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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · p. Seite 4

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Article
Odyssee des unbekannten Soldaten
Date
1928-01-15
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 verurteilt. Auf seine leidenschaftliche Vorstellung hin, gelingt es nachzuweisen, daß er nichts anderes als der harmlose Gefangene Grischa ist. Es finden sich Menschen — ein General, ein Oberleutnant, ein Kriegsgerichtsrat und ein Schreiber. Aber nun bricht ein Zuftändigkeitsstreit aus zwischen zwei Generalen. Man vergißt darüber den armen zu Tode Verurteilten, es beginnt ein Kleinkrieg mit Beschwerden und Revisionen, mit gekränkten Eitelkeiten und ehrgeizigen oder verzweifelten Winkelzügen. Der Soldatenvater, gerecht und den Wert eines Menschenlebens begreifend, steht dem Streber gegenüber, der parvenühaft nichts anderes kennt als das kalte Machtbewußtfein. Es ist ein ungleicher Kampf. Die Dummheit siegt — Grischa wird als der Spion, der er nicht ist, umgebracht. Das ist eine traurige schlichte Fabel, aber aus ihr wächst die Tragödie eines im Blute zuckenden Kontinents. Um diesen Kern schichtet sich der grandiose Bau des Romans. Mit Grischa wird Europa zum Tode verurteilt. Und das Urteil wird trotz allen Gegenkampfes vollftreckt. Es ist nicht notwendig, den Gang der Handlung hier eingehender wiederzugeben. Das Buch will gelesen und nicht besprochen sein. Hier geht es darum, seine Bedeutung und seine Stärke zu unterscheiden und darauf hinzudeuten, wie gewaltig lagung des Ueichsverbandes Sondersitzung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Im Rahmen des neunten Verbandstages der Jüdischen Lehrervereine hielt der Israelitische Lehrerverein für Bayern seine diesjährige Mitgliederversammlung in München ab, die der Vorsitzende Dingselder (München) mit der Erstattung des Jahresberichtes eröffnete. Er wies auf die brennenden Tagesfragen, wie Reichsschulgesetz, Schächtsrage u. a. hin. Rach Erstattung des Kassenberichtes nahm die Versammlung Stellung zu den Anträgen der Vezirkskonfernz München, als deren Ergebnis folgende Resolutionen gefaßt wurden: 1. Die Beschaffung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks- und Mittelschulen ist eine dringende Notwendigkeit. 2. Es soll eine Kommission gewählt werden, die die Richtlinien für den zu schaffenden Lehrplan beraten und der demnächst stattfindenden Versammlung vorlegen soll. In diese Kommission werden gewählt: Dr. Bamberger (Nürnberg), Seminardirektor Stoll (Würzburg), Ader, Dingfelder, Dr. Keßler, Rosenfeld (München), Hirnheimer (Höchberg), Dr. Fränkel (Augsburg). Der Rabbinerkonfernz sollen diese Resolutionen zur Kenntnis gebracht werden mit der Bitte, ihrerseits an diesen Fragen mitzuarbeiten. 3. Diese „pädagogische Kommisiion" soll auch die Frage der Vorbildung der jüdischen Lehrer behandeln, sobald das neue Lehrerbildungsgesetz vom Landtag verabschiedet ist. Sondersitzung der israelitischen Volksschullehrer in Bayern Hauptlehrer Krämer (Speyer) referierte über „die besonderen Verhältnisse der jüdischen Volksschullehrer". Er zeigte, wie die jüdischen Volksschullehrer durch Stellenauslösung mit Abbau besonders hart betroffen wurden, wie der Verlust von Dienstjahren, die Nichterreichung der Gruppe „9" eine besondere Notlage geschaffen. Die Volksschulkommission, bestehend aus Uhlfelder (Nürnberg), Adler (München) und Krämer (Speyer), wurde beauftragt, gemeinsam mit der Vorstandschaft des Lehrervereins geeignete Schritte zur Beseillgung dieser unhaltbaren Verhältnisse zu unternehmen. Dr. Bamberger (Nürnberg) sprach über die Vorarbeiten zum konfessionellen Lesebuch für jüdische Schulen, dessen Notwendigkeit von allen anwesenden Lehrern anerkannt wurde. der Seelenkampf Grischas, der bis zu seinem Tode nicht weiß, ob er nicht doch noch gerettet wird, von Zweig geschildert wird; wie umfassend die Gaben des Dichters in seinem Werke sich zeigen: Wie ist er in dem Kapitel „Der Wald" Naturschilderer! Wie in einem anderen („Auö gutem Hause") Psychologe! In dem „Bildnis eines Selbstherrschers" spricht in schärfster Polemik der Politiker, im „Herrenfeft" hohnlachend der Satiriker, in dem Kapitel „Die Deuter" mit einer so wunderbaren Weisheit der Jude. Arnold Zweig, der Dichter der zarten „Novellen um Claudia", ist hart geworden, ist Verkünder der Wirklichkeit, ist Führer, Ankläger und Richter geworden. Die Wirklichkeit hat gegen ihn angeftürmt, aber er hat sich nicht überrennen lassen und ist Herr der Wirklichkeit geworden. Wehe, wenn die junge Generation ihr Ohr der Botschaft des Dichters verschließt! Sie hört ihr eigenes Lied, es ist für sie gesungen. Hier hämmert gegen sie die Warnung: Dieser Dichter steht mitten unter uns jungen Menschen, die wir unentschlossen sind und uns heimatlos fühlen in dieser Gegenwart. Arnold Zweig fand den Ton, auf den wir gewartet haben: Wir wollen ihm treue Gefolgschaft leisten! der jüdischen Lehrervereine Sondertagung des Preußen-Verbandes ___ Im Rahmen der Tagung des Reichsverbandes der Jüdischen Lehrervereine Deutschlands hielt der Verband der Jüdischen Lehrervereine Preußens eine Sondersitzung ab. Nach Begrüßung der beiden neu hinzutretenden Vereine Oldenburg-Emden-Bremen und der Lehrerkonserenz Hessen gab der Verbandsvorsitzende Stern (Berlin) einen umfassenden Geschäftsbericht, der sich mit der Stellung des Landesverbandes zu den Lehrerforderungen, ferner mit der Lehrerbildung, den Vorbereitungsanstalten, mit wirtschaftlichen Fragen, der Stellung der Lehrer in den Kleingemeinden, mit den Rabbinatsbezirken, mit der Bildung der Hilfskassen befaßte. Nach der Diskussion wurden die folgenden Resolutionen angenommen: Levy (Frankfurt) zur Frage der Schul- und Rabbinatsbezirke: Der Verband erklärt sich für die Anstellung von Lehrern in Kleingemeinden nur unter der Voraussetzung, daß ihre völlige materielle Sicherstellung feststeht, hingegen fordert der Verband im Interesse der Erhaltung des Judentums auf dem flachen Lande dringlichst die Anstellung von nur ordentlich vorgebildeten Bezirkslehrern. Resolution Dr. Gutmann (Berlin) zur Frage der Lehrerbildung: Der Lehrer-Verband spricht sich gegen alle Bestrebungen aus, die zum Ziele haben, den Religionslehrern eine der Bildung der Volksschullehrer und -Lehrerinnen gegenüber minderwertige Bildung zu geben. Resolution zur Frage der Hilsskaffen: Nachdem der Landesverband in dankenswerter Weise die Besoldungssrage der Lehrer in Angriff genommen hat, erhebt sich die wichtige Frage der Sicherung der Anstellungs- und Versorgungsverhältnisse. Angesichts der in letzter Zeit häufiger auftretenden Kündigungen unter nichtigen Vorwänden stellt der Verband die Forderung, daß alle Lehrer, die auf Grund eines Privatvertrages angestellt sind, in bezug auf Besoldung, Anstellung, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung den Lehrern im öffentlichen Schuldienst gleichgestellt werden. Die Versorgungsfrage der jüdischen Lehrerschaft kann endgültig nur durch Schaffung einer selbständigen Rechtspensionskasse beim Landesverband nach Art der öffentlichen Provinzialruhegehalts-, Witwen- und Waisenkassen gelöst werden. Der Lehrerverband sieht in der Sicherung der Zukunft des Beamten die Grundlage seiner beruflichen und sozialen Stellung und erwartet vom Landesverband die höchste Aufmerksamkeit für diese Lebensfrage des Gesamtjudentums.

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