Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 8 (24.8.1927)
- Article
- Kinderheim des jüdischen Frauenbundes in Wyk
- Date
- 1927-08-24
- Page
- Seite 251 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Bayerische Israelitische GeüieitlöezeiLmlg 251 Kinderheim des jüdischen Frauenbundes in Wyk In dem Tätigkeitsbericht der „Jüdischen Tuberkulosefürsorge", der vor einigen Wochen an dieser Stelle abgedruckt war, wird das neue Wyker Kinderheim des Jüdischen Frauenbundes als Heim für tuberkulosekranke Kinder bezeichnet, wodurch Mißverständnisse hervorgerusen wurden. Zur Richtigstellung muß folgendes gesagt werden: die Nordsee ist für Lungentuberkulose absolut ungeeignet, schon aus diesem Grunde können Lungenkranke in Wyk überhaupt nicht ausgenommen werden. Ausgenommen werden in erster Linie nur sogenannte tuberkulosegesährdete Kinder, d. h. solche, deren schlechter Gesamtzustand eine Tuberkulosebereitschaft befürchten läßt, oder in deren näherer Umgebung sich ständig an Tuberkulose Erkrankte befinden. Ferner finden Aufnahme in Wyk sogenannte skrofulöse Kinder und gelegentlich solche, die leichtere Formen von Drüsen- und Knochentuberkulose zeigen, bei denen aber eine Ansteckungsgefahr ganz ausgeschlossen ist. I e - der irgendwie ansteckungssähige Fall wird unbedingt abegewiesen., wofür zunächst die erste ärztliche Untersuchung auf Grund der festgesetzten Aufnahmebedingungen, dann die genaue vertrauensärztliche Durchsicht der einzelnen Aufnahmeatteste und drittens schließlich noch der leitende Arzt in Wyk sorgt. —- Bei dieser Handhabung ist es deshalb ganz unbedenklich, einzelne Kinder mit Asthma oder immer wiederkehrenden Katarrhen, die für das Norseeklima besonders geeignet sind, im Heim unterzubringen. Es sei zum Schluß nochmals betont, daß ansteckungssähige Kinder im Heim nicht ausgenommen werden. Dr. Rudolf N e u m a n n , Vertrauensarzt für das Wyker Heim des Jüdischen Frauenbundes. kus dem Verbände Bad kissingen. Die Kultusgemeinde Bad Kissingen beging am 1. Schebuoth das 25jährige Bestehen ihrer Synagoge durch einen feierlichen Festgottesdienst. Das Gotteshaus, das würdig mit Blattpflanzen geschmückt war und zum ersten Male im Glanze des neueingerichteten elektrischen Lichtes erstrahlte, war von einer zahlreichen Schar hiesiger und zur Kur hier weilender Glaubensgenossen gefüllt. Eingeleitet wurde der Festgottesdienst durch Chorgesang und Vortrag eines Psalmes durch den Kantor, Herrn Lehrer Steinberger. Herr Rabbiner Dr. Bamberger hielt die Festpredigt und gebrachte in eindrucksvollen Worten der Bedeutung des Tages. Die Grüße und Wünsche des Präsidiums des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden überbrachte Herr Justizrat Dr. Haas (Würzburg). Für die Verwatung sprach Herr Stadtrat Vretzfelder, er dankte den Rednern für ihre guten Wünsche und den Beamten und der Verwaltung für ihre treuen Dienste, besonders lobend die Tätigkeit des ersten Vorstandes, des Herrn Samuel Hosmann, und das langjährige Wirken des Herrn Lehrer Steinberger hervorhebend. Der erste Bürgermeister der Stadt, Herr Dr. Pollwein, hatte ein warm gehaltenes Glückwunschschreiben übersandt. Am 25. Juni d. I. wurde die Gemeinde durch den Besuch des Präsidenten des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, des Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer, beehrt. Der Herr Präsident wohnte dem Gottesdienst in der Synagoge bei, besichtigte die hiesigen jüdischen Wohlfahrtsanstalten, das israelitische Kurhospiz und die Kinderheilstätte und äußerte sich sehr lobenswert über beide mustergülttgen Einrichtungen. Abends folgte er der Einladung des Herrn Vretzfelder zu einem zwanglosen Beisammensein im Kreise der Mitglieder der Kultusverwaltung und der Beamten der Gemeinde. Am 25. August 1927 begeht der Direktor des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", Dr. Ludwig Holländer, seinen 50. Geburtstag. Dr. Holländer ist 1877 zu Charlottenburg geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er auf Gymnasien in Wiesbaden und Berlin. Er studierte Nationalökonomie und Soziologie an der Universität in München, wo er als Schüler von Brentano 1899 zum Dr. oec. publ. promovierte. Darauf widmete er sich dem Studium der Rechte und wurde 1902 Assessor und war als Anwalt in München tätig. Bereits 1900 hatte sich Holländer in den Dienst der Bekämpfung des Antisemitismus gestellt, zunächst als Spezialdezernent des damaligen Bayrischen Landesvereins und der Israelitischen Gemeinde in München. 1908 siedelte er nach Berlin über, um sich ganz in den Dienst des Central-Vereins zu stellen. Er war Syndikus und feit Jahren Direktor des Central-Vereins. Von 1909 bis 1923 gab er die Zeitschrift „Im deutschen Reich", das Organ des Central-Vereins, heraus, die am 1. Mai 1923 in die „C.-V.- Zeitung" überging. Als im Jahre 1919 der Philo-Verlag mit dem besonderen Ziel der Schaffung einer großzügigen Literatur gegen den Judenhaß gegründet wurde, stellte der Vorstand des Central- Vereins ihn an die Spitze dieses Unternehmens. Dr. Holländer, der in der Verbindung „Licaria" München im K. C. aktiv war, ist seit der Begründung des Geschäftsführenden Ausschusses des K. C. dessen 1. Vorsitzender. Er gehört auch der Großloge für Deutschland als Mitglied des G. A. an. Sein Hauptarbeitsgebiet bilden Untersuchungen über die soziologische und psychologische Stellung der deutschen Juden zu ihrer Umwelt. Das Ergebnis seiner Studien auf diesem Gebiet hat Holländer in zahlreichen Aufsätzen und Broschüren niedergelegt. Dem Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden gehört Holländer als Mitglied der Liberalen Fraktion des Verbandstages an. Ferner ist er im Vorstand der Demokratischen Partei für den Bezirk Berlin. Die Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern fallen für diese Nummer aus. Veitshöchheim. Am Sonntag, 12. Juni, dem Tage der Kriegerdenkmalsweihe in Veitshöchheim, hielt die dortige israelitische Kultusgemeinde für ihre im Weltkriege gefallenen Angehörigen einen ergreifenden Festgottesdienst ab. Nach Beendigung desselben nahm die Gemeinde an der Feierlichkeit der Denkmalsenthüllung, zu der eine große Anzahl Vereine von nah und fern erschienen war, teil. Bei der Kranzniederlegung sprach Lehrer Berendt folgende tiefempfundenen, sehr beifällig aufgenommenen Worte: „Wenn in dieser feierlichen Stunde die Israelitische Kultusgemeinde Veitshöchheim durch mich als ihren Vertreter an diesem soeben geweihten Denkmale einen Kranz niederlegen läßt, so tut sie dies, um einer nie erlöschenden Dankespflicht zu genügen, die für sie gegenüber den gefallenen Helden besteht und stets bestehen wird. Die Blumen sind vergänglich und mögen verwelken, eines aber ist unvergänglich und das ist das treue Gedenken an die, die ihr Leben für die Heimat gaben, treu dem Schwure, den sie geleistet hatten und eingedenk des altlateinischen Spruches: Oulas et ckcorum e^t pro patria mori. Und wenn ich an dieses treue Gedenken ein Gelöbnis knüpfen darf, so wäre es das, daß wir uns der großen Vorbilder würdig zeigen wollen. Wir wollen die auf uns ruhenden Lasten tragen in dem Gedanken, daß diejenigen, denen dieses Denkmal Braut-Ausstattungen Erstlingswäsche erstklassig, preiswert Fertiggestellte Teile oon Braut-Husstaüungen können jederzeit besichtigt werden (jmiQ5J*DiENmm.22j!jGtQmmsKmüi