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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-11-11 · 11 (11.11.1927) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
11 (11.11.1927)
Article
Kommt und nehmet hin!
Date
1927-11-11
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. I bringen, die ihr zugehören, ist das schönste Vorrecht der Gemeinde. Daß viele, viele sich nach diesem Lichte sehnen, darf aber um so mehr erwartet werden, als mit den diesjährigen Lehrkursen ein glänzendes Stück jüdischer Kultur sich den Besuchern einprägen wird. Lehrkurse sind immer mit dem Odium der Trockenheit belastet, und Vorträge vermögen nur selten ein gutes Buch zu ersetzen. Weshalb nur? Es muß zum rechten Gegenstand auch der rechte Mensch treten! Bei unserer Maffenproduktion von Vorträgen fehlt es oft am einen, oft am andern, mitunter auch an beidem. Wo indes ein bedeutsames Thema in feingeschliffener Form von einer wirklichen Persönlichkeit entfaltet wird, da gibt es auch heute noch einen guten Klang. Daß alles geschehen ist, um diesen gewiß nicht leichten Voraussetzungen Rechnung zu tragen, zeigt ein Blick in das Programm. Bereits am Mittwoch (16. November) beginnend, wird Professor Dr. Strich* an drei Abenden „Die Juden in der Romantik" behandeln. Man darf behaupten, daß das Thema ebenso anziehend ist wie der Vortragende selbst, wohl einer der besten Kenner der Romantik, die wir in Deutschland besitzen. Es ist die Welt vor hundert Jahren mit ihrer seltsamen Mischung von Melancholie und Schwärmerei, von Schöngeisterei und echter Poesie, von einsamer Versunkenheit und edelster Geselligkeit, die Zeit, welche Heine und Börne mit ihren Dichtungen und Geistesblitzen entzückten, in der in den Salons der R a h e l (Varnhagen v. Enses kluger Gattin) und der Henriette Herz, der hochbegabten Frau des eingangs erwähnten Markus Herz, sich die erlesensten Geister der Nation ein Stelldichein gaben. Diese Zeit mit ihren mannigfachen Anklängen an die Gegenwart wieder zu erleben, verspricht einen hohen Genuß. Trotz seiner Jugend, er ist erst achtundzwanzig Jahre, nicht weniger bekannt und in seinem Fache bedeutend ist der Frankfurter Dr. Ernst Simon, der an zwei Abenden über „Die Weltreligionen und das Judentum" sprechen wird. Das Wissensgebiet dieses jungen Gelehrten ist von nicht alltäglichem Umfang: Geschichte, Germanistik, Philosophie und Nationalökonomie sind seine Disziplinen. Insbesondere waren Plato, Hegel und Ranke Gegenstand seiner Studien. Bezeichnend für seine Vielseitigkeit sind seine Veröffentlichungen: Hier erscheint neben „Plato und die Tragödie", der „Idee in Hegels Geschichtsphilosophie und Rankes Geschichtsschreibung" und anderem mehr * Kurz vor Redakttonsschluß erfahren wir zu unserem Bedauern, daß Prof. Strich verhindert ist, an den genannten Abenden zu sprechen. auch eine Studie über „Die Ehrung des Alters im Judentum". Daß ein solch universeller Kopf zu einer vergleichenden Darstellung der Religionen, zu einer geschichtlichen und systematischen Auseinandersetzung des Judentums mit Hellenismus und Christentum, mit Islam und Buddhismus berufen ist, liegt nahe. Darüber hinaus aber werden diese Abende Gelegenheit geben, einen der interessantesten Vertreter der modernen jüdischen Wissenschaft kennenzulernen. Ewige Jugend wird auch aus den Vorträgen erstrahlen, die. Dr. Raphael Levi über „Das Buch Iesaias" halten wird. Mit staunender Ergriffenheit werden die Zuhörer vernehmen, wie hell und scharf die Stimme des Propheten in unsere Zeit hereinklingt. Diese Vorträge werden dadurch mit besonderem Gehalt erfüllt werden, daß Herr Dr. Levi bei der Lektüre die jüdischen alten Kommentatoren heranziehen wird, so daß sich auch hier kulturgeschichtliche Perspektiven von höchster Eigenart eröffnen. Schließlich wird noch der evangelische Pfarrer Kaufmann aus Weinheim (Baden), der zwei Jahre in Palästina lebte, dort den Krieg mitmachte und dazwischen Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Alexandrien und Direktor der dortigen deutschen Schule gewesen war, ein eindrucksvolles Bild über „Die Nationen und Religionen im heutigen Palästina" geben. Mit einem warmen Herzen auch für das Judentum tritt dieser Protestant vor uns, um uns Erlebtes und Geschautes wiederzugeben. Es wäre tief bedauerlich, wenn derartige Versuche bei uns keinen Boden finden würden. Eine köstliche Frucht winkt den Teilnehmern an der Arbeitsgemeinschaft, die Herr Dr. Willi Meyer (Nürnberg), von seinen leider viel zu wenig gewürdigten Vorträgen über die Juden im mittelalterlichen Spanien im Vorjahre her bestens bekannt, leiten wird. Sie steht unter dem Zeichen „der Geschichte des antiken Denkens in ihren Beziehungen zum Judentum". Sokrates und Plato, Aristoteles, die Stoiker und Epikuräer, Philo, der Neuplatonismus mit dem herrlichen Plotin werden am geistigen Auge der Teilnehmer vorüberziehen. Sie werden an sich das erquickende „Bad des Geistes" erleben, das seit Menschengedenken die Antike ist. Gerade in unserer sorgenvollen Gegenwart gibt es keinen schöneren Tryft als die Beschäftigung mit der Antike. Die Besten unter uns sind bereit, zu geben. An euch ist es, zu empfangen! Versammelt euch wie eure Väter und Mütter unter dem Baume der Erkenntnis, der immer neue Blüten treibt, solange es Juden gibt. Darum noch einmal: Kommt und nehmet hin! kebräische vüchereien im Sebiete des heutigen vayern Von Dr. Joseph P r y S in München Am 23. Dezember 1516 wurde in Augsburg, dessen Bedeutung für die Entwicklung der geistigen und wirtschaftlichen Kultur Deutschlands dem Forscher immer wieder vor Augen tritt, I o - Hann (oder Hans) Jakob Fugger geboren. Das von Johann Jakobs Vater Raymund und dessen Bruder Anton geleitete Fuggersche Haus stand damals im Zenith seines Ruhmes. Die Fugger waren die Bankiers der Welt, ihre Reichtümer waren sprichwörtlich geworden. Ihr Einfluß erstreckte sich aus das ganze öffentliche Leben und machte auch vor der Kaiserwahl nicht Halt. Während nun aber Anton Fugger in erster Reihe Geschäftsmann war, suchte Raymund nicht nur Gelegenheit, Künstler und Gelehrte nach dem Vorbilde der reichen italienischen Häuser, vor allem der Mediei in Florenz, zu unterstützen, sondern er betrieb selbst wissenschaftliche Studien. Bekannt ist seine Antikensammlung, die er aus Funden auf altgriechischem Boden zusammenstellte und die die erste bedeutendere ihrer Art in Deutschland war. Diese Umgebung mag mitgewirkt haben, aus dem in eine Fuggerei Hineingeborenen alles andere als einen Geschäftsmann

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