Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 8 (24.8.1927)
- Article
- Veitshöchheim
- Date
- 1927-08-24
- Page
- Seite 252 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 errichtet wurde, bereit gewesen sind, das teuerste, das sie besaßen, ihr Leben, auf dem Altäre des Vaterlandes zu opfern. Eifern wir in diesem Opfermute den Toten nach, dann handeln wir zweifellos in ihrem Sinne. Aber auch eine ernste Mahnung richtet diese Feier an uns: Wie die Dahingeschiedenen, ob reich oder arm, vornehm oder gering und ohne Unterschied des Bekenntnisses, gemeinsam gestritten und gelitten, gekämpft und geduldet haben, wie von ihnen viele beisammen in einem Grabe ruhen, gleichwie die Namen der sämtlichen gefallenen Ortsangehörigen Veitshöchheim ausnahmslos auf diesem Steine eingegraben stehen, so mögen alle Schichten der Bevölkerung geeint durch das Band der Eintracht und in friedlichem Zusammenleben zum Wohle des Vaterlandes wirken. Wir ehren die Gefallenen, wenn wir gleichsam als ein heiliges Vermächtnis es auf uns nehmen, einig zu sein und wenn wir den Worten unseres allverehrten Herrn Reichspräsidenten Geltung verschaffen: „frei von Bruderhaß und ParteizwisL' zu arbeiten am Wiederaufbau unseres heißgeliebten Vaterlandes, das mit Gottes Hilfe bald wieder einer glücklicheren Zukunft entgegengehen wird. In diesem Sinne lege ich den Kranz der israelitischen Kultusgemeinde nieder, dessen Schleife die Aufschrift trägt, den gefallenen Helden die stets dankbare Israelitische Kultusgemeinde Veitshöch- 5lus der öemeinüe Am 6. August beging Dr. James L o e b in stiller Zurückgezogenheit auf seinem Landsitz in Murnau in vollster Lebenskraft seinen 60. Geburtstag. Mit ihm feiert seine Gemeinde, die Stadt München, ja ganz Bayern und weit über Bayerns Grenzen hinaus die gesamte wissenschaftliche Welt und Unzählige, denen er in ihrer Not zur Seite gestanden ist, diesen Tag, der sein arbeits -und segensreiches Wirken zu überschauen drängt. James Loeb stand viele Jahre, ehe er sich vom Geschäftsleben zurückzog, als Mitinhaber des großen Neuyorker Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., das auch während des Weltkrieges sich als eine der wenigen amerikanischen Banken für Deutschland eingesetzt har, an der Spitze des Wirtschaftslebens und hat durch seine Initiative und seinen klaren Blick diesem Unternehmen mit zu seiner führenden Stellung verholfen. Seine Liebe aber gehörte der Kunst und Wissenschaft und vor allem seinen Mitmenschen, denen er zu helfen suchte, wo und wie er nur konnte. Als Wissenschaftler gründete er sich seinen Ruf durch die Herausgabe der Loeb classical library, einer Sammlung römischer und griechischer Klassiker im Urtext und in englischer Sprache, die er oeranlahte und zum Teil selbst besorgte. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Förderung der deutschen archäologischen Forschung. Er ist Mitbegründer der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München, deren Riesenbau seiner Vollendung entgegengeht und der mit durch seine Munifizenz ermöglicht wurde. Die Universität München dankt ihm reiche geistige und materielle Förderung. Seine wissenschaftlichen Verdienste wurden von den Universitäten Cambridge und München durch Verleihung des Ehrendoktorates anerkannt. Loeb, der sich selbst als Bildhauer von Geschmack betätigt, hat sich in seinen Sammlungen von Terrakotten und Bronzen, von antiken Gläsern und altem Goldschmuck als feinsinniger Kunstkenner erwiesen. Die von ihm selbst mit Einleitungen versehenen Kataloge dieser Sammlungen sind jedem Kenner als wertvolle kunsthistorische Arbeiten vertraut. Auch als Cellospieler zeigt er ungewöhnliche Begabung. Daneben aber hat er sich ein warmes Herz für seine Mitmenschen bewahrt. In ungewöhnlich reichem Maße hat er von den materiellen Gütern, die ihm ein freundliches Geschick beschieden hat, Notleidenden und Kranken abgegeben. Wohltätige Anstalten und Einrichtungen wurden von ihm, ohne Unterschied des Be-, kenntnisses, weitherzig bedacht; ungezählten Existenzen hat er, ohne daß sein Name genannt worden wäre, aufgeholfen. In ganz besonderem Maße aber hat er seine Fürsorge seinen Glaubensgenossen angedeihen lassen. Er, der seit 20 Jahren zunächst in München, dann in Murnau lebte, hat den verschiedensten Wohlfahrtseinrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde München reiche Spenden bis in die letzte Zeit zukommen lassen. Er hatte immer ein offenes Herz und eine offene Hand, wenn er von berufener Seite zur Linderung bestehender Not angegangen wurde und hat der Gemeinde in schwerster Zeit hilfreich zur Seite gestanden. Wenn es der Münchener Gemeinde gelungen ist, durch die Nöte der Kriegs- und Inflationszeit ohne allzustarke Gefährdung ihrer Aufgaben hindurchzukommen, so ist dies mit das Verdienst James Loebs, das ihm unvergessen bleiben wird. So haben wir bayerischen und insbesondere wir Münchener Juden allen Anlaß, dem Gelehrten, Künstler, Sozialpolitiker und Wohltäter zu seinem 60. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Möge James Loeb noch viele Jahre in ungebrochener Frische wirken zum Segen der Menschheit, zum Segen und zur Ehre seiner Glaubensgenossen. Lotterie der Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes Die Ziehung findet im Laufe des Monats September stakt. Sämtliche Inhaber von bezahltten Losen werden über den Tag der Ziehung und den Ort der Gewinnabgabe durch Postkarte persönlich benachrichtigt. Herr Justin Licht enauer (München) legt Wert auf die Feststellung, daß ihm ein Herr David Katz oder Kratz vollkommen unbekannt ist. Der Mann treibt sich schon seit Wochen hier herum und gibt bei seinen Besuchen an, daß er durch Herrn Lichtenauer empfohlen sei. Diese Angabe ist unwahr. Von dem Verein Studentenhus München E. V., Mitglied der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, Geschäftsstelle: Ludwigstraße 17, ging dem Präsidium des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden am 25. Juli das nachstehende Schreiben zu: Abschrift Studentenhaus München e. V., Mitglied der Wirtschaftsstelle der Deutschen Studentenschaft, Geschäftsstelle: Ludwigstraße 17, Universität Nordhof Präsidium des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, z. H. Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München, Herzog-Max-Straße 7/1. Die Werbung für das neue Münchener Studentenhaus, dessen Ausbau noch der Vollendung harrt, trifft in den Kreisen der israelitischen Mitbürger häufig auf eine Ablehnung, die mit einer vermeintlichen antisemitischen Einstellung des Vereins Studentenhaus und seiner Arbeit begründet wird. Der Verein Studentenhaus legt den größten Wert darauf, die in dieser Begründung zum Ausdruck kommende irrige Meinung richtigzustellen. Er kann daraus Hinweisen, daß er sowohl in seiner Organisation wie wie auch in seiner Arbeit durchaus überparteilich und überkonfessionell eingestellt ist; dies wird bewiesen sowohl durch die Tatsache, daß dem Vorstande des Vereins seit seiner Gründung ein Mitglied der israelitischen Glaubensgemeinschaft angehört, wie Illerwendet die lelegramm-Lrsatz-jformulare des Israelitischen frauen-Vereins le. 10.1 von 1830!