Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 309

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Büste des Herrn Hofrats Alfred Nathan in Fürth
Date
1927-10-20
Page
Seite 309 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727847--02474-2732113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 309 Düste des Herrn Hofraks Alfred Nathan in Fürth Herr Hofrat Nathan war Ehrenbürger und großer Wohltäter der Stadt Fürth, er hat sich durch viele gemeinnützige Einrichtungen, vor allem aber durch Stiftung eines neuzeitlichen Wöchnerinnen- und Säuglingsheims, des Nathanstifts, ein bleibendes Andenken geschaffen, auch hat er bei seinem- Tode sein ganzes Vermögen dem Fürther jüdischen Waisenhaus hinterlassen. Die Büste ist ein Werk des bekannten Bildhauers Johannes Götz und hat im Nathanstift Aufstellung gefunden. Grünstadt. Am Vorabend des Neujahrfestes wurde um 6 Uhr in der Synagoge vor der vollzählig versammelten Gemeinde die Weihe einer Gedenktafel für die Gefallenen der hiesigen Gemeinde vorgenommen. Die Feier wurde eingeleitet durch das ergreifende Lied „Sei still", gesungen von Frl. Fürsorgeschwester Jdelberger. Herr Berthold Jacobi als 1. Vorstand, in der er der Einigkeit unseres Volkes gedachte. Begeistert zogen die tapferen Helden hinaus, um das bedrohte Vaterland zu schützen, ohne Unterschied des Bekenntnisses hielten sie dem feindlichen Geschoßhagel stand. Drei Frontkämpfer kehrten nicht mehr zurück, ihre Namen sind Berthold Schmitt, Julius Reiß und Dr. Julius Frey. Mit dem Gelöbnis, die Gedenktafel allezeit in Ehren zu halten, enthüllte sie der 1. Vorstand und übernahm sie für die Gemeinde. Nach einem Harmoniumvortrag „Ich halt einen Kameraden" des Herrn Oberlehrers Tremel hielt Herr Lehrer Lion die Weihepredigt. Ein Lied „Gebet" von Fräulein Jdelberger beschloß die würdige und erhebende Feier. Hatzfurt. Unter einer beispiellosen Beteiligung seitens aller Kreise der Bevölkerung unseres Städtchens wurden heute die sterblichen Überreste unseres teueren, unvergeßlichen Lehrers Moritz Hammelburger f. A., der nach einem schweren ärztlichen Eingriff im Vorjahre und nach monatelangem, schwerem Krankenlager in Würzburg, zum Schmerze seiner Familie, seiner Gemeinde, seiner Freunde verstorben ist, zu Grabe getragen. Der Beerdigung in Kleinsteinach ging eine Trauerfeier in der Synagoge in Haßfurt voraus, die einen erhebenden Verlauf nahm. Der Gesangverein Haßfurt, mit trauerumflorter Fahne, war vollzählig in der Synagoge erschienen und widmete dem verblichenen Mitglieds als Einleitung der Trauerfeier und dann noch beim Abschied auf dem Wege zum Grabe erhebenden Gesang. Herr Oberkantor Eschwege aus Würzburg. sang einen durch eine besondere Einlage mit dem Akrostichon des Verblichenen erweiterten El mole rachamim in zu Herzen gehender Trauerweise. Es folgte die Trauerrede des Distriktsrabbiners Dr. Stein, der in Anlehnung an den Vers aus Psalm 101: „Meine Augen sind auf die Treuen auf Erden gerichtet, daß sie bei mir wohnen mögen; wer in Unschuld wandelt, darf mich bedienen", ein Bild des Wesens und Charakters dieses vortrefflichen Lehrers und Beamten, dieses herrlichen Menschen und Jahudi entwarf, der aus den Quellen unserer heiligen Lehre trinkend und andere daraus tränkend zu einem Verbreiter der Thora wurde, wie selten einer, der in strenger Pflichterfüllung aus allen Sparten seiner Wirksamkeit dem Ideale zustrebte. Ausdrücklich lehnte es der Redner ab, ein Lebensbild zu entwerfen, weil dasselbe mit der Aufrollung der Geschichte der Kultusgemeinde Haßfurt während 41 Jahren identisch gewesen wäre und dazu der Rahmen der Betrachtung und der gegebenen Zeit nicht ausreichte. Wohl aber wies er darauf hin, daß Hammelburger nicht nur in Haßfurt als Religionslehrer, Schochet und Dorbeter wirkte, sondern auch in Zeit, Ebelsbach, Wonfurth, Obereuerheim, während des Krieges auch in Schonungen, daß er lange Jahre an den Mittelschulen in Haßfurt den Religionsunterricht und den Schreibunterricht erteilte, als Leiter von Handelskursen und kaufmännischer Wissenschaft auch der weiteren Öffentlichkeit diente. Herr Siegfried Lonnerstädter, als zweiter Kultusvorstand, brachte die Gefühle des Dankes und der Verehrung und das Gelöbnis dauernden Gedenkens der Gemeinde zum Ausdruck. Mit warmen Worten dankte der Rektor der Realschule für die der früheren Lateinschule und jetzigen Realschule geleisteten Dienste. Die Gefühle des Israelitischen Bayerischen Lehrervereins brachte Herr Lehrer Hellmann (Würzburg) zum Ausdruck. Der Vorstand des Gesangvereins gelobte im Namen seiner Sangesbrüder dem Verblichenen ein ehrendes Andenken. Am Grabe in Kleinsteinach verbreitete sich der Distriktsrabbiner noch in warmen Worten über das herrliche Familienleben und legte dar, wie seiner Tränensaat in der Familie, in der Schule, in der Gemeinde eine herrliche, freudige Ernte ensprossen ist. Mit tiefer Wehmut nahmen wir von dem frischen Grabhügel Abschied, der die irdische Hülle eines seltenen Mannes birgt, der für die Ewigkeit gearbeitet hat, bei dem Gottesfurcht und Thoratreue in idealer Verbindung für die Gesamtheit glückliche Erfolge erzielt hat. Herr Moses Rosenbaum in Theilheim (Unterfranken) kann mit seiner Gattin am 26. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Wir möchten auch unserseits dem Jubelpaar aus diesem Anlaß unsere herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck bringen. Sitzung der historischen Kommission Die historische Kommission des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hielt am 18. September in Nürnberg eine Sitzung ab in Gemeinschaft mit den seitens der Schwesterverbände in Baden, Hessen und Württemberg entsandten Vertretern. Zweck der Beratung war die Erweiterung der geplanten bayerisch-jüdischen Zeitschrift zu einer „Zeitschrift für Geschichte und Leben der Juden in Süddeutschl a n d". Wie nicht anders zu erwarten war, bewiesen auch die außerbayerischen Delegierten (aus Karlsruhe Herr Prof. Stein, aus Hessen Herr Rabbiner Dr. Levy, aus Württemberg Herr Rabbiner Dr. Rieger und Herr Dr. Gunzenhäuser) rege Teilnahme für die Angelegenheit, und es wurde beschlossen — vorbehaltlich der Bewilligung der Mittel durch die Landesverbände — ehestens an die Herausgabe der Zeitschrift heranzutreten. Nach einem Referat des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal über den Inhalt der Zeitschrift und einen Bericht des Herrn Dr. Raphael Straus über die technischen Erfordernisse beteiligten sich an der Aussprache hauptsächlich die Herren Dr. Gunzenhäuser, J.-R. Hommel, Lazarus, Rabbiner Dr. Levy, OLG. Neumeyer, Rabbiner Dr. Rieger, Prof. Stein. Da eine Reihe hervorragender Gelehrter ihre Mitarbeit bereits zugesagt hat, sind der Zeitschrift wertvolle Arbeiten bereits gesichert. Das erste Heft soll unter der Schriftleitung des Herrn Dr. Raphael Straus ehestens erscheinen (im Verlag der Ewer- Buchhandlung, München). Wir werden späterhin Gelegenheit haben, auf die Bedeutung der Zeitschrift näher einzugehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.