Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (13.12.1927)
- Article
- Der Talmud als Angriffspunkt unserer Feinde
- Date
- 1927-12-13
- Page
- Seite 373 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 373 sondere ist Akum nicht gleich Christ. Aknm bedeutet Anbeter der Sterne und Himmelskörper, womit gewisse Götzendienste gemeint sind. Wichtig ist auch das Thema „Der Jude vor einem nicht jüdigen Gerich t". Nach jüdischem Recht dürften Verurteilungen nur auf Grund zweier Zeugen erfolgen. Es ist dem Juden verboten, da, wo eine Verurteilung nur auf Grund seiner Aussage allein in Betracht kommt, eine Aussage zu machen. Dagegen ist dem Juden keineswegs verboten, gegenüber einem Glaubensgenossen als Belastungszeuge aufzutreten. Dies wurde-auch in einem Beleidigungsprozeh Holländer gegen Fritsch festgestellt. Über „die Eigentumsrechte des Talmuds" stellt Rohling die Behauptung auf, daß dem Juden jede Vermögensschädigung des Nichtjuden erlaubt sei. In Wirklichkeit sagt der Talmud genau das Gegenteil. Es ist dringend erforderlich, daß die Jugend den Talmud kennt, nicht etwa nur zu Verteidigungszwecken, in erster Linie kommt es darauf an, in unserer Jugend den Geist des Talmuds lebendig werden zu lassen. Der Vortrag, zu dem auch eine Reihe außenstehender (auf Einladung der Münchener Ortsgruppe des Central-Vereins) Persönlichkeiten erschienen waren, hinterließ durch die ruhige und sachliche Art seiner Darlegung, wie auch durch seine eindrucksvolle Beweisführung sichtlich tiefen Eindruck auf die Zuhörerschaft. Der Bayerische Landesverband der jüdischen Jugendvereine kann diesen wohlgelungenen Abend als einen schönen Erfolg buchen. S. Wandlungen im Liberalismus Am 26. Oktober sprach in einer Veranstaltung der Zionistischen Ortsgruppe München vor zahlreicher Zuhörerschaft Rabbiner Dr. Max Elk (Stettin) über „Wandlungen im Liberalismus". Wie der einzelne den von Dr. Elk vorgetragenen Ausführungen auch gegenüberstehen mag, man vermochte sich wohl nicht dem Gesamteindruck zu verschließen, daß hier eine Persönlichkeit sprach, die sich für ihre Ziele einsetzt, daß dieser Vortrag sich nicht damit begnügte, Dinge theoretisch abzuhandeln, sondern daß er der Ausdruck eines starken, auf Zukunftsgestaltung gerichteten Willens war. Dr. Elk führte folgendes aus: In der Neuzeit hat sich die Einheit der Kultur gelöst. Kunst, Philosophie, Ethik, haben sich von der Religion freigemacht. Die Religion selbst wird unter das Licht der Vernunft gestellt. Auch die Einheit der jüdischen Kultur ist gesprengt. Auch hier ergibt sich die Frage, in welcher Weise die Religion in den neuen Kulturzusammenhang eingeführt wird. Doch für das Judentum war diese Frage noch schwieriger; denn es kam für die Juden die politische Aufgabe der Emanzipation hinzu. Die Folge war, daß der Liberalismus, der sich vor diese Aufgabe gestellt sah, vielfach durchsetzt wurde von Bestrebungen, die mit dem Religiösen nichts zu tun hatte. Es entstand hier das, was man Gemeindeliberalismus nennt. Der Liberalismus des vorigen Jahrhunderts war beeinflußt durch die Bewegung des Rationalismus. Die hohe Tat jenes Liberalismus war es, die jüdische Religion zu ihrer allgemeinen, für alle geltenden Bedeutung aufgezeigt zu haben. Er hat auch viel Aberglauben beseitigt und dadurch die Religion gereinigt. Er hat aber auch die spezifisch jüdischen Elemente vernachlässigt. Der Liberalismus war die Schöpfung des wohlhabenden Bürgertums, eines Bürgertums, das seine Stellung nicht erschüttert haben wollte. Es bestand eine gewisse Angst, mit weltbewegenden Ideen hervorzutreten. Dadurch entstand jene Ruhe des Liberalismus, jenes Zurückhalten von allen Taten. Dadurch, daß der Liberalismus die Religion entnationalisiert hat, hat er dieser Religion die Zukunftsmöglichkeit genommen. Mit dem Gedanken des Ursprungs der Religion von Gott hat der Liberalismus aufgeräumt. Wir kommen heute zur Erkenntnis, daß ein Volk, das jüdische, aus seiner geistigen Eigenart heraus diese Religion geschaffen und fortgebildet hat. Es wird daher diese Religion nur weiterbestehen können, wenn hinter dieser Religion ein lebendiger Organismus steht. Es dürfen bei allem die großen positiven Leistungen des Liberalismus nicht übersehen werden. Auch in dem Rationalismus, der aus das Allgemeine hinweist, liegt etwas Großes. Der Liberalismus hat die Wissenschaft des Judentums geschaffen. Er hat uns die Einheit von Glauben und Wissen gegeben. Er hat auf das Recht einer subjektiven Religiösität hingewiesen. Eine große Leistung ist ferner die Einführung der Frau in das relegiöse Leben. Die größte Tat des Liberalismus liegt darin, daß er die Einheit des Judentums bewahrt hat. Er hat die Verbindung zwischen Orthodoxen und den Nichtstrenggläubigen aufrechterhalten. Aber dies gelang ihm nur dadurch, daß er nicht letzten Endes liberal war, sondern in der Orthodoxie im tiefsten Grunde das Wertvollere gesehen hat. Wir wollen die positiven Leistungen des Liberalismus nicht verkennen, müssen jedoch sagen, daß er aus den Reserven der jüdischen Menschen heraus geschaffen hat. Der Liberalismus ist die Erscheinung eines Totenkampfes, den er nur verlängern kann. Es fragt sich nun, ob hier nicht eine Heilung nun möglich ist? Es kommt darauf an, einen organischen Kulturzusammenhang zu schassen, in dem die jüdische Religion nicht mehr isoliert dasteht, sondern zu dem sie als "febstverftändlich gehört. Es scheint, daß sich heute diese Aufgabe leichter ausführen läßt. Die hebräische Sprache hat ihre Auferstehung gefeiert. Es hat sich ein eigenes jüdisches Volkstum gebildet, sowohl im Osten, wie in Palästina. Wir sehen heute die großen Massen, nicht nur die Tausende deutscher Juden. Es kommt darauf an, jenen schöpferischen volksmäßigen Hintergrund zu schaffen, der die Voraussetzung schöpferischer Religiosität ist. Der nationale Charakter einer Bewegung sagt nichts gegen ihren unversalen. Was das Judentum für den Menschen geistig geben kann, kann nur auf seinem eigenen Boden wachsen. Der nationale Gedanke macht den liberalen erst möglich. Religiöser Liberalismus ist nichts anderes als geistiger Zionismus, und dieser geistige Zionismus ist es, der die Brücken von Palästina zum Galuth schlägt. Auch die neue Richtung kann sich als religiöser Liberalismus bezeichnen,- denn es besteht ein Unter- Unterschied zwischen religiöser Idee und religiöser Verwirklichung. Der alte Liberalismus ist den falschen Weg gegangen, der neue Liberalismus geht einen anderen richtigeren Weg der Verwirklichung. — <2)ftünehen iJ'gividte «acß 9lIaJS Ec^o^it Aeit «Miet 50 efaivien - fanden