Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (11.11.1927)
- Article
- Altenstadt a. d. Iller
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 335 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 335 Deutsch-Französischen Kriege zu verzeichnen, sondern besitzen aus der Zeit der Befreiungskriege ein sehr wertvolles Dokument, welches zeigt, daß sich schon damals vaterländische Begeisterung in der hiesiegen Judenschaft regte, obzwar sie erst ein Jahrzehnt aus dem entehrenden Judenschutzverhältnis zu bayerischen Staatsbürgern erhoben worden war. Ein Benjamin Löwenstein, dessen Familie noch heute hier existiert, war am 14. November 1815 zum bayrischen Lieutenant im Landwehrbataillon des Jllerkreises ernannt worden. Das wertvolle Dokument befindet sich im Besitze der Frau Witwe Lina Weil, geb. Löwenstein, und hat folgenden Wortlaut: Landwehr des Königreichs Bayern S. Majestät der König haben geruht, den Benjamin Löwenstein zu Jllertissen als Lieutenant beim 4. Landwehrbataillon des Jller-Kreyses zu ernennen, in welcher Eigenschaft derselbe von jedermann anzuerkennen ist. Kempten den 14. November 1815 Kgl. Bairisches General-Commissariat des Jllerkreyses, gez. v. Stefang. Wissenschaftliche Kurse der A. I. Jugendgruppen in Nürnberg-Fürth Leitwort. Neben der intensiven Gestaltung des Lernens, der Quellenerforschung ist wenn je, dann in unserer Zeit als einer Epoche stärkster geistiger Auseinandersetzung die Erarbeitung und Festigung jüdischer Weltanschauung vornehmste Aufgabe jüdischer Gemeinschaftsarbeit. Der jüdische junge Mensch, der inmitten kultureller Strömungen aller Art nach festen Bahnen, nach einheitlichem Blickpunkt sucht, muß wegweisende Zeichen vor sich sehen. Er muß imstande sein, mit tauglichen und zweckgeeigneten Waffen sich geistige Selbständigkeit zu erkämpfen. Die Ausrüstung der geistigen Persönlichkeit soll immer mehr im eigenen jüdischen Kreis erfolgen, hier soll die Individualität empfangen und geben, um dann gefestigt und gestärkt auch die Auseinandersetzung als „Aufgabe in der Zeit" bestehen zu können. So werden Wissenschaftliche Kurse im jüdischen Kreise eingerichtet, um einer Erziehungs- und Selbsterziehungspflicht nachzukommen. In systematischer Arbeit sollen von berufenen Vertretern jüdischer Anschauung die Gebiete jüdischen Wissens, jüdischen Seins und Sollens bei gleichzeitiger Vermittlung allgemeiner Grundbegriffe und allgemeiner Bildung betreten und erschlossen werden. Im ersten Arbeitsjahr, der als fortlaufend geplanten Kurse sollen drei Zyklen stattfinden: Ein geschichtswissenschaftlicher Kurs über „Die Entwicklung des jüdischen Geistes in den letzten zwei Jahrhunderten jüdischer Geschichte" von Herrn Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg). Ein Kurs über „Religionsphilosophie" von Herrn Rabbiner Dr. Munk (Ansbach). Ein literarischer Kurs über „Der Jude als Objekt neuerer Literatur von Herrn Direktor Dr. Elias (Fürth). Kurs I (Literarischer Kurs): „Der Jude als Objekt neuerer Literatur". Dozent: Herr Direktor Dr. Elias (Fürth). Die Vortragsreihe soll die Darstellung des Juden im Roman und Drama, in der Lyrik und in der wissenschaftlichen Literatur deutscher Sprache behandeln. Thema des ersten Abends: Wilhelm Raabe, Jakob Wassermann, Max Brod. Kurs II (Geschichtlicher Kurs): „Die Entwicklung des jüdischen Geistes in den letzten Jahrhunderten jüdischer Geschichte." Dozent: Herr Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg). Themen: Das Judentum des Talmud und Schulchan Oruch. Chassidismus. Aufklärungsbewegung und ihre Folgen. Thauro im Derech Erez. Kurs III: „Religionsphilosophie". Dozent: Herr Rabbiner Dr. Munk (Ansbach). Themen: Die Entwicklungsphasen der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters. Der Streit um die Glaubenslehre des Judentums. — Egozentrische und theozentrische Weltanschauung. —■ Prophetisches und mosaisches Judentum. — Das Wesen der Seele. — Die Bedeutung der Form im Judentum. — Kultur und Religion. Mitteilung des Schochtimverbandes Bayerns Unsere Generalversammlung findet in Nürnberg am 26. Dezember statt. Am 25. nachmittags ist bereits Verwaltungssitzung, zu der unsere Mitglieder hiermit eingeladen werden. Wünsche und Anträge sind mir bereits bis längstens 1. Dezember schriftlich einzureichen. Gustav Neustädter (Bad Kissingen), Vorstand. Hus der Semeinde Programm Lehrkurse im November und Dezember A.: Vorträge I. Dr. Ernst Simon (Frankfurt a. M.): „Dis Weltreligionen und das Judentum." Am 27. November und 11. Dezember, 20 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolph-Stratze 1/0, Rückgebäude. Num. Sitzplatz RM. 1.50, Stehplatz RM. —.80 für beide Abende zusammen. II. Dr. Raphael Levi: „Jesaia." I. und II. Abend. Am 30. November und 14. Dezember, 20.15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog- Rudolph-Straße 1/0, Rückgebäude. Num. Sitzplatz RM. 1.—, Stehplatz RM. —.50 für die ganze Vortragsreihe. III. Pfarrer A. Kaufmann (Weinheim i. Baden): „Nationen und Religionen im heutigen Palästina und ihre Beziehungen zueinander." Am 1. Dezember, 20.15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolph-Straße 1/0, Rückgebäude. Num. Sitzplatz RM. 1.—, Stehplatz RM. —.50. 8.: Arbeitsgemeinschaft Dr. Willy Meyer (Nürnberg): „Die Geschichte des antiken Denkens in seinen Beziehungen zum Judentum." I. und II. Abend. Am 23. November und am 7. Dezember, 20.15 Uhr, im Lessingfaal, Herzog-Rudolph-Straße 1/0, Rückgebäude. Eintritt frei. Teilnahme nur nach Vereinbarung beim Leiter im Vortragssaal. . Eröffnung: Samstag,den 12.Nov. 1927 Spezialhaus für moderne Damen- und HerrensFufybekleidung MÜNCHEN . DIENERSTRASSE 6 . ECKE LANDSCHAFTSTRASSE