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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-11-11 · 11 (11.11.1927) · p. Seite 339

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
11 (11.11.1927)
Article
Hilfsverein der deutschen Juden
Date
1927-11-11
Page
Seite 339 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 339 ZLlREREÖHLER'S WINTERGARTEN Theatinerstrasse 16 / Fernsprecher Nr. 91285 Eingang Passage: Modehaus Krell Ucko Täglich von 4-6 Uhr Nachmittagskonzerte Abends 81/2 Uhr Künstlerische Darbietungen mit Tanz ELITE-TANZ-ORCHES TER Kein Weinzwang Es sind jüdische Siedlungen in der Krim und im Süden Rußlands entstanden. Man zählt heute mehrere hundert jüdische Dörfer. In ganz Rußland sind 2 800 000 Juden. Ungefähr 1000 000 davon sind frühere Kaufleute und Händler, die alles verloren haben. Diese müssen vor dem Untergänge bewahrt werden. Aus diesen Erkenntnissen hat die russische Regierung zusammen mit dem amerikanischen Joint eine Kolonisierung eingeleitet. 13 000 jüdische Familien sind angesiedelt. Im ganzen will man 100 000 ansiedeln. Neues Änfiedlungsgebiet ist hauptsächlich in der nördlichen Krim, wo noch Raum für 5000 Familien ist. Auch in Sibirien und im Kaukasus sucht man Länder zu gewinnen. Die russische Regierung gibt den Boden unentgeltlich her, gewährt Kredite und liefert das Bauholz, drei Jahre Steuerfreiheit und drei Jahre Freiheit vom Militärdienst. Der Joint und die Jka finanzieren das Werk. Die Jka wird im Laufe der nächsten Jahre 21,5 Millionen Dollars ausgeben. Hauptsächlich wird Getreidebau betrieben, doch daneben auch Obst- und Weinbau, sowie Milchwirtschaft. Man zählt bereits etwa 30 Käsereien. Die jüdischen Kaufleute bewähren sich gerade in der Landwirtschaft sehr gut infolge ihrer Regsamkeit und guten Kalkulation. Je nach der Güte des Bodens erhält der einzelne Kolonist 15 bis 25 Hektar Boden. Die religiösen Gebräuche werden bei den Kolonisten aufrechterhalten. Schwieriger ist es dagegen mit der religösen Erziehung, weil diese, wie für alle anderen Konfessionen, von Staats wegen verboten ist. Unterricht kann daher nur zu Hause erteilt werden. Sehr im Rückstände ist das hygienischsanitäre und das kulturelle Gebiet. Hier fehlt es noch sehr. Hier will der Hilfsverein der Deutschen Juden eingreisen. Es ist Zeit, daß auch die deutschen Juden wieder in der Wohltätigkeit der Welt den ihnen gebührenden Platz einnehmen. Reichlicher Beifall dankte den Rednern für ihre aufschlußreichen Ausführungen. Dr. Baerwald gab diesem Dank in einem Schlußwort Ausdruck. Jüdischer Wohlfahrlsfilm „Ein Freitag-Abend" Wie bekannt ist, hat die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden aus Anlaß der Düsseldorfer Ausstellung Gesolei einen Film aus der jüdischen Wohlfahrtspflege mit dem Titel: „Ein Freitag- Abend" Herstellen lassen. Dieser Film wurde im Laufe des vorigen Jahres in 60 Gemeinden im Reich und 21 mal in Berlin ausgeführt und hatte allenthalben den größten Beifall und stärksten Erfolg. In Berlin allein wurde die Aufführung von 15 383 Personen besucht. Der Film zeigt in einer gefälligen, spannenden Rahmenhandlung die Organisation des jüdischen Wohlfahrtswesens in Deutschland und bringt sehr schöne und ansprechende Bilder aus einer großen Reihe unserer Krankenanstalten, Altersheime, Erziehungs¬ und Erholungsheime. Der Film ist sowohl für die jüdische Bevölkerung als auch für interessierte christliche Kreise, vor allem die Wohlfahrtsbehörden außerordentlich geeignet, gibt er doch einen guten Einblick in die Formen, in denen Wohlfahrtspflege nach modernen Anschauungen geübt werden soll, desgleichen ein Bild über das verzweigte jüdische Wohlfahrtswesen und deutet am vieles hin, was noch des Ausbaus bedarf. Der Film soll in den einzelnen Gemeinden neue Helfer. Mitarbeiter und Spender werben, Anregungen siir die Weiterarbeit vermitteln und ist somit als wirksamstes Propagandamittel anzusehen. In München kommt der Film am 4. Dezember zur Vorführung. Näheres darüber siehe Gesamtanzeige der gemeindlichen Lehr- Jsraelitische krankensürsorge München Seitens der Leitung des Vereins Israelitische Krankenfürsorge München wird uns folgendes mitgeteilt: Es wurde in letzter Zeit mehrfach darüber geklagt, daß die Besucher von Kranken sich nicht an die hinsichtlich der Besuchszeit, der Besuchsweise, des Einbringens von Nahrungsmitteln uff. bestehenden allgemeinen Vorschriften der Anstalten halten, dann aber auch den besonderen Vorschriften der Arzte, Krankenschwestern uss. Widerstand entgegensetzen. In Ausnahmefällen kommen allgemein die Anstaltsleitungen immer entgegen. Für die Besuche von Kranken in den allgemeinen Zimmern aber sind die bestehenden Vorschriften unweigerlich einzuhalten, da sonst die Gefahr besteht, daß Zuwiderhandelnde ab- und aus dem Krankenhause ausgewiesen werden. Aber auch für die Unterbringung von Kranken in Separatzimmern ist zu beachten, daß namentlich seitens der Besucher von Kranken Anforderungen zu unterlassen sind, die über die Verpflichtung der Krankenanstalten zur Unterbringung und VerkösUgung der Kranken hinausgehen.

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