dr. Driesen (Frankfurt a. M.) und Hauvtlehrer Dr. Bamberger (Nürnberg) über „Die jüdische Schule in ihrer Bedeutung für das gesamte iüdische Leben kn Deutschland". Dr. Driesen, der der Versammlung seine Leitsätze unterbreitete. untersuchte die Gründe, warum in der nichtjüdischen Umwelt feit fast 1600 Jahren die Idee Wurzel fassen konnte, daß die deutschen Juden, die eine religiöse, wirtschaftliche und geschäftliche Kleinschicht bilden, nach dem Grundsatz bewertet werden: „Minderheit bedeutet Minderwertigkeit". Er sieht die Aufgabe der iüdischen Schule darin, die Unwahrheit dieser Formel zu beweisen durch Eintreten für die Ideale der Heimat, des Glaubens und der Menschheit. Das am Schlüsse des ersten Verhandlunastages gehaltene Referat des Hauptlehrers Dr. I. Bamberger (Nürnberg) über „Die iüdische Schule in ihrer Bedeutung für das gesamte jüdische Leben in Deutschland" gipfelte in den folgenden Leitsätzen: I. (1.) Die jüdische Schule erzieht jüdische Menschen auf Grund der jüdischen Seele (Bewahrung vor Vergiftung der jüdischen Seele im jugendlichen Alter mit all den häßlichen Folgeerscheinungen für Charakter usw.). (2.) Sie pflegt den sozialen Gedanken im Sinne des jüdischen Schrifttums. (3.) Sie vermittelt positive lebendige Kenntnisse jüdischen Inhalts und Erlebens. II. (4.) Die jüdische Schule pflegt eine harmonische Verbindung von Judentum und Deutschtum; Klarstellung des gegenseitigen Verhältnisses in ruhiger Atmosphäre. III. (5.) Harmonische Entwicklung der Individualität und Persönlichkeit des jüdischen Kindes; Aufhebung der inneren Zwitterstellung: Judentum und Deutschtum im Leben des deutschen Juden. (6.) Einflußnahme auf die Berufswahl der Jugend (Berufsumschichtung). Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages referierte Mittelschullehrer Stern (Berlin) über das Reichsschulaesetz und zeigte die Auswirkungen desselben auf jüdische Volksschulen. Seine Ausführungen wurden insbesondere von Dingfelder ergänzt. Der zweite Verbandstaa brachte die Referate Neuhaus (Fritzlar) und Rülf (Detmold) über das Thema „Die Jugendbewegung und die jüdische Lehrerschaft", die einen so nachhaltigen Eindruck hinterließen, daß die Versammluna beschloß, von einer Diskussion Abstand zu nehmen. Allen vier Referaten wurde im Prinziv zuaestimmt und dies in dem Beschluß zum Ausdruck aebracht, die Referate vom Verband aus in Druck erscheinen zu lassen. Zu Vorstandsmitgliedern wurden aewählt: Vorsitzender Stern (Berlin). Stellvertreter Dingfelder (München) und Steinhardt (Magdeburg). Geschäftsführer Abraham (Berlin), ferner I. B. Levy (Frankfurt a. M.) und Peritz (Königsberg). Dem Vorstand gehört außerdem Feiner (Hamburg) als Ehrenvorsitzender an. Es wurde beschlossen, eine Zentralhilfskasse zu gründen in Anlehnung an die bestehende Achawa, Frankfurt a. M. Ferner wurde die Einsetzung einer Jugendfchriften- und pädagogisch-wissenschaftlichen Kommission beschlossen. Weitere Angelegenheiten wurden dem Ausschuß zur Behandlung übergeben. Für den nächsten Verbandstag ist Wiesbaden in Aussicht genommen. Der iüdische Lehrer Ein Nachklang zur Versammlung der jüdischen Lehrer Deutschlands in München 's ist Sabbatruhe. In der Geißblattlaube Da sinnt der Juden, alter, frommer Lehrer. Er ist kein wilder Eifrer, kein Bekehrer, Mild glänzt als Stern ob ihm sein Gottesglaube. Das Buch der Bücher liegt vor ihm, sein hehrer Gehalt wird ihm zu Noahs Friedenstaube, Zu Josua und Kalebs goldner Traube, Er selbst uraüer Weisheit neuer Mehrer. Wieviel Geschlechter hat er ausgesendet In dieser Erde ungemessne Fernen, Wie Vielen Wissen, Halt und Trost gespendet! So möge immerfort denn lehren, lernen, Der jüd'sche Lehrer, himmelwärts gewendet. Zu Gottes ewigen, unerforschten Sternen! W. Silberschmidt. r" HAUS DER QUALI1ÄTSSTOFFE N. STARK & Cil MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 NÜRNBERG 2 LUITPOLDSTRASSE 11 J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.