Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (20.10.1927)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1927-10-20
- Page
- Seite 297 (sequence 1)
- Language
- German
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Homerische Israelitische Gememöezeitung Aachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinöe in München unö öes Verbanöes Bayerischer Israelitischer Gemeinöen Erscheint am Anfang jeüen Monats. — Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Mark 4.— für öas Herzog Marstraße4, Kernsprecher pzopp, Postscheckkonto Ar.ZpST' München. Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Pfennige. Schristleitung: Or. Eugen Schmiöt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße ö. Jamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Pfennige. 19*7 München, Lo. Oktober Kr. Io Inhalt: Die alttestamentlichen Plastiken des Bamberger Domes — Antisemitismus als Phänomen — Zwei Freunde — Der Hilfsverein der Deutschen Juden — Gründung einer Arbeiterkolonie für jüdische Durchwanderer — Aus dem Verbände — Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über den Druck der Gemeindesatzungen — Bekanntmachung über die Vorschußzahlungen auf die Besoldungsneuregelung — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ersatzwahl für Vorstand und Gemeindevertretung — Bekanntmachung über Ersatzwahl von Mitgliedern der gemeindl. Ausschüsse und Beauftragten der Gemeinde — Bekanntmachung über Fund — Personalia — Kalender. Die alttestamentlichen Plastiken des vamberger Domes Weit stärker, als im allgemeinen angenommen wird, hat die mittelalterliche, christliche Kunst Gestalten des Alten Testaments dargeftellt, die sie zu wichtigen Symbolträgern ihrer Glaubenssätze machte. Da Lesen und Schreiben eine nur wenigen bekannte Kunst war, hat man künstlerische, vor allem plastische Darstellungen benutzt, um dem Volk die religiösen Lehren näherzubringen. — Das ist einer der Gründe für die oft überreich geschmückten Kirchenportale des Mittelalters. Die großartigsten dieser Tore findet man an französischen Kathedralen, aber sie greifen auch weit nach Deutschland hinein, und selbst ein an der Oftgrenze des damaligen Reiches erbauter Dom, der zu Bamberg, bringt solche theologischen Programme in Relief- und Rundfiguren. Bamberg, dessen Künstler in der großen Blüte des 13., ftaufischen Jahrhunderts tätig sind, hüt eine Fülle altteftamentlicher Gestalten. Bevor sie aber im einzelnen genannt und erklärt werden können, müssen einige prinj&JL 'v .f ASK Abb. 1. Goldene Pforte. Seitenfigur rechts. zipielle Anmerkungen über solche biblische Darstellungen gemacht werden. Alle biblischen Geschehnisse werden in mittelalterlicher Auffassung nur unter dem Aspekt der Kirchenlehre betrachtet; d. h. das Alte Testament hat nur Sinn als Hinweis und Vorhersage des Neuen Testaments. Das Alte Testament gilt der Scholastik nicht als Geschichte, sondern nur als vorwegnehmende Allegorie dessen, was im Neuen Testament, d. h. in geschichtlicher Zeit sich ereignet. Die gesamte Kunst steht völlig im Bann des Dogmas, und deshalb muß man auch den Sinn ihrer Schöpfungen in der katholischen Lehre suchen. Fast alle altteftamentlichenFiguren und Szenen finden sich auf der Nordseite der Kirchen. Die von der Sonne abgekehrte, kalte Seite ist dem Christentum Symbol dafür, daß das Judentum ßch von seinem Messias abgewendet hat. So sehen wir nun im Inneren des Bamberger Domes auf der Nordseite der Georgenchorschranken Reliefe der zwölf kleinen Propheten (Abbildung 2), denen die zwölf Apostel auf der Süd-