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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 316

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Delegiertenversammlung des Landesverbandes Bayern im C.-V.
Date
1927-10-20
Page
Seite 316 (sequence 1)
Language
German
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316 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 Vereine Delegierlenversammlung des Landesverbandes Bayern im C.-V. Am 18. September fand im Bahnhofshotel in W ü r z b u r g die diesjährige Delegiertentagung des bayerischen Landesverbandes statt. Als Vertreter des bayerischen Gemeindeverbandes waren Oberlandesgerichtsrat Silberschmidt, Justizrat Haas und Kommerzienrat Braunsch w e iger erschienen. Auch die bayerische Rabbinerkonferenz und der Landesverband des R. j. F. waren vertreten. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Landesverbandes, Dr. Baron (München), schilderte Life L e i b h o l z als Vertreterin der Zentrale die Lage im Reich und die Tätigkeit der Zentrale. Hierauf erstattete der Syndikus des bayerischen Landesverbandes, Dr. Freund, den Tätigkeitsbericht. Die Aussprache zeigte, daß die Arbeit in Bayern und im Reich, die vom C.-V. geleistet wird, Verständnis und Anerkennung findet. Besonders wurde die Notwendigkeit anerkannt, Aufklärung und Propaganda, wie sie auch zur Zeit mit Erfolg von der Leitung des Landesverbandes in Bayern ausgeübt werden, zu treiben. Der Tagung ging am Samstag abend eine große Versammlung der Würzburger Ortsgruppe gleichfalls im Saale des Bahnhosshotels voran, die außerordentlich gut besucht war. Nach einleitenden und anfeuernden Worten des Vorsitzenden der Ortsgruppe Würzburg, R.-A. R o s e n t h a l, sprach Justizrat W. G a l l i n - g e r (Nürnberg) als stellvertretender Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes über die Geschichte der bayerischen Juden und die Ideenwelt des C.-V. Hierauf sprach Lise Leibholz (Berlin) über den inneren Wert der Centralvereinsarbeit. Der bayerische Syndikus Dr. Freund entwickelte sehr interessante Gedankengänge über die Jdealverwirklichung von Deutschtum und Judentum. Die erhebend verlaufene Versamlung, die allen Rednern stürmischen Beifall zollte, diente der Stärkung der Idee des C.-V. in Würzburg. Lentralverein. Das Künstlertheater im Ausstellungspark führt seit einiger Zeit das neue deutsche Schauspiel „Ulysses und Jthaka" von Ludwig Holberg auf. Die Schlußszene bringt zwei mauschelnde ostjüdische Gestalten in häßlicher Verzerrung, deretwegen aber wohl deshalb von jüdischer Seite eine Beanstandnug erschwert ist, weil sämtliche Gestalten des Stückes zu mehr oder weniger lächerlichen Karikaturen gestempelt sind. Berechtigten Unwillen dagegen mußte der Schlußausruf des. Ulysses erwecken, der in gar keinem sinnvollen Zusammenhang zu der Gesamthandlung des Stückes steht und den Sinn der Schlußszene geradezu zu einer eindeutigen nationalsozialistischen Kundgebung umprägte: „Ich hätte, statt gegen Troja zu ziehen, alle Juden ausrotten sollen." Die Geschäftsstelle des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens erhob, wie sie uns mitteilt, am 15. September Beschwerde bei der Zentralinstanz der Staatstheater, auf welche der Generalintendant durch Schreiben vom 16. September mitteilte, daß er den Auftrag gegeben habe, den beanstandeten Schlußsatz wegzulassen. Die Geschäftsstelle des Central-Vereins beklagt sich darüber, daß die vielen jüdischen Besucher des Theater nicht schon seit langem dem Büro des Central-Vereins von dem Mißstande Kenntnis gegeben haben. Wäre dies geschehen, so hätte der Text schon seit Wochen abgeändert werden können und ein staatliches Theater wäre nicht schon Wochen hindurch zu antisemitischer Propaganda mißbraucht worden. Bundestag des kadimah Vom 29. Juli bis 1. August fand bei Königsee in Thüringen der zweite Bundestag des Kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadsinderbünde statt. Vor einem Jahr durch Zusammenschluß dreier Bünde gebildet, kann der Kadimah auf eine Zeit voller Arbeit zurückblicken, nicht verschont vom inneren und äußeren Kämpfen. Um so erfreulicher war das Bild dieses Bundestages, der in seinen Aussprachen zeigte, daß trotz verschiedener Anschauungen über Ziel und Weg des Bundes der starke Wille zu einheitlicher Zusammenarbeit entstanden ist. Im Mittelpunkt der ideologischen Auseinandersetzung stand die Einstellung des Bundes zu den Problemen der jüdischen Erziehung. Die auf der Vundesratstagung in Brieselang angenommene Resolution wurde vom Bunde erneut als Grundlage der Arbeit anerkannt und in folgende Fassung gebracht: Der zweite Bundestag des „Kadimah" legt als Basis der weiteren gemeinsamen Arbeit in folgendem die Grundlage der jüdischen Erziehung des Bundes dar: „Kadimah" ist ein unabhängiger Jugendbund, mit reinen Erziehungsaufgaben. Er lehnt es ab, die Nachwuchsbewegung irgendeiner politischen Organisation zu sein. Feind allen Zersplitterungs- und Verfallstendenzen im Judentum will er die jüdische Jugend zur verantwortlichen Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der Weltjudenheit erziehen. Innerhalb dieser Ausgaben kommt, entsprechend der unzertrennlichen Verknüpfung Palästinas mit der Geschichte des jüdischen Volkes, dem Wiederaufbau des Landes eine besondere Bedeutung zu. Intensives Hebräischlernen, Eindringen in die kulturellen und religiösen Probleme, Kenntnis der jüdischen Kulturwerte und der jüdischen Geschichte sowie das Wissen um die Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes sind die unerläßlichen Vorbedingungen, um die Angehörigen unseres Bundes dazu zu befähigen, sich selbst innerhalb der jüdischen Probleme zu orientieren und nach ihrer Erziehung im Kadimah zur eigenen Entscheidung über ihren zukünftigen jüdischen Weg zu gelangen." Aufs stärkste betont wurde, daß der Bund sich seine unpolitische Einstellung nicht nehmen lassen würde, seinen Willen, unbekümmert um alle äußeren Angriffe seinen eigenen Weg zu gehen. Weder der Vorwurf der einen Seite, daß er zionistisch sei, noch der anderen, daß sein Weg zum Antizionismus führe, könne ihn davon zurückhalten, selbständig Stellung zu den jüdischen Problemen zu nehmen. Als Erziehungsbund obliege ihm die Ausgabe, seine Menschen zu starken, bewußten, freien Juden zu erziehen, die imstande seien, sich selbständig für ihren jüdischen Weg zu entscheiden. Je ein Referat über Pfadfindertum und über jüdische Erziehungsarbeit gaben die weiteren Grundlagen für Aussprachen und praktische Arbeit, Kurse usw. — Das fünftägige Lager zeigte das Bild des werdenden Pfadfinderbundes, reich an innerem Leben und äußeren Formen. Das große Lagerfeuer vereinigte allabendlich den ganzen Bund, besondere Freitagabendseiern führten einzelne Kreise zusammen. Die Bundestagung fand ihren Abschluß mit der Wahl des neuen Vundesrats sowie der Bundesleitung, der Bernhard Bamberger, Hans Kaufmann und Kurt London angehören. Der Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes 5687/1927 Der Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes fand in diesem Jahre in Vöhl, Bezirk Kassel, statt. Die äußeren Bedingungen für die Abhaltung des Bundestages waren sehr günstig. Die dortige Gemeinde stellte dem Jung-Jüdischen Wanderbund die neuerbaute Jugendherberge mit anschließendem Turnsaal zur Ver- Seidenhaus J.Haimann A.-G., München Gründungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründungsjahr 1845 SPEZIA LH AUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND — LYON— PARIS

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