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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 315

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
Date
1927-10-20
Page
Seite 315 (sequence 2)
Language
German
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M. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 315 das „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur" zugehen. In ihrer alljährlichen öffentlichen Mitgliederversammlung mußte ein wissenschaftlicher Vortrag gehalten werden, der ebenfalls gedruckt und unter den Mitgliedern verteilt wurde. Ferner wurden Gelehrte in ihrer Forschungsarbeit unterstützt und Einzelschristen herausgegeben, ein sehr glücklicher Anfang wurde mit Leo Baecks Buch: „Das Wesen des Judentums" gemacht, dessen vierte Auflage inzwischen fast vergriffen ist. Vor allem aber wurden monumentale wissenschaftliche Veröffentlichungen in Angriff genommen, an denen heute noch gearbeitet wird. So die Germania Judaica; sie sollte alle Landschaften und Orte des Deutschen Reiches, wo von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen bis 1815 jüdische Ansiedlungen bestanden oder hervorragende Juden gelebt haben, in alphabetischer Reihenfolge verzeichnen und deren Geschichte und Leistungen auf Grund der Quellen in möglichst knapper Form gemeinverständlich darstellen. Eine Beherrschung und Zusammenfassung der zahlreichen weitschichtigen Quellen war hierzu erforderlich. Die Schwierigkeit der Arbeit wurde damals unterschätzt, nur die erste Hälfte des erstell Bandes konnte 1917 erscheinen und gerade jetzt steht die zweite Hälfte dieses Bandes vor dem Abschluß. Ein anderes Schmerzenskind ist das Corpus Tannaiticum, das alle Texte der tannäifchen Literatur in kritischer Bearbeitung veröffentlichen sollte, — ein überaus schwieriges Unternehmen, das langjährige, tief eindringende Prüfung von schwer zugänglichen, in allen Erdteilen zerstreuten Handschriften erforderlich machte und dadurch besonders erschwert wurde, daß die Zahl der geeigneten Sachkundigen überaus gering ist. Ein Unternehmen ganz großen Stils war der Grundriß der Gesamtwissenfchast des Judentums, der zunächst auf 36 Bände berechnet war und Monographien über den ganzen Kreis der jüdischen Wissenschaft enthalten sollte. Auch dieser Plan konnte bisher noch nicht ganz durchgeführt werden; es sind im ganzen 13 Bände erschienen, aber es spricht die Notwendigkeit und die Güte dieser Werke, daß sie fast alle mehrere Auflagen erlebt haben. Weit mehr noch als in der sehr beträchtlichen Zahl von 24 Jahrgängen der Monatsschrift und 34 Einzelschriften zum Ausdruck kommt, hat die Gesellschaft durch die enge Verbindung mit ihren Mitgliedern, durch die Anregung und Belehrung, die sie in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen in fünf Erdteilen verbreitet hat, für das Judentum gewirkt. Ein Höhepunkt ihrer bisherigen Tätigkeit bedeutete die Mitgliederversammlung in Frankfurt a. M. im Juni 1914; ähnliche Veranstaltungen waren in anderen Städten geplant, mußten aber infolge des Weltkrieges unterbleiben. Wie alle gemeinnützigen Institute hat auch die Gesellschaft durch Krieg und Inflation schwer gelitten, aber dank der Treue ihrer Mitglieder und der Festigkeit ihrer Verwaltung ist sie nicht zugrunde gegangen. Sie hat ihre Leistungen vorübergehend eingeschränkt, ist aber jetzt wieder in voller Tätigkeit. An den großen wissenschaftlichen Unternehmungen wird rastlos weitergearbeitet, neue Bände des Grundrisses gehen in den Druck, weitere stehen in naher Aussicht. Neben kleineren Schriften, deren Ausgabe nahe bevorsteht, erscheint als Jubiläumsausgabe das Prachtwerk von Dr. C. Tassilo Hoffmann: A b r a h a m - A b r a h a m s o n; 60 Jahre Berlinischer Medaillenkunst. Wie diese beiden Künstler von epochemachender Bedeutung für ihr Gebiet waren, so wird auch dieses Werk durch die Fülle des neuen, bisher völlig unbekannten Materials, sowie durch die in Deutschland seit langem nicht gekannte Kunst der Ausstattung Aufsehen erregen. Was die Gesellschaft leistet, kommt ihren Mitgliedern zugute, die Zugehörigkeit zu ihr bringt nicht nur moralische Erfolge, sondern auch materielle Vorteile. Für einen mäßigen Jahresbeitrag erhalten die Mitglieder nicht nur die Zeitschrift der Gesellschaft unentgeltlich, sondern auch auf alle ihre Veröffentlichungen einen erheblichen Rabats. Kräftig und lebensstark tritt die Gesellschaft in das zweite Vierteljahrhundert ihres Bestehens. Sie hat durch ihre bisherige Tätigkeit Anspruch auf die Dankbarkeit und tatkräftige Untersetzung aller derer, denen die Zukunft des Judentums am Herzen liegt. Es wird ihr der schönste Lohn sein, diese Unterstützung zu finden, um zu Ehren unseres Glaubens und unserer Gemeinschaft weiter erfolgreich zu wirken. 1 Bei trittserklärungen sind an das Büro der Gesellschaft, Berlin- Schöneberg, Belzigerstraße 46, II. 2 (Nathan) zu richten; sie können auch durch Überweisung von 10 RM. an obige Adresse oder Einzahlung auf das Postscheckkonto Berlin NW 7, Nr. 7030 (Paul Veit Simon) erfolgen. Loevinson (£.: Roma Israelitica. Wanderungen eines Juden durch die Kunststätten Roms. Mit 16 Abbildungen (307 Seiten). Frankfurt a. M. I. Kauffmann Verlag. Ganzleinen RM. 10.—. Wie viele schönheitsdurstige Wanderer auch aus jüdischen Kreisen kommen Jahr um Jahr nach Rom, um dort an den unvergänglichen Kunstwerken und an der Größe der an geschichtlichen Erinnerungen so reichen Stadt zu erbauen, wie wenige aber denken wohl daran, welche Rolle Rom seit unendlichen Zeiten in der jüdischen Geschichte gespielt hat, wie auch anderseits das Judentum durch die aus seinem Schoße sich lösende Tochterreligion von entscheidender Bedeutung für die Metropole des Christentums geworden ist. Zahllos sind die Beziehungen zwischen der Stadt, die sich die „urbs aeterna" nennt und unserer Gemeinschaft, dem „am olom" Diese in Kunst und Geschichte so reich vorhandenen Beziehungen sind in vorliegendem Buche behandelt. Der Jude, der nach Rom geht, sollte nicht versäumen, neben dem Baedecker diesen handlichen Band mitzunehmen. Er wird ihn auf allen Wanderungen in Museen und Kirchen auf das Jüdische in Rom aufmerksam machen. Der Verfasser hat in gründlicher, dabei liebenswürdig plaudernder Weise gezeigt, wo überall Jüdisches in Rom zu finden ist und es geschichtlich und ästhetisch gewürdigt. Allerdings zieht er den Kreis seiner Betrachtungen etwas weit, wo es sich um die Darstellungen von Themen des alten Testaments handelt. Für den praktischen Gebrauch wäre vielleicht eine etwas straffere Darstellung erwünscht, ein Plan mit Hervorhebung der behandelten Objekte fast unerläßlich. Diese Wünsche beeinträchtigen jedoch keineswegs den Wert dieses Buches, das dem jüdischen Rom-Reisenden unentbehrlich sein sollte. Das schöne Buch, das auch dem in die Heimat Zurückgekehrten eine wünschenswerte Vertiefung seiner Kenntnisse bieten wird, erinnert wieder an den schon oft beklagten Mangel eines „jüdischen Baedekers" für Deutschland. — Ein Kapitel des Buches über den Moses von Michelangelo ist im literarischen Teil des bayerischen Gemeindekalenders abgedruckt. ld. Der moderne Waschtag Gnädige Frau! 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