Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-11-11 · 11 (11.11.1927) · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
11 (11.11.1927)
Article
Inhalt
Date
1927-11-11
Page
Seite 325 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727848--02543-2732256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rachrichtenblatt öet Israelitischen Kultusgemeinöe in München und des Verbandes Bagerischer Israelitischer Gemeinden Hagerische Israelitische Gememöezeüung erscheint am Anfang jeden Monats. — Verlag: S. Heller, München, Herzog Marstraße4, Fernsprecher 93099/ Postscheckkonto Rr. ZPS7 München. Schristleitung: 0r. Lugen Schmidt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße <5. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Mar! 4.— für Las Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Pfennige. Kamilienanzeigen, Stellengesuche und ähnliche Angebote 13 Pfennige. i?£7 München, J<. Äovember 0r.tt Inhalt: Kommt und nehmet hin! — Hebräische Büchereien II — Hilfsverein —< Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Vorträge — Lehrerverein — Bücherschau — Vereine — Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: über Ersatzwahl: über Erhebung von Kultusumlagen: über die Ein- Hebung der Kultusumlagen der Lohnsteuerpflichtigen: über Vorschußzahlungen auf die Besoldungsneuregelung — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: über Gottesdienst am Trauergedenktag; über Barablösung der Schuldverschreibungen alten und neuen Besitzes; über Wohlfahrtsschwindel — Personalia. Kommt und nehmet hin! Ein Wort zu den Lehrkursen der Kultusgemeinde Von Dr. Hans Taub „Heute reiset Ihr und wie ich mir schmeichle auch mein würdiger Freund, Herr Mendelssohn, von hier ab. Einen solchen Mann, von so sanfter Gemütsart, guter Laune und hellem Kopfe, in Königsberg zum beständigen und inniglichen Umgang zu haben, würde diejenige Nahrung der Seele sein, deren ich hier so gänzlich entbehren muß und die ich mit der Zunahme der Jahre vornehmlich vermisse..." So schrieb Kant am 20. August 1777 an Markus Herz, seinen „wertesten Freund". Der Empfänger dieses Briefes war ein jüdischer Arzt, der vier Jahre (1766 bis 1770) zu den eifrigsten Schülern Kants in Königsberg gezählt hatte und zu den ersten gehörte, die in Kant einen Erleuchter verehrten. In welch hohem Grade sich aber auch dieser jüdische Denker die Zuneigung seines Meisters zu sichern wußte, geht daraus hervor, daß Kant ihm am 11. Mai 1781, kurz nach dem Erscheinen der „Kritik der reinen Vernunft", folgendes Lob spendete: „Von einem Manne aber, der unter allen, die mir das Glück als Zuhörer zugeführt hat, am geschwindesten und genauesten meine Gedanken und Ideen begriff und einsah, kann ich allein hoffen, daß er in kurzer Zeit zu demjenigen Begriffe meines Systems gelangen werde, der allein ein entscheidendes Urteil über dessen Wert möglich macht." Kant hat soeben eine Tat vollbracht, von der er weiß, daß sie die ganze menschliche Erkenntnis in ihren Grundfesten erschüttern muß und ver-. traut. darauf, daß sein intelligentester Zuhörer Markus Herz dem grandiosen „System" am ehesten gerecht werden wird. Wie aber muß das Herz eines Juden erst schlagen, wenn er liest, wie Moses Mendelssohn derart auf Kant gewirkt hat, daß dieser Klage darüber führt, daß ihm der beständige „innigliche Umgang" mit einem solchen Menschen versagt bleiben sollte! Wie wunderbar einfühlend zeigt sich in diesen Dokumenten eines Unsterblichen der „fremdrassige" jüdische Geist! Wer aber kennt diese und viele andere Blätter unserer Geiftesgeschichte? Wie viele Juden würden fester und froher in einer noch immer betrübenden Gegenwart stehen, wenn die gewaltigen Zeugen einer ruhmvollen Vergangenheit laut und eindringlich zu ihnen redeten. Ist doch der Schatz, den man in seinem Innern trägt, der mächtigste Wall gegen alle Invektiven und Erniedrigungen. Laßt euch zeigen, wer ihr ward, und ihr sollt fühlen, wer ihr seid! Aus solcher Einsicht sind die Vorträge und Lehrkurse der Kultusgemeinde geboren, die auch in diesem Winter das Wissen vertiefen und die Seelen stärken sollen. Bedarf es vieler Worte, um darzutun, daß es das größte A r - mutszeugnis wäre, wenn der Ruf der Kultusgemeinde ungehört verhallen würde, sobald sie sich anschickt, eine Kulturaufgabe zu erfüllen? Zeigt doch die jahrtausendalte Geschichte des jüdischen Volkes, daß der reichste Segen für die Menschheit dadurch von ihm ausging, daß es allen Bedrückungen zum Trotz immer die Fahne der Kultur mutig vorangetragen hat. Wo eine neue Kultur sich zu entfalten schien, immer zeigten sich Juden als ihre eifrigsten Förderer. Erst mit dem Ende der Kultur wird das Judentum aufgehört haben, zu bestehen. Von solch hoher Warte aus möge man den Versuch und das Opfer würdigen, das unsere Kultusgemeinde nun schon seit einer Reihe von Jahren mit der Veranstaltung von Lehrkursen, wie beigefügt werden darf, freudig bringt. Man wende daher nicht ein, daß in einer Stadt mit so vielen Bildungsmöglichkeiten, mit so kräftig pulsierendem Leben, wie es in den jüdischen Vereinen und Logen zum Ausdruck kommt, solche Veranstaltungen entbehrlich seien. Ein planmäßiges Ganzes setzt immer ein Ganzes voraus und dieses Ganze kann und darf nur die Gemeinde selbst sein. So warm es zu begrüßen ist, daß es der Stätten viele sind, an denen der jüdische Geist lebendig wird, allen Licht zu Landeslrauertag am 13. November 1927 siehe vekannlmacdung Sette 343

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.