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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1927-10-20 · 9 (20.10.1927) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1927
Issue
9 (20.10.1927)
Article
Bericht der Vereinsleitung über das Jahr 1926/27
Date
1927-10-20
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 9 holt mit den Kultusgemeinden in Verhandlungen, die dahin zielten, aktiven und abgebauten Volksschullehrern die gleichen Gehaltssätze zu gewähren, die nach der Beamtenordnung des Verbandes vom 22. Februar 1926 und der Besoldungsverordnung (vgl. Gemeindezeitung 1926, Seite 73 ff. und 1927, Seite 120/21) allen anderen Beamten zustehen. 8. Pensions- und Hinterbliebenenfür sorge. In meinen Berichten halte ich bisweilen Rückschau auf vergangene Jahrzehnte. Ein größerer Abstand der Jahre ist nützlich für die Wertung der Gegenwart. Im Jahre 1908 schrieb ich in der „Denkschrift über die soziale Lage der israelischen Lehrer in Bayern" (Seite 34): „Die übrigen Religionslehrer — mit Ausnahme der in den Gemeinden München, Nürnberg, Bamberg, Augsburg, Nördlingen und Kitzingen angestellten — sind ohne jeden Pensionsanspruch aus staatlichen oder gemeindlichen Kassen." Die durch die Inflation leider vernichtete Unterstützungskasse des Israelitischen Lehreroereins gewährte damals einschließlich eines Staatszuschusses einem verheirateten dienstunfähigen Lehrer . . . M. 400.— einer Lehrerswitwe.M 270.— einer Waise ., . M 123 — einer Doppelwaise ..M. 218,— für das Jahr. Unsere Denkschrift gipfelte in der Forderung: „Mit Rücksicht auf die soziale Stellung und die Verpflichtungen der Lehrer, verlangen wir auch für den Religionslehrer Gehalt und Pension der Volksschullehrer." Die im Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden vereinten Kräfte aller Kultusgemeinden, dazu der staatliche Versorgungsverband, in dem die Beamten versichert sind, haben den unwürdigen Zustand von 1908 beseitigt. Die Religionslehrer sind den Volksschullehrern nach Gehalt und Altersversorgung gleichgestellt. Den Altpensionisten und ihren Hinterbliebenen, die ohne Ansprüche an den Versorgungsverband sind, gewährt der Gemeindeoerband Sustentationen weit über die ärmlichen Notstandshilfen unserer Unterstützungskasse hinaus. Ich schloß die Denkschrift mit den Worten: „Es muß Mittel und Wege geben, solche unwürdige Zustände zu beseitigen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Der Wille ist vorhanden, der Weg kann und muß gefunden werden." Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden unter seiner bewährten Führung hat den Weg gefunden und ist ihn zielbewußt gegangen. 9. Fortbildungskonferenzen. Dem Gedanken der beruflichen und wiffenchaftlichen Fortbildung, wie der Aussprache über Standesfragen dienten unsere Bezirkskonferenzen in Ansbach, Kitzingen, München, Nürnberg und Würzburg und die Kreisversammlungen in der Pfalz. Fünf Rundschreiben, die vom Vorstand an die Verwaltungsmitglieder und die Leiter der Konferenzen hinausgingen, hielten die Verbindung mit den Mitgliedern aufrecht. Unsere Mitteilungen, herausgegeben vom Schriftführer Rosenfeld, haben als Beiblatt der „Bayer. Israelitischen Gemeindezeitung" auf engem Raume die Kollegen über die Arbeit der Bezirkskonferenzen unterrichtet. Mit dem Schriftleiter richte ich an die Kollegen die Bitte, an unserem Blatte fleißiger mitzuarbeiten. Besonders begrüßen wir die wissenschaftlichen Kurse, die Seminarleiter Stoll für unsere Junglehrer in Würzburg eingerichtet hat. Sie bieten gemäß ihrer Zweckbestimmung Gelegenheit zur Vertiefung und Erweiterung des in den Studienjahren erworbenen Wissens und des methodischen Könnens. 10. Mitgliederbewegung. Das verflossene Jahr hat uns manchen lieben Freund und Weggenossen durch den Tod entrissen. Nach schwerem Leiden starb in Fulda, wo er eine neue Heimat gesunden, Präparandenlehrer Gutmann (Burgpreppach). Einerder treuesten Teilnehmer an unseren Mitgliederversammlungen Wertheimer (Hardheim) konnte nur kurze Monate sich des Ruhestandes erfreuen, ehe er zur ewigen Ruhe einging. Mit Sommer (Wittelshofen) und G o l d st e i n (Oberlauringen) verloren wir zwei Freunde, die uns Jahrzehnte die Treue gehalten. Jung an Jahren starb fern seiner Wirkungsstätte Wolfram (Emershausen) in Bad Reichenhall, wo er Genesung von schwerem Siechtum erhoffte. Mannheimer (Dettelbach) verlor die treue Lebensgefährtin. Dreier Männer gedenken wir an dieser Stelle, die als Führer von Gemeinden und in ehrenamtlichen Stellungen mit Verständnis und wohlwollendem Herzen Anteil haben an dem Erfolg, den wir im Kampf um unser gutes Recht errungen: Geheimrat Held (Nürnberg), Eduard Sonder (Kitzingen) und Albert Landauer (München). Wir weihen den Toten unsere dankbare Erinnerung! In unseren Verein traten als neue Mitglieder folgende Kollegen ein: Glaser und Dr. Keßler (München), Rau (Bayreuth), Frank (Uffenheim), Lifsgens (Rothenburg), Adler (Fürth), Blum (Wilhermsdorf), Köstrich (Uhlfeld), Stein (Berolzheim), Dr. Unna (Nürnberg). Unser Verein zählt: 170 ordentliche Mitglieder, die in Bayern, 24 ordentliche Mitglieder, die außerhalb Bayerns ihren Wohnsitz haben. Von diesen 194 Mitgliedern befinden sich 33 im Ruhestand. Ferner nimmt der Verein die Interessen von 10 Gewerkschaftsmitgliedern wahr. An festlichen Ehrungen verdienter Kollegen nahm die Vorstandschaft durch persönliche oder schriftliche Glückwünsche teil. Zum 25 jährigen Jubiläum sandten wir Glückwünsche an Fränkel (Nürnberg), Bierschild (Prichsenstadt), Wechsler (Alzenau) und Wetzler (Ludwigshafen); wir feierten den 70. Geburtstag unseres Kirschner. Dem verehrten Präsidenten des Verbandes übermittelten wir unseren Glückwunsch zum 60., Herrn Dr. Deutsch, dem früheren hochverdienten Leiter der Präparandenschule Burgpreppach, zum 70. Geburtstag. Herrn Geheimrat Hezner, dem die jüdischen Lehrer als dem früheren Referenten für den jüdischen Kultus steten Dank schulden, gratulierten wir zu einer hohen Auszeichnung, dem 1. Vorsitzenden des Bayerischen Lehrervereins, Herrn Winkler zum 60. Geburtstag. Mitten in der drängenden Arbeit des Tages ist Handeln wichtiger als Berichten. Es ist recht schwer, in Ruhe die im Flusse befindlichen Ereignisse zu beurteilen, wenn der zeitliche Abstand zu ihnen so kurz bemessen ist. In einer Vereinigung von Standes- und Schicksalsgenossen können Ziele nur in gemeinsamer Arbeit erreicht werden, in einer Arbeit, die das persönliche Wünschen und Streben dann zurückstellt, wenn die Allgemeinheit es fordert. Aus diesem Grunde hat die Mitgliederversammlung im Vorjahr von einzelnen Kollegen einen Verzicht,, von allen ein Opfer im Dienste des Standes verlangt. Verzicht und Opfer waren für alle Schultern tragbar. So möge sie jeder freudig auf sich nehmen. Ich verspreche, soweit die Kraft reicht, an dem Errungenen in Treue festzuhalten und in zielbewußter Arbeit es weiterzuführen zum Wohle unserer Gemeinschaft und zum Wähle des Standes! Zur Mitgliederversammlung Anträge zur Mitgliederversammlung sind satzungsgemäß mindestens vierzehn Tage vor der Versammlung schriftlich dem Vorsitzenden einzureichen. Im Interesse einer ordnungsgemäßen Vorbereitung und der in den Satzungen vorgeschriebenen Bekanntgabe an die Mitglieder ist es wünschenswert, etwaige Anträge schon jetzt, längstens aber bis Anfangs November, eingesandt werden, damit sie in der nächsten Nummer der „Mitteilungen" veröffentlicht werden können. Einzahlungen im September 1927 Von Fränkl Dr. (Augsburg) 15; Lion (Grünstadt) 15; Oppenheimer (Laudenbach) 20; Strauß (Windsheim) 15; Krämer (Speyer) 15; Rau (Hirscheid) 15; Frank (Straubing) 15; Wähler (Hörstein) 15; Heimann (Augsburg) 15; Steinfeld (Augsburg) 15; Edelstein (Sugenheim) 15; Berlinger (Schlüchtern) 10; Kirschner (München) 15; Rosenfeld (München) 15; Rosenstein (Schopfloch) 5; Frank (Uffenheim) 15; Grünsfeld (Heidingsfeld) 7.50; Wurzmann (Schlüchtern) 7; Wähler (Neustadt a. d. S.) 30; Steinern (Landau) 20; Nußbaum (Dahn) 5; Hellmann (Würzburg) 5; Gutmann (Fürth) 15; Schwarzenberger (Bödigheim) 15; Blatt (Obbach) 28; Ottensofer (Würzburg) 15; Fulder (Treuchtlingen) 18. Nachtrag zur Neujahrswunschenlhebung Blatt (Obbach); Erlebacher (Mönchsroth); Fulder. (Treuchtlingen). Die Kollegen werden dringend ersucht, die rückständigen Beiträge für 1927 baldigst auf Konto 64 79 beim Postscheckamt Nürnberg einzuzahlen. W ü r z b u r g, 2. Oktober 1927. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.

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