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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 306

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Die Einweihung der neuerstellten Synagoge in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg
Date
1927-10-20
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 Bayerische Israelitische Gememdezeitung Nr. IO Herr Justizrat Dr. Haas, erster' Vorsitzender der Kultusgemeinde Würzburg, überbrachte die Glückwünsche der mit dem Seminar sich innig verbunden fühlenden jüdischen Gemeinde, zugleich auch namens der Vereine und Institutionen der Kultusgemeinde, betonend, daß das im Seminar neuerstellte Gotteshaus auch der jüdischen Gemeinde wertvolle Dienste leiste. Herr Oberlehrer Dingfelder (München), erster Vorsitzender des Jüdischen Lehreroereins in Bayern, richtete insbesondere an die Zöglinge und Junglehrer der Anstalt zündende Worte, die gleicherweise zum Standesbewußtsein wie Standes-Pflichtbewußtsein mahnten. Die eigentliche synagogale Feier setzte mit dem Chorgesang Ma tauwu ein. Es sei schon hier bemerkt, daß die Einübung und Leitung des gesamten kantoralen Teiles in den bewährten Händen des Herrn Oberkantors Eschwege, Anstaltslehrer für Synagogengesang, lag und in bekannter Meisterschaft zur Durchführung kam. Die stimmungsvollen Chöre wurden dirigiert von Herrn Frankfurt, Schüler der 6. Klasse. Auf den Einleitungsgesang folgte der feierliche Einzug der Thorarollen, die Hakofaus und das „Einheben" unter feierlichen Gesängen des Seminaristenchores. Herr Seminarrabiner Dr. Neubauer entzündete nach gehaltvoller Rede das Ner tomid. Er gab in tiefschürfender Weise einen historischen Überblick über die Synthese Gesetz und Gebet im Judentum, die in der Anstalt, welche gleichzeitig Religionslehrer und Vorbeter ausbildet, ihr lebendiges Beispiel findet, und richtete diesbezügliche erste Belehrungen besonders an die lauschende Schülerzahl. Psalm 150 folgte als Chorgesang. Momente ernster heiliger Rührung löste ein El mole rachamim als Seelengedächtnisfeier für die verewigten Gründer und Leiter der Anstalt, Rabbiner S. B. Bamberger s. A. und Nathan Bamberger s. A., aus. Dann bestieg der derzeitige Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanooer, die Kanzel zu seiner tiefempfundenen Weiherede. Unter Zugrundelegung des Verses Gen. 9, 27 zeigte er, wie im Synagogenraume, der Vildungsanftalt, im Judentum überhaupt, sich Schönheitssinn und wahre Religiosität paaren könne, paaren solle, Thora mit Derech Erez zu verbinden, Ausgabe der jüdischen Lehrerbildung im besonderen sei und in diesem Sinne und für die Lösung dieser Aufgabe erflehte er Gottes Segen. Dann ertönte zum Schluffe der Chorgesang Adaun olaum und das Minchagebet wurde als erster „Gottesdienst" im neuen Gotteshause verrichtet. Mögen alle guten Wünsche und Erwartungen in Erfüllung gehen zum Besten der jüdischen Lehrerbildung in Bayern, zum Segen für die jüdische Gesamtheit und damit zum Heile für die ganze Menschheit. Fürth. Am 15. Sept. ist Kantor Lübeck nach langem Leiden im 59. Lebensjahr sanft entschlafen. Die Gemeinde beklagt den Heimgang eines ausgezeichneten Beamten, Mitarbeiter und Freunde einen bewährten Amtsgenossen, seine Schüler einen geliebten und verehrten Lehrer, seine Familie den überaus geliebten Vater. Mit unserer Gemeinde war er durch seine langen Dienstjahre aufs engste verwachsen, mit ihrer Geschichte und Entwicklung aus eigener Kenntnis innig verbunden. Sein Name und sein Ansehen werden in unserer Mitte in dankbarer Erinnerung weiter leben. Isidor Lübeck wurde am 21. März 1869 in Czarnikau (Provinz Posen) geboren, besuchte die Jüdische Lehrerbildungsanstalt in Berlin und wurde nach Beendigung seiner Studien als Kantor und MQncbener W BUCHDRUCKEREI Lagernoasand B. HELLER Trflnsporl-Ges.nl. fi.B. MÜNCHEN vorm. C. Schmederer HERZOG-MAX-STRASSE 4 Friedenstr. 1 /Tel. 433 65-67 TE LEPH O N empfiehlt sich iür 93 099 MOhellransporl m ANFERTIGUNG Möüeliageranj W VON DRUCKARBEITEN ALLER ART Wotmangsfaascti fü IN ÄmtlicheWohnungstausch- Ü GESCHMACKVOLLSTER AUSFÜHRUNG Genehmigung Nr. 4 BEI RASCHESTER Kostenloser Vertreterbesuch LIEFERUNG Religionslehrer nach Liegnitz i. Schles. berufen. Im Jahre 1895 folgte er dem Rufe der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth als Nachfolger des Kantors und Religionslehrers Ebert. Durch 31 Jahre hat er in Fürth mit nie ermüdender Treue seines hohen Amtes gewaltet, bis er infolge seiner Krankheit im Frühjahr 1926 beurlaubt wurde. Die Hoffnung, daß er im Herbst des vorigen Jahres seine Arbeit wieder aufnehmen könne, hat sich leider nicht erfüllt. Am 30. September 1926 trat er in den Ruhestand. Eine längere Muße hat ihm das Schicksal nicht mehr gewährt, sein letztes Lebensjahr war mit wenig Unterbrechungen ausgefüllt durch die schweren Leiden, denen er am Abend des 15. September erlag. Kantor Lübeck hat die Doppelaufgabe, die ihm in unserer Gemeinde gestellt war, glücklich gelöst. Er war ein Schulmann von trefflichen Gaben, von gründlichem Wissen und verstand es am Gymnasium und an den Volksschulen, die ihm anvertraute Jugend erfolgreich in die Lehren unserer Religion einzuführen und ihre Herzen zu gewinnen. Mit Ernst und Würde, mit Liebe und Hingebung hat er sich in seinen unterrichtlichen Pflichten und Aufgaben gewidmet, fördernd und anregend an den Beratungen unserer Lehrerkonserenzen teilgenommen. Mit gleicher Freude und mit gleichem Erfolge hat er im Gottesdienste der Hauptsynagoge gewirkt. Er wandelte in den Bahnen seines Lehrers L e - wandowsky, dem er die künstlerische Durchbildung seiner reichen musikalischen Gaben verdankte. Durch eine harmonische Verbindung von Chor, Orgel und verständnisvollem kantoralen Vortrag wußte er unseren Gottesdienst weihevoll und wirksam zu gestalten. Die Förderung des religiösen Lebens, die wir bei der Einführung des Nürnberger Gebetbuches und des Jugendgottesdienstes in der Gemeinde anstrebten, ist eines der letzten großen Verdienste, die er sich in seiner reichgesegneten amtlichen Wirksamkeit erworben hat. Er erfreute sich in den Kreisen der Gemeinde, der Lehrerschaft und der Beamten, und weit darüber hinaus hoher Wertschätzung und Verehrung. .; , _ , Unter diesem Zeichen stand die Trauerfeier, die am Sonntag, 18. September , auf dem Neuen Israelitischen Friedhof um 11.30 Uhr stattsand. Mit der trauernden Familie vereinigte sich eine stattliche Trauergemeinde in der Gedächtnishalle. Die Gemeindeverwaltung der Kultusgemeinde Fürth, die Beamtenschaft, das Lehrerkollegium des Humanistischen Gymnasiums mit dem Direktor, mit den jüdischen Schülern und einer Abordnung der übrigen Schülerschaft waren mit zahlreichen Gemeindemitgliedern und ehemaligen Schülern erschienen, auch die Beamten der Kultusgemeinde .Nürnberg waren vollzählig erschienen. Rabbiner Dr. Behrens würdigte eingehend die Persönlichkeit des Verewigten, feine Verdienste um die Gemeinde in Schule und Gotteshaus, seine glücklichen menschlichen Gaben, die er im Kreise seines Hauses, an der Seite der Gattin als Führer und Berater seiner Tochter und seines Sohnes und seiner Schwiegertochter als Mittelpunkt seiner Freunde entfaltet hatte, er wies auf die Schlichtheit seines Wesens hin, auf die Freundschaft und Treue, die er in der beruflichen gemeinsamen Arbeit seinen Mitarbeitern und Amtsgenossen bewiesen und auf die vorbildliche Frömmigkeit, die auch in Leid ihn gestärkt hat. Für die Gemeindeverwaltung sprach J.-R. Wertheimer herzliche Dankes- und Abschiedsworte mit der Versicherung dauernden Gedenkens. Für die Beamten und für den Bayerischen Israelitischen Lehreroerein nahm in freundschaftlichen Worten Kantor G u t m a n n, sein langjähriger Fürther Amtsgenosse von ihm Abschied. Oberstudiendirektor P f i r s ch vom Humanistischen Gymnasium sprach noch einmal den Dank der Anstalt und des Lehrerkollegiums für die treuen Dienste aus, die Herr Kantor Lübeck der Schule in langjähriger Arbeit geleistet, für die Freundschaft und die Berufsfreudigkeit, die ihn aufs engste mit dem Kollegium verband. Mit dem Hinweis auf den von der Schule gewidmeten Kranz schloß er seine warmherzigen Ausführungen. Für die israelitischen Schüler sprach Joachim Dispeker Worte des Dankes und der Treue. Dann widmete Oberkantor Theodor F r a e n k e l (Nürnberg) dem langjährigen Freunde und dem trefflichen Berufsgenosien im eigenen Namen und im Namen des Allg. Deutschen Kantorenverbandes herzinnige Worte des Dankes, der Verehrung, der Innigkeit und der Anerkennung und beschloß damit wirksam die eindrucksvolle Feier. Mit der Liturgie, oorgetragen von Kantor Adler (Fürth), nahmen wir Abschied von dem unvergeßlichen Toten, Kantor I. Lübeck. Dr. Behrens.

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