Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (13.12.1927)
- Article
- Wandlungen im Liberalismus
- Date
- 1927-12-13
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 In der anschließenden Diskussion sprach Dr. Ludwig Wassermann und Dr. Kahnmann. Dr. Wassermann wandte sich gegen die einseitige Darstellung, die der Redner von dem Liberalismus gegeben habe. Der Liberalismus habe keineswegs beiseitegeschoben, was ihm unbequem gewesen sei, sondern auch in den schlimmsten Nachkriegsjahren sich der Ostjuden angenommen. Der Liberalismus sei nicht tot. Tot gesagte Patienten lebten gewöhnlich am längsten. Mit einem Schlußwort Dr. Elks schloß die gelungene Veranstaltung. S. Filmvorführung „Ein Freitag-Abend" Am 4. Dezember 1927 wurde im Filmpalast der Zentralwohlsahrtsstelle „Ein Freitag-Abend" vor einem zahlreich erschienenen Publikum vorgeführt. Rabbiner Dr. Baerwald hielt vor der Aufführung des Films eine Ansprache, in der er ausführte, daß Film und Wohlfahrtspflege — der eine ein Kind der jüngsten Technik, die andere eine uralte Institution — zunächst als eine gewisse Dissonanz erscheinen. Doch sei dies kein anderer Widerspruch als der, der in der modernen Wohlfahrtspflege zunächst auftaucht. Der Widerspruch zwischen Verstand, der eine rationelle Organisation der Wohlfahrtspflege erfordert, und dem Herzen, das zu unmittelbarer Hilfeleistung antreibe. Es komme darauf an, mit Herz und Verstand an die Wohlfahrtspflege heranzutreten. Der Film selbst brachte in einer Rahmenerzählung die Bilder der verschiedenen Wohlfahrtsanstalten, der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden auf allen Gebieten und lieferte ein ganz hervorragendes Bild der jüdischen Wohlfahrtspflege. Es wurden zunächst die Berliner Anstalten und dann verschiedene Anstalten im Reich gezeigt. Als besondere Einlage erschienen in der Pause die bayerischen Anstalten, das Ferienheim Krumbach, das jüdische Landheim Wolfratshausen und das Landessiechenheim Würzburg, eine sehr hübsche Leistung der Emelka. Besonderen Dank erwarben sich auch Fräulein Alma Weiß, Herr Dr. Jos. Waldner und Herr Dr. B. Flechinger für die musikalischen Darbietungen, mit denen sie die Vorführungen eröffneten und die Darbietungen begleiteten. Im Anschluß an die Vorführung des Freitagabendfilms sind derartig viel Wünsche nach Wiederholung des Films laut geworden, daß er höchstwahrscheinlich im Frühjahr mit Neuaufnahmen bayerischer Anstalten in erweiterter Form dem Münchener Publikum wieder vorgeführt werden wird. Kunst- und Bildungs-Abende der München-Loge Die München-Loge beabsichtigt im Sinne ihrer idealen Ziele und Bestrebungen Vortrags- und Unterhaltungsabende für die breite jüdische Öffentlichkeit einzurichten, an denen neben einem belehrenden und anregenden Vortrag auserlesene Musik über des Alltags Not und Sorge hinweghelfen sollen. Die München-Loge nimmt damit wieder die verdienstvolle Tradition der Toynbee-Abende auf, die vor dem Kriege so lebhaften Anklang gefunden hatten. Die Veranstaltungen finden im Museumssaal (Promenadestr. 12) am Dienstag, den 13. Dezember 1927 und am Dienstag, den 10. Januar 1928, statt. Zwischen den Darbietungen findet eine Teepause statt. Der Eintritt ist für jedermann frei. Die ordentliche Mitgliederversammlung der Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes fand am 8. November, nachmittags halb 4 Uhr, unter äußerst starker Beteiligung — es waren etwa dreihundert Mitglieder anwesend — im Cherubinsaal des Hotels „Vier Jahreszeiten" statt. Die erste Schriftführerin, Frau Dr. Rahel Straus, erstattete den Jahresbericht, der sich mit allen Tätigkeitsgebieten der Ortsgruppe beschäftigte. Neben den sozialen Einrichtungen wie Nählehrstube, Wärmestube, Mensa, Lebensmittelversorgung u. a. m. liegen der Ortsgruppe vor allem auch ihre beiden kulturellen Gebiete, die wirtschaftliche Frauenschule in Wolfratshausen und ihre Vortragsabende besonders am Herzen. Die vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Haushaltungsschule nimmt einen immer erfreulicheren Aufschwung und ist auch in diesem Jahre wieder vollständig besetzt. Immer wieder muß betont werden, welch verständnisvolles und förderndes Interesse die Israelitische Kultusgemeinde, die Logen und Einzelpersonen der Arbeit der Ortsgruppe entgegenbringen. Die erste Kassierin, Frau Necha Stark, erstattete sodann den Kassenbericht und nach Entlastung der Vorstandschaft erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, der sich nun wie folgt zusammensetzt: Rosa Werner, Ehrenvorsitzende; Clementine Krämer, erste Vorsitzende; Hedwig Jacobi, zweite Vorsitzende; Jenny Baerwald, erste Schriftführerin; Dr. Rahel Straus, zweite Schriftführerin; Recha Stark, e.rste Kassierin; Hermine Ellinger, zweite Kassierin. In den erweiterten Vorstand wurden neu gewählt: Erna Feuchtwanger- Rheinstrom, Lolo Löwenthal, Clarisse Rosenthal, Rosa Stadler und Dr. Grethe Weihl. Nach einer kurzen Teepause widmete Frau Clementine Krämer warme Worte des Dankes der scheidenden Vorsitzenden Frau Clara Oppenheimer, dieser mit reichen Gaben des Herzens und des Geistes ausgestatteten Frau, die die Ortsgruppe feit deren Bestehen in vorbildlicher Weise führte, und gedachte auch deren Heimgegangenen Gatten in tiefer Dankbarkeit. Sie gab schließlich ihrer Freude darüber Ausdruck, daß Frau Oppenheimer dem jüdischen Frauenbund erhalten bleibe als Beisitzerin der Ortsgruppe, als Mitglied des Kuratoriums der Haushaltungsschule Wolfratshausen und als erste Vorsitzende des Landesverbandes Bayern des jüdischen Frauenbundes. Frau Krämer dankte schließlich für ihre Wahl zur ersten Vorsitzenden. Sie betrachte sich jedoch nur als Platzhalterin und hoffe, die Führung bald einer jüngeren Frau anvertrauen zu können. Es wurde dann an Frau Oppenheimer ein Danktelegramm gesandt. Hierauf gab Frau Bertha Fränkel-Ehrentreu in überaus fesselnder und sachkundiger Weilse Erklärungen über Bibelstellen, Aussprüche und deren Autoren im diesjährigen Kalender des jüdischen Frauenbundes. Zum Schluß erfreute Frau Erna Feuchtwanger- Kronenberger, begleitet von Frau Hedwig Gutmann, die Anwesenden durch Liedervorträge. Die Generalversammlung, im reizvollen Rahmen eines Teenachmittags, war ein verheißungsvoller Auftakt für die Winterarbeit der Ortsgruppe. Der starke Zuspruch hat gezeigt, daß sich ernste Arbeit mit froher Geselligkeit vereinen läßt und daß die Bestrebungen des jüdischen Frauenbundes immer mehr Anhängerinnen unter den jüdischen Frauen Münchens finden. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Wie im Vorjahre bringen wir wieder eine große Auswahl kunstgewerblicher sehr geschmackvoller und preiswerter Handarbeiten zum Verkauf. Als Chanukahgeschenke eignen sich besonders unsere Kinderkleider und Spielhöschen, Deckchen, Kissenplatten und Taschentücher. Verkaufszeit: Montag bis Freitag von halb elf Uhr bis halb ein Uhr, Wagmüllerstraße 16/III bei Frau Justizrat Fränkel und Maximiliansplatz 12/11 bei Frau Eliasberg. vückerfchau Das Zelt. Zeitschrift für die jüdische Jugend. Herausgegeben von Dr. A. Heller und Dr. I. Seide unter Mitwirkung von Oberlehrer S. Dingfelder und Studienrat A. Schaalmann. Vom 1. Januar 1928 ab erscheint unter dem Namen „Das Zelt" im Verlag B. Heller eine Zeitschrift für die jüdische Jugend. Die neue Zeitschrift will einem seit Jahren fühlbaren Mangel abhelsen und durch Aussätze und Erzählungen aus jüdischer Wissenschaft und Literatur unserer Jugend die Erlangung jüdischer Kenntnisse erleichtern und somit das jüdische Bewußtsein wecken und stärken, Eltern und Lehrern bei der jüdischen Erziehung eine wirksame Hilfe bieten. Liegen doch die Verhältnisse auf diesem Gebiet ganz besonders im Argen. Die für die Jugend geeignete Lektüre jüdischen Inhalts ist außerordentlich spärlich, das Elternhaus und der oft unzureichende Religionsunterricht in den Schulen find selten in der Lage, eine Übermittlung jüdischer Inhalte zu übernehmen. Durch eine geschickte Auswahl geeigneten Lesestoffes soll die Zeitschrift diesem Mangel wenigstens zum Teil abzuhelfen suchen. Alle anderen Gebiete, wie Naturwissenschaften und Technik, Sport und Wandern, Spiel und Basteln, werden ebenfalls in ausgiebigem Maße gepflegt werden. UerroenDe! die leleMmm-Aah-ssormulare des WseliWen ftaven-ISereins le. 10.) von 18301