Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (20.10.1927)
- Article
- Der Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes 5687/1927
- Date
- 1927-10-20
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 317 fügung; außerdem waren Plätze für die Spiele in genügender Zahl vorhanden. Eröffnet wurde der Bundestag am 31. Juli abends mit einer Feier, bei der hauptsächlich neue hebräische Lieder gesungen wurden. Im Mittelpunkt dieser Feier stand das Referat von Georg Lubinski, in dem er die gegenwärtige Situation des Bundes beleuchtete. Der nächste Tag wurde durch ein Referat von Mordechai Schattner über die gegenwärtige Lage Palästinas eingeleitet. Daraufhin zogen die Jüngeren auf den Sportplatz zum Spiel, während sich die Alteren der drei verschiedenen Arbeitsgemeinschaften über Fragen des Bundes unterhielten. Die Themen der Arbeitsgemeinschaften waren folgende:. Die Jungführer befaßten sich mit den Problemen der Jüngerenerziehung. Die Palästina-Arbeitsgemeinschaft besprach die wirtschaftliche und politische Lage in Palästina und die Vorbereitung der Mitglieder des Bundes auf Palästina. Die Älteren-Arbeitsgemeinschaft unterhielt sich über die politische Stellung des Bundes im jüdischen und öffentlichen Leben. Am Abend erstatteten die einzelnen Führer der Arbeitsgemeinschaften vor dem gesamten Bundestag Bericht. Man beschäftigte sich an diesem Abend noch mit Fragen der weiteren Bundesarbeit, wobei besonders die Frage der Erziehungsformen und ihre Beziehung zum zionistisch-sozialistischen Inhalt des Bundes hervorzuheben ist; die Schaffung einer Jüngerenzeitschrift und der Plan eines Führerlagers im Winter 1927/ 1928. Der letzte Tag war den sportlichen Wettkämpfen und Spielen gewidmet. Nachmittags wurde der Film „Unsere Jugend in Erez Israel", der vom Keren Hajessod zur Verfügung gestellt wurde, vorgeführt. Der Film löste Helle Begeisterung aus, die sich noch steigerte, als Mitglieder des Jung-Jüdischen Wanderbundes bei ihrer Arbeit in Erez Israel im Film sichtbar wurden. Der Abend brachte eine Aufführung von „Jaacobs Traum". Nach dieser Aufführung versammelte sich der gesamte Bundestag am Steinbruch, dem Orte der Schluhfeier. Ein großes Feuer beendete diesen Abend. Der Bundestag hat in seinem sachlichen Teil und in der Stimmung, die alle beherrschte, gezeigt, daß der Jung-Jüdische Wanderbund sich in einer Periode der Erweiterung und der inneren Stärkung befindet. In die neue Bundesleitung wurden gewählt: Georg Lubinski, Mordechai Schattner und Alfred von der Walde. Verband gesehestreuer jüdischer Iugendoereine Bayerns Die am 11. September in Fürth stattgefundene Tagung des Verbandes gesetzestreuer, jüdischer Iugendoereine (i. d. A. I. I. O.), hat die Erwartungen, die an dieses Jugendtreffen geknüpft wurden, in erfreulichem Maße erfüllt. Der Besuch war ein recht reger; fast alle Gruppen waren vertreten. Aus dem Geschäftsbericht der Verbandsleitung konnte die mühevolle, nur schrittweis vor sich gehende Entwicklung der Organisation und ihre Erziehungsarbeit entnommen werden. Gewiß ist manch schöner Erfolg im letzten Jahr zu registrieren; noch vieles aber bleibt zu tun übrig. Die tatkräftige Mitarbeit der einzelnen Gruppenmitglieder, die wohlwollende Förderungen durch die Rabbiner, Lehrer und Gemeinden ist auch für die künftige Tätigkeit immer mehr Voraussetzung. Der Verband will in stiller, aber intensiver Arbeit die Grundlagen für ein aufwärtsstrebendes, gesetzestreues Leben in der jungen Generation schaffen und durch gegenseitige Selbsterziehung die reifere Jugend zu einer thoragemäßen Lebensführung ertüchtigen. Diesem Zwecke dienten auch die beiden Referate, die die Nachmittagsverhandlungen ausfüllten. Sowohl die Ausführungen Dr. Willy Hofmanns (Frankfurt) über „Das Jndividiunl als Träger der Gemeinschaft", als auch diejenigen Rabb. Dr. Breslauer (Fürth) über „das Führerproblem", zeigten in tiefschürfender und wohlgeformter Rede die Begriffe vom Wert und der Bedeutung des einzelnen in und für die Gesamtheit unter besonderer Betonung der Notwendigkeit einer starken Organisation, während das Führerproblem solange ungelöst bleibt, solange nicht in der Menge das Bedürfnis vorhanden ist, Führer zu fordern, die nicht nur die Technik einer modernen Führerschaft beherrschen, sondern die sich auch an den Vorbildern früherer Zeiten orientieren, wie sie uns die jüdische Volks- und Kulturgeschichte übermitteln. Durch begeisterten Beifall brachte die Jugend den beiden Referenten ihren herzlichen Dank für diese genußvolle Stunden zum Ausdruck. Durch die vorgerückte Abendzeit konnte sich eine größere Debatte nicht mehr entwickeln; jedoch diese auf Wunsch im „Nachrichten-Blatt" des Verbandes fortgesetzt werden. — Die Tagung, die von den beiden Verbandsvorsitzenden geleitet wurde, wurde gegen 6 Uhr offiziell geschlossen. Ein gemütlicher, jedoch dem Ernst der Ellultage angepaßter Unterhaltungsteil bildete das Finale der Tagung, die bei den Teilnehmern einen sichtbar günstigen Eindruck hinterließ. Jüdischer Iugendverein München Unsere Vereinstätigkeit hat bereits begonnen. Unsere Heimabende finden jeweils Dienstag und Donnerstag statt. Das Heim ist in der St.-Anna-Straße 6 parterre rechts, Eingang Bürkleinstraße. Unseren Mitgliedern und eingeführten Gästen ist das Heim von 19.30 Uhr abends zugänglich. Die für die Abende vorgesehenen Vorträge beginnen nach den Feiertagen. Alles weitere ist am schwarzen Brett im Heimlokal angeschlagen. Die Freitag-Abende sind, wie im Vorjahre, wieder in der Herzog-Max-Straße 5, ersten Stock, Rückgebäude, von 20.30 Uhr an. Jeder ist an diesen Abenden willkommen. Vorkrag Rabbiner Dr. Max Elk. Herr Rabbiner Dr. Max Elk (Stettin), der von seiner früheren Tätigkeit in München noch in bester Erinnerung ist, hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, in einem von der Zionistischen Ortsgruppe München veranstalteten Vortrag über „Wandlungen im Liberalismus" zu sprechen. Da der Vortrag allgemeines Interesse finden dürfte, werden hierdurch sämtliche Gemeindemitglieder höflichst eingeladen. (Siehe Anzeige in dieser Nummer.)