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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-12-13 · 12 (13.12.1927) · p. Seite 377

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
12 (13.12.1927)
Article
Kleistfeier des Bundes Jüdischer Pfadfinder "Kadimah"
Date
1927-12-13
Page
Seite 377 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 377 Stücke (Frank, Hindemith, Praetorius), deren Gestaltung einen verheißungsvollen Anfang erkennen ließ. Lina Sturmann las darauf mit meisterlicher, ganz musikalischer Sprache zwei Briefe Kleists und verstand es, damit-die Hörer tief zu erschüttern. Zu des Gefeierten Gedächtnis ergiff dann das Wort Manfred Heß und gab in wohlgeformter Rede einen Abriß von Leben, Werk und Persönlichkeit des großen Dichters. Nach einer längeren Pause eröffnete ein Quartett aus Mitgliedern des Kammerorchesters (Kleinbauer, Schapira, Nitzsche, Goldberg) den zweiten Teil mit einem Allegro von Mozart. Leider vermißte man hier jede geistige — manchmal sogar technische — Durchdringung. In hervorragender Weise brachte aber dann Bernhard Reulla kleinere Werke Kleists zum Vortrag, worauf mit drei hinreißend gespielten Menuetten von Mozart (Jüdisches Kammerorchester, Leitung Franz Kleinbauer) der Abend sein Ende fand . In die Stimmung allgemeinen Beifalls mischte sich der Wunsch, öfters derartiges geboten zu bekommen; stand doch die ganze Feier auf einem sehr beachtlichen Niveau. O. „kadimah", Ring Jüdischer Mander- und Pfadfinderbünde In der Erkenntnis, daß die Einheitsfront der gesamten positivjüdischen Jugend eine Notwendigkeit bedeutet, ist zwischen der Jugendgemeinde Mannheim und dem kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadsinderbünde, eine Vereinbarung getroffen worden, nach welcher beide Organisationen unter Wahrung ihrer Selbständigkeit eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Diese wird im wesentlichen Austausch von Erfahrungen, Besprechungen der Führer, gemeinsame jüdische Kulturarbeit, auch innerhalb der Gemeinden, und Tresffahrten enthalten. Aus dem demnächst stattfindenden Führerlager des Kadimah wird diese Arbeitsgemeinschaft durch die aktive Teilnahme der Jugendgemeinde Mannheim chren sichtbaren Ausdruck finden. Unter anderem wird der Leiter der Mannheimer Jugendgemeinde, Herr Rabbiner Dr. Grünewald, eines der Referate zur jüdischen Erziehung halten. Bund jüdischer Frontsoldaten Die Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten veranstaltet auch in diesem Jahre wieder eine ChanukkahFeier. In den schönen Räumen des Cherubin (Hotel Vier Jahreszeiten) wird ein fröhliches Programm von Vorträgen mündlicher und musikalischer Art unter der bewährten Leitung des Herrn Siegfr. Heumann als Konferenzier geboten werden. Die beliebte Kapelle Rohrbeck spielt. Eintrittskarten, die für Mitglieder RM. 1.50 und für Nichtmitglieder RM. 2.50 kosten, sind im Zigarrengeschäst Levinger und Bankhaus Gebrüder Marx, Domfreiheit, schon in den nächsten Tagen zu haben. Haupkvorstandsfihung des Cenkral-Vereins Unter außerordentlich starker Beteiligung fand am Sonnabend und Sonntag die große Hauptvorstandssitzung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unter Leitung des Vorsitzenden des Central-Vereins, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, statt. Den Geschäftsbericht erstattete der Direktor des Central-Vereins, Dr. Ludwig Holländer. Der Syndikus des Central-Vereins, Dr. Alfred Wiener und Moritz A. Loeb referierten über den Baseler Zionistenkongreß und seine Lehren. Am Sonntag behandelten u. a. Prof. Dr. Julius Goldstein (Darmstadt), Rabbiner Dr. Levi (Mainz) und Verlagsbuchhändler Theodor Markus (Breslau) deutsch-jüdische Fragen. Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen) gab einen Überblick über die Wahlen 1928 und die den Central-Verein erwartenden Aufgaben. Rechtsanwalt Dr. Alexander (Krefeld) untersuchte im Anschluß an Arnold Zweigs Buch „Kaliban" die Wirkungen des Antisemitismus auf die jüdische Umwelt. Rechtsanwalt Karl Löwenstein (Aachen) gab wertvolle Propagandavorschläge. Anstelle des verstorbenen Justizrat Sonnenseld wurden Oskar Heimann und Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil als stellvertretende Vorsitzende gewählt. Am Montag tagte die Verwaltungskommission des Central- Vereins„ am Dienstag fand eine Tagung der Beamten des Vereins aus Berlin und dem Reiche statt. Das Jüdische Kammerorchester München Wiewohl ein halbjähriges Bestehen nichts Entscheidendes über die Lebensfähigkeit einer Organisation aussagen kann, scheint es, daß die Gründung des Jüdischen Kammerorchesters, die um Ostern dieses Jahres erfolgte, dem Wunsche eines größeren Kreises musizierfreudiger, meist jüngerer Leute entsprach. Die allwöchentlichen Proben, die Mittwochs von 20 bis 23 Uhr in den Räumen des Jüdischen Kindergartens (Herzog-Rudolf-Straße 3, rechts neben der Synagoge) unter der Leitung von Franz Kleinbauer und Heinrich Lamm stattfinden, sind regelmäßig gut besucht und erfüllt von ernster, liebevoller Arbeit, von dem Bemühen, die gespielten Werke so erstehen zu lassen, wie es ihrem Wert gemäß ist und, vorher noch, von dem Streben, diesen Wert ganz zu erfassen. Wenngleich das Jüdische Kammerorchester gelegentlich gerne sich bemühen wird, der Veranstaltung einer jüdischen Körperschaft einen passenden Rahmen zu verleihen, wenn es auch manchmal es unternehmen wird, mit einem eigenen Konzert an die Öffentlichkeit zu treten, so ist doch im Grunde Studiengenossenschast oder, wenn dieses gefährliche und inhaltsschwere Wort erlaubt ist, Erlebnisgenossenschaft: ein «ollegiurn mu8icum, bei dem jeder die Gelegenheit finden soll, die sich in der üblichen Hausmusik so selten findet: ein umfangreicheres, reicher besetztes Kammermusik-Werk aus eigener Kraft auferstehen zu lassen. Da nun aber für einen größeren Klangkörper viel reichere Möglichkeiten bestehen als für einen kleinen; da uns daran gelegen ist, einen Mittelpunkt der jüdischen musizierenden Kreise Münchens darzustellen, wenden wir uns mit diesen Zeilen werbend an die Öffentlichkeit. Wir suchen weitere tüchtige Streicher aller Art: Geiger, DER JUGEND bieten wir eine neue Zeitschrift dar, die ab i Jan. 1928monatl. erscheint Sie enthalt vor allem Erzählungen, Märchen und Sagen jüdischen Inhalts, Aufsätze aus jüdischer Geschichte und Wissenschaft; sie bringt jedoch auch Interessantes aus vielen anderen Gebieten: Naturwissenschaften, Technik, Sport und Spiel Sie Soll derjüdischen Jugend ein lieber Freund und Begleiter sein und in ihr Interesse und Verständnis für alles Jüdische erwecken # Sie will jüdischen Eltern und Lehrern bei der wirksamen Ausgestaltung der jüdischen Erziehung an die Hand gehen;gediegeneAustattung und Illustrationen werden sie zu einem vorzüglichen Lehrmittel machen Sie ist vollkommen parteilos und in ihrer echt jugendlichen und gleichzeitig echt jüdischen Einstellung imstande, ein wertvolles Bindeglied zwischen der Jugend aller Kreise und Richtungen darzustellen Sie Wird allem wahrhaft jugendlichen aufgeschlossen sein und Schutz bieten; sie heißt darum DAS ZELT Zeitschrift für die jüdische Jugend Herausgeber: Dr.A.Heller und Dr. J.Seide unter Mitwirkung von Oberlehrer S. Dingfelder und Studienrat A. Schaalmann Zu beziehen durch jede Postanstalt zum Preise von RM. 1.20 viertelst Verlag JB. Heller, München, Herzog-Max-Str. 4

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