Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-09-19 · 9 (19.9.1927) · p. Seite 287

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
9 (19.9.1927)
Article
Jean Richard Bloch, Simler & Co. [Rezension]
Date
1927-09-19
Page
Seite 287 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727846-2731897--02412-2731967
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 287 mir Balzacs Genie. Ohne Vorbehalt wage ich das Wort: ich kenne sonst keinen französischen Roman, dem unter den Meisterwerken der „Menschlichen Komödie" ein Platz gebührte. Er ist ihres Blutes." In der Tat, dieses Buch ist überragend. Eine elsässische Juden- und Fabrikantenfamilie wandert nach dem Kriege von 1870/71 aus ihrer bisherigen Heimat nach einer westfranzösischen Stadt aus. Mit der ihnen eigentümlichen unerhörten Zähigkeit, die einem Geschäftsethos entspringt, das eben schon Ethos ist, arbeiten und setzen sie sich in ihrer neuen Umgebung durch. Ein Held des Romans — eigentlicher Held des Romans ist die Compagnie, die Firma —, der junge Josef Simler, gerät in einen Konflikt zwischen der Liebe zu einer jungen französischen Adeligen und der Zugehörigkeit zur „Compagnie", die eine solche Verbindung unerbittlich ablehnt. Die „Compagnie" siegt in diesem Kampf. Welch eine Kraft steckt auch in dieser Compagnie. Die einzelnen werden von ihr erdrückt. Um einen Nachkommen jenes Joseph Simler, ein Kind noch, läßt der Dichter zum Schlüsse die Hoffnung spielen, daß es ihm gelingen werde, aus der „Compagnie" auszubrechen. S. Clementine Krämer, Die Rauferei. Potsdam 1927. Verlag Gustav Kiepenheuer. Eine ländliche Geschichte. Ein Knecht ersticht den Gegner in Notwehr. Vor Gericht wird er freigesprochen. In seinem Gewissen werden trotz des Freispruchs Zweifel wach, als eine Frau den Satz „du sollst nicht töten" in rücksichtsloser Konsequenz vertritt. Abermals bedroht, setzt er sich nicht mehr zur Wehr, seine Geliebte, die sich schützend vor ihn wirft, wird getötet. Hier wird der Unsinn der Gewalt überzeugend dargetan. Auch das Märtyrertum des einzelnen, der sich herrschenden Anschauungen in den Weg stellt. Befreiung bringt nur die Wandlung der öffentlichen Meinung über die Methoden der Gewalt. Dafür gilt es zu arbeiten, denn sonst bleibt nicht einmal.das übrig, womit das Buch schließt: „doch dies ist wahr, das Raufen im Ort und in der ganzen Umgebung ist seltener geworden von dieser Zeit an". Die Erzählung ist frisch geschrieben, trotz ihrer Tendenz nicht belastet, aus einer eingehenden Kenntnis von Land und Leuten (offenbar spielt die Geschichte irgendwo in Oberbayern) erwachsen, gut komponiert und von menschlicher Gesinnung erfüllt. S. Line neue Zeitschrift. „Der Junge Jude". Eine Zweimonatsschrift der zionistischen Jugend, zu deren Mitarbeitern u. a. Kurt Blumenfeld, Martin Buber, Max Mayer, Robert Weltsch, Alfred Berger, Berl Locker zählen. Der mäßige Abonnementspreis (zwei Reichsmark für ein halbes Jahr, vier Reichsmark für ein Jahr) soll es jedem ermöglichen, diese wertvolle Zeitschrift zu abonnieren. Bestellungen sind zu richten an die Redaktion „Der Junge Jude", Berlin W 15, Meinekestraße 10. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Im Juniheft der „Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", führt Max Wiener seine Besprechung der Schriften der prophetischen Literatur zu Ende. I. Bergmann bringt zu einer Reihe jüdischer Volksbräuche anregende Parallelen aus dem Volksbrauch anderer Völker und zeigt in sehr lehrreicher Weise, wie das Judentum trotz fremder Anregungen seine religiöse Eigenart zu bewahren gewußt hat. E. Bickermann untersucht den Ursprung des Vorwurfs des Ritualmordes, der zum ersten Male im Altertum in der Form auftaucht, daß die Juden in ihrem Tempel einen Griechen mästeten, um ihn dann zu töten; er weist nach, daß diese Fabel auf die Umgebung des Königs Antiochos Epiphanes zurückgeht, der den Tempel geplündert hatte und ihn dann verleumdete, um die Mißbilligung abzuschwächen, die im Altertum jeder Tempelraub nach sich zog. G. Schwarz versucht zu zeigen, daß die König David in den Mund gelegeten Ratschläge an seinen Nachfolger ihm zum Teil mit Unrecht zugeschrieben wurden, um für harte Urteile des jungen Salomo eine Rechtfertigung zu finden. Bürgermeister Anklam erzählt mit Unterstützung des Lehrers Wolf die Geschichte der jüdischen Gemeinde Aurich, V. Rosenchal führt in die Anfänge der Karlsruher Gemeindegeschichte ein. Im Augustheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", nimmt Julius Guttmann in außerordentlich lichtvollen Ausführungen zu der Frage nach der „Dogmatik" des Judentums abschließend Stellung. Er weist die „Labilität" der jüdischen Glaubenslehren im Gegensatz zu den christlichen nach und führt sie auf die Eigenart der jüdischen Religion, die nicht in dem Sinne wie die christliche als Erlösungsreligion gelten kann, zurück; im Zusammenhänge werden die eigentümlichen Schwierigkeiten erörtert, aus welche die Darstellung der jüdischen Glaubenslehren in der Gegenwart stößt, E. Bickermann prüft den Vorwurf des Eselskultes, den man im Altertum gegen das Judentum erhob. Josef Meisl schildert die etwas ergötzlichen und doch sehr ernsten Verlegenheiten, in welche die preußischen Judengemeinden dadurch kamen, daß die Herstellung von Kalendern Privileg der Akademie der Wissenschaften war, die natürlich den Bedürfnissen der Juden nicht Rechnung tragen konnte. Die Sammelbesprechung dieses Heftes, von A. Kaminka verfaßt, unterzieht wichtige Werke über die Hagiographen, insbesondere Gunkels neuen Psalmenkommentar, einer kritischen Betrachtung. Werbt durch Beitritt zu der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" in Berlin; am einfachsten durch Übersendung des Jahresbeitrages von nur 10 RM. auf deren Postscheckkonto Berlin 7030 (Paul Veit Simon). Eine neue jüdische Zeitschrift. Im Verlage der Buchdruckerei I. Dreyfuß in Gebweiler (Ober-Elsaß) wird demnächst eine Vierteljahrsschrift „Souvenir et Science*' erscheinen. Sie ist der Veröffentlichung von Originalarbeiten über die Geschichte und Volkskunde der Israeliten im Elsaß und in Lochringen gewidmet. Die redaktionelle Leitung wird Herr Dr. M. Ginsburger, Bibliothekar an der Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg übernehmen. Der Abonnenmentspreis beträgt 70 Franken pro Jahr. Anmeldungen und Zuschriften sind zu richten an: „Souvenir et Science", 3. Quai Edmond-Valentin, Straßburg. Vereine 25. Verbandstag des Kartell-Convents Der K.C. (Kartell-Convent der Verbindungen Deutscher Studenten jüdischen Glaubens) hielt in Freiburg i. B. seinen 25. ordentlichen Verbandstag ab. Aus allen Teilen d^s Reiches waren K.Cer nach Freiburg gekommen, um vor allem in ernster Arbeit Neuheiten m Herren- und Damen-Stoffen reinste deutsche und englische Fabrikate

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.