Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 8 (24.8.1927)
- Article
- Von dem Verein Studentenhaus München e. V.
- Date
- 1927-08-24
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 253 auch durch die Tatsache, daß in jedem Semester eine Anzahl israelitischer Studierender in der Fürsorge des Vereins steht. Ausdrücklich sei noch betont, daß der Verein Studentenhaus gegenüber den Studentenausschüssen („Asta") eine völlig selbständige Organisation ist, die lediglich mit der Wirtschaftshilfe für die notleidenden Studierenden sich befaßt, aber satzungsgemäß weder die Aufgabe noch die Möglichkeit hat, auf die Stellungnahme der Studentenschaft in politischer oder anderer Hinsicht irgendeinen Einfluß auszuüben. Da der Verein großen Wert darauf legen muß, daß irrige Auffassungen und Mißverständnisse über den Verein und seine Arbeit nicht unwidersprochen bleiben, wären wir besonders dankbar, wenn Sie von vorstehender Zuschrift in den Ihnen nahestehenden Organen, insbesondere in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung", durch Abdruck öffentlich Kenntnis geben wollten. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand des Vereins Studenkenhans München e. V. gez.: Dr. v. K n i l l i n g , Staatsminister a. D., Vorsitzender. Wir geben den Ausführungen des Vereins Studentenhaus in unserer Zeitung gerne Raum und freuen uns, daß hier eine irrige Auffassung, die in weiten Kreisen unserer Gemeinde vertreten war. richtiggestellt werden kann. Wir möchten demgemäß der Hoffnung Ausdruck geben, daß auch unsere Glaubensgenossen die Bestrebungen des Vereins Studentenhaus nach Kräften unterstützen. Ein Besuch im Kinderlande von Direktor Dr. Elias (Fürth) (Zum 25jährigen Bestand der Münchener Ferienkolonie in Krumbach) Umsäumt von den heimlich rauschenden Wassern der Kammel, wohlgeborgen im Schoß der altehrwürdigen Gemeinde Hürben, dehnt sich an der Peripherie des Ortes, dem Staube der Landstraße entzogen, ein großer, grüner Rasen vor mir aus, und darüber erhebt'sich ein freundliches Haus mit der Aufschrift: Ferienkolonie München. Und längst verklungene alte Bilder tauchen wieder empor aus der Vergessenheit und führen die bewegte Seele zurück ins Land meiner Kindheit. Wie zählten wir die Wochen und Tage bis zu dem Moment, wo die Kolonien abgingen, nach Wassertrüdingen oder Hürben oder Ingolstadt! Und während wir uns schon wie selbstverständlich der Freude Hingaben, war das Komitee in größter Sorge, da es nicht wußte, wie es die Gruppen legen und teilen sollte, um Platz zu bekommen. Bis vor 25 Jahren die ideale Lösung erfolgte. Da kam er, der vor kurzem in die Erde gebettet wurde, Albert Landauer, und kaufte den Platz hier und schuf den Kindern ein festes, geräumiges Heim. Eine Fülle reinster Glücklichkeit und echter Kinderfreude liegt in diesem Gebäude geborgen. Die Großen und Reichen mögen sich ihre Kurplätze noch so viel kosten lassen, nie werden sie die Freude an der Sommerfrische so natürlich erleben, nie so die Begeisterung fühlen, die wie ein elektrischer Funke durch die jungen Seelen geht, alle miteinander verbindet und den Ankömmling unwillkürlich in den Strudel kindlichen Erlebens hineinreißt. Es ist morgens. Der grüne Anger wimmelt von einem Rudel wilder Gesellen, kleiner und großer, von Buben und Mädels. Ist es nicht, als ob die Seelen aufjauchzten, weil sie der Natur zurückgegeben. weil sie nicht mehr beengt sind von dicker Stadtluft, vom Drucke bitterernster Sorge, die über Vätern und Müttern lagert, weil sie entronnen sind den unerquicklichen Familienverhältnissen, die manche von ihnen das Jahr über beschatten? Sechs Wochen lang dürfen sie Kinder sein, dürfen sie sich sonnen in der Farbenpracht, wie sie nur das Land zeigt, und die doch so unendlich wichtig ist für die geistige und seelische Entwicklung eines gefunden Kindes. Und um jede Spur von sozialer Verbitterung zu tilgen, sind soundso viele Mittelstandskinder dabei und niemand weiß, wer zahlt und wer nicht. Da geht bald eine merkwürdige Metamorphose vor sich: Die Wangen röten sich, die Backen füllen sich und die Sonne bräunt die Leiber. Wie sie Purzelbäume schlagen, Zelte bauen, Wasser treten (das Bad ist gerade davor), Wettkämpfe ausfechten im Laufen und Springen, da rächen sie sich für 11 Monate der Kopfarbeit und quetschender Enge. Und erst die Kinderfeste! Die Tanten wissen gar nicht, welche Quelle der Freude ihre Geburtstage werden können. Das sind Gelegenheiten für Spiel und Gesang, für Reigen und Aufführungen. Da schütten sie alle Anhänglichkeit, deren so ein Kind fähig ist, alle Phantasie und alle Talente, die wir unter uns bergen, aus und alles mit entzückender Naivität: Oberschwester hat einen Mückenstich bekommen. Ganz begeistert erzählt mir da so ein Dreikäsehoch: „das trifft sich ganz gut, ich hoffe, daß ihre Kopfschmerzen noch anhalten, damit sie nichts von den Vorbereitungen merkt, die für ihren Geburtstag am nächsten Sonntag getroffen werden." In der Tat wird hier Liebe gespendet und zur Liebe erzogen. Mit unendlicher Geduld und bewundernswerter Energie hält die Oberschwester und ihre treuen Gehilfinnen diese Schar zusammen, mit hausmütterlicher Gewissenhaftigkeit sorgt die Frau Verwalter für die leiblichen Bedürfnisse und Behaglichkeit, Und kommt gar der Sabbat, da senkt sich eine zweite Seele hernieder, ein Stäubchen Ambra erfüllt die Luft und ein besonderes Gewürz liegt in den Speisen. Dann kommt nach Mincha der vertraute Gast des Hauses, Herr Weißkopf, und erzählt den Lauschenden von der Sidra. Manch feiner Gedanke blitzt da auf, manch ernster Entschluß reift da zur Tat, so mancher Plan erwacht fürs Leben. Oft komme ich da vorüber, und immer bleibe ich stehen und weide mich an der natürlichen Anmut und Lieblichkeit der Gestalten. Oft aber sind sie längst vom Rasen verschwunden, während ich noch bei ihnen bin. Wer auch, der Herz und Sinn hat für Kinder, der eine Ahnung hat von der Tragik von Großstadtkindern, kann sich dem Zauber entziehen, der da gewoben wird aus Kinderträumen und Jugendglück? Möge es noch vielen Kindern zugute kommen, möge es vor allem der rührigen Protektorin, Frau Professor Werner, beschieden sein, die fernere Entwicklung der Kolonie noch lange zu verfolgen und zu leiten! Deutsche Lebens-u. Aussteuer-Versicherungs- Aktiengesellschaft in München Kindermarkt 10 Gegründet von der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft hervorgegangen a. d. Gisela-V erein,Lebens¬ und Aussteuer -Versicherungs-Anstalt a. G. Gegründet 1880 zeigt nene Wege in der Anssteuer-Versicherung Rührige Mitarbeiter allerorts gesucht