Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 303

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Der Hilfsverein der deutschen Juden
Date
1927-10-20
Page
Seite 303 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727847-2732015--02462-2732107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 303 wurde der jüdischen Bevölkerung die ökonomische Grundlage ent- - zogen, die sie nun sich zu schaffen sucht in der Landwirtschaft, in der Industrie und in einigen Kleingewerben, in Berufen, die ihnen zum großen Teil bis jetzt verschlossen waren. Diese Umstellung ist für die russischen Juden eine Existenzfrage. Die Sowjetregierung unterstützt die Landansiedlung der Juden durch Überlassung von Grund und Boden. Der Agro-Joint, eine Zweigorganisation des American Joint Distribution Committee, die Jewish Colonization Assoziation und verschiedene andere Wohlfahrtsgesellschaften leihen ihre Mithilfe bei der Finanzierung und Durchführung der Kolonisation. Seit 1925 konnten bereits 12 000 Familien in der Krim, im Süden der Ukraine, in Weißrußland, im nördlichen Kaukasus, in Usbekistan und in mehreren anderen Teilen der Sowjetunion angesiedelt werden. Einige hundert jüdische Dörfer sind entstanden. Die jüdische Landansiedlung ist Gegenstand allgemeinen Interesses geworden. Auch in Deutschland wurde in vielen Kreisen der Wunsch rege, sich an der Aufbauarbeit im Osten zu beteiligen. Eine Reihe wichtiger Aufgaben ist bei dem Wiederaufbauwerk noch zu erfiillen. In den Kolonien herrscht großer Mangel an Krankenhäusern, Ambulatorien, Badehäusern, Schulhäusern, Kindergärten und Kleinkinderbewahranstalten. Die Lehrwerkstätten in den städtischen jüdischen Gewerbeschulen bedürfen dringend weiterer Ausgestaltung. In der aufbauenden Arbeit auf diesen Gebieten wird die Leistung der deutschen Wirtschaft und Technik von großer Bedeutung werden können. Der Hilfsverein richtet einen dringenden Appell an die Juden Deutschlands, die Mittel herbeischaffen zu helfen, die es ihm ermöglichen sollen, sein Programm zu verwirklichen und wieder die größte und vornehmste Hilfsorganisation der deutschen Juden zu werden. nr. w. Sründung einer Nrdeiterkolonie kür jüdische vurchmanderer Am Sonntag, dem 25. September, trat der gesamte Vorstand der Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge, der sich aus Vertretern der Landes- und Provinzialverbände zusammensetzt, auf Einladung der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1, zusammen. Die Tagung wurde namens des Gemeindevorstandes durch Herrn S. Gottlieb begrüßt, den Vorsitz führte Herr Eugen Caspary (Berlin). Der Hauptpunkt der Tagesordnung war der Diskussion über die praktische Durchführung der seinerzeit von der Generalversammlung der Hauptstelle beschlossenen Gründung einer jüdischen Arbeitsstätte für Durchwanderer aus landwirtschaftlich-gärtnerischer Basis gewidmet. Die Aussprache wurde durch ein einführendes Referat von Dr. Max Kreutzberger (Berlin) eröffnet, der noch einmal die Erfordernisse und die Notwendigkeit einer derartigen Gründung darlegte und weiterhin die vorhandenen sachlichen Gutachten erörterte. Die Vorschläge des engeren Vorstandes basierten insbesondere aus einem Gutachten, das der Berliner Güterdirektor Dyk seinerzeit erstattet hatte, und das durch Ausführungen von Pastor Braune, dem Geschäftsführer der Arbeiterkolonien der Inneren Mission, ergänzt worden war. Auf Grund dieser Gutachten war in Aussicht genommen der Ankauf eines Gutes von etwa 2000 Morgen, das Beschäftigung der Wanderer in Landwirtschaft und Gärtnerei und die Anlage einer Reihe von gewerblichen Nebenbetrieben gewährleisten würde. Die zum Ankauf notwendige Summe würde sich auf 200 000 RM. belaufen, wobei noch 100 000 RM. notwendiges Betriebskapital hinzukämen. An der Aussprache über dieses Projekt beteiligten sich alle anwesenden Vertreter des Reichsvorstandes. Dr. Straus (München), Dr. Oppenheim (Mannheim), Dr. Ollendorff (Berlin), Dr. Stein (Königsberg) sprachen sich für die Ergänzung des vorliegenden Projektes durch Anregung und Unterstützung von gewerblichen Fürsorgemaßnahmen innerhalb der Gemeinde selbst aus. Die Schwierigkeiten gewerblicher produktiver Fürsorgemaßnahmen wurden durch S. Adler-Rudel (Berlin) dargelegt, der insbesondere darauf hinwies, daß gewerbliche Gründungen der Gemeinde nie einen solchen Umfang annehmen könnten, wie ihn der Bedarf und der Notstand der Wanderfürsorge Deutschlands erforderlich machte. Er wies des weiteren auf die mannigfachen Schwierigkeiten hin, denen derartige Gründungen innerhalb der Gemeinde selbst begegnen müßten. Auf Vorschlag von Dr. Straus (München) wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: I. Der Hauptvorstand 'beauftragt den engeren Vorstand, das Projekt der Schaffung einer landwirtschaftlichen Arbeitsstätte zur produktiven Beschäftigung jüdischer Durchwanderer der Verwirklichung zuzuführen. Zu diesem Zweck soll im Zusammenwirken mit geeigneten Sachverständigen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet und der nächsten Sitzung des Hauptvorstandes zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden. Es soll ferner die Aufbringung der Mittel zur finanziellen Durchführung des Projektes im Wege der freiwilligen Beiträge von einzelnen, den Gemeinden, Landesverbänden und Wohlfahrtsorganisationen sowie durch Aufnahme von Krediten sofort in die Wege geleitet werden. Die Mitglieder des Hauptvorstandes werden in ihren Gemeinden und Verbänden sich nachdrücklichst für die Förderung des Werkes einsetzen. II. Der Hauptvorstand ersucht den engeren Vorstand, die Frage der Produktivierung der Durchwanderer in dezentralisierten Arbeitsstätten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, die Erfahrungen, die in verschiedenen Gemeinden gemacht wurden, zu sammeln und auf Grund derselben Richtlinien für die Schaffung, den Betrieb und die Finanzierung solcher Einrichtungen für örtlich oder provinzial begrenzte Gebiete auszustellen und für deren Verwirklichung durch die Zeitschrift der Hauptstelle sowie die sonstige jüdische Presse und durch aufklärende Vorträge einzutreten. Der Vorstand beschäftigte sich des weiteren mit dem Etat der Hauptstelle sowie mit einer Fülle technischer Fragen. Schließlich wurde noch eine Wanderordnung für jüdische Durchwanderer beraten, die eine einheitliche Fürsorge für alle Durchwanderer innerhalb Deutschlands garantieren soll. Jüdischer J ugendverein München Anläßlich der Delegiertentagung des Bayer. Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereäne Deutschlands spricht am Sonntag, dem 6. November 1927 Herr Rabbiner Dr. Rülf, Bamberg über das Thema: „Der Talmud als Angriffsobjekt unserer Feinde“ im Richard-Wagner-Saal des Hotels Bayrischer Hof. Beginn: 81/2Uhr abends pünktlich. Eintrittskarten zu RM. 2.— bis RM. —.50 im Vorverkauf bei Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2, und an der Abendkasse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.