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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-08-24 · 8 (24.8.1927) · p. Seite 249

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
8 (24.8.1927)
Article
Tage für "Jüdische Musik" auf der internationalen Ausstellung "Musik im Leben der Völker" zu Frankfurt a. M.
Date
1927-08-24
Page
Seite 249 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 249 Sorgfalt einstudiert hatte, die mitunter gar zu forsch drauflossingenden Knaben ab und zu mehr gedampft hätte. — In Herrn Groß (Tenor) besitzt die Börsensynagoge einen Kantor im wahrsten Sinne des Wortes. Der zweite Programmteil gab den vereinigten Chören der beiden liberalen Gemeinde-Synagogen (mit Orgel und Frauenstimmen) Gelegenheit, ihre Kunst zu zeigen unter der Leitung ihrer Dirigenten Studienrat Fr. Rothschild und Arthur Holde (Organisten Siegfried Würzburger und Rud. Schucht, der auch die Orgelbegleitung des Münchener Gesangvereins übernommen hatte). Im Gegensatz zu diesem nur aus Dilettanten zusammengesetzten Chor, was sich besonders in den frischen ursprünglichen hohen Frauenstimmen angenehm bemerkbar machte, bestehen die Frankfurter Chöre in der Mehrzahl aus ausgebildeten (dafür allerdings zumeist auch bezahlten) Kräften, wodurch von vornherein dem Chorkörper eine gewisse Gesangskultur verliehen wurde, die den dargebotenen Werken von Rofsi (dessen Keduscho leider nicht in der Original-a-eappella-Fassung gebracht wurde), Naumburg, Sulzer, Barusch Scharr, Lewandowskl und Birnbaum, zugute kam. Nach dem Bortrag des Tal-Gebetes von Kirfchner war der anwesende Komponist Gegenstand besonderer Ehrung. Um die Soli machten sich die Herren Oberkantoren Naumow-Fleischmann, S. Scheuermann und Saretzki verdient. Zusammengenommen hinterließen die Darbietungen sowohl der Münchener wie der Frankfurter Chöre erfreuliche Eindrücke und erbrachten insbesondere den Beweis, daß überall, sowohl im orthodoxen wie im liberalen Lager, ernsthaft daran gearbeitet wird, den Gottesdienst durch wirklich auf künstlerischer Höhe stehende Chöre zu verschönern. Den Frankfurtern gelingt dies jedoch vor allem durch ihre durchwegs erstklassigen Kantoren. Was man hier allein an wirklich schönen Stimmen hörte, muß schon den Gottesdienst zu einem wirklichen Erlebnis machen. Allerdings scheinen die Frankfurter Gemeinden in erster Linie gepflegten Gesang von ihren Kantoren zu verlangen unter Hintansetzung ihrer Beschäftigung als Lehrer. Bei der Organisation der Konzerte durch die Ausstellungsleitung klappte nicht alles so, wie es fein sollte. So war bei dem docy wirklich schon wochenlang vorher festgesetzten Bortrag Kirschners weder ein Klavier, noch das notwendigste Demonstrationsmaterial zur Stelle, wodurch sich der Beginn des Bortrages über Gebühr verzögerte. Ferner hatte es die Leitung unterlassen, den Programmen die Gesangstexte und ihre Übersetzung beizulegen. Dies machte sich besonders unliebsam bemerkbar bei dem letzten, von Rahel Ermolnikoff (Berlin) und Oberkantor I. Alter (Hannover) bestrittenen Konzert „Das jüdische Volkslied". Die durchwegs jiddischen Texte wurden sicher nur von einem kleinen Bruchteil des Publikums verstanden. Dies zum besonderen Nachteil der Sängerin, deren an sich wohlkingender und gut gebildeter Alt für den großen Saal nicht tragsähig genug war. Sie sang mit viel Innigkeit neben hebräischen Gesängen jemenitischer ^uoen zumeist Lieder ernsten Inhalts in der Bearbeitung Milhauds und Heinrich Schalits (München), von letzterem selbst ganz ausgezeichnet begleitet. Ebenfalls als gewandter Akkompagneur erwies sich 2r. Willy Solomon (Frankfurt) bei der Begleitung von I. Alter. Dieser gottbegnadete Sänger, um den man Hannover beneiden muß, versteht seinen herrlichen Tenor nicht nur meisterhaft zu behandeln, er weiß auch die von ihm gesungenen Lieder durch dramatische Ausgestaltung Plastisch darzustellen und sie so zu stärkster Wirkung zu bringen. Auch hier nicht endenwollender, nur durch mehrere Zugaben zu beschwichtigender Beifall. — Besondere Erwähnung verdient jedoch an dieser Stelle — die Frankfurter jüdischen Gemeinden hatten durch einen Beitrag von 3000 RM. das Auftreten ihrer Chöre ermöglicht — das Frankfurter Publikum überhaupt, das sich an den drei jüdischen Musiktagen durch geradezu st ü r m i s ch e Beteiligung auszeichnete. Mit Beschämung mußte ich am ersten Konzertabend (Jüdischer Gesang-Verein München und Elman) bei dem Anblick des überfüllten 2500 Personen fassenden Saalbaues denken an das letzte. Konzert des gleichen Vereins im Odeon zu München, bei dem der Besuch im Vergleich zu Frankfurt nur kläglich zu nennen war. Die 4 Veranstaltungen der „Tage für jüdische Musik" waren von über 7000 Personen besucht. Es wäre dringend zu wünschen, daß in Zukunft das Münchner Publikum dem heimischen Verein, der die süddeutsche und insbesondere die Münchener Synagogenmusik bei einer nicht zu unterschätzenden künstlerischen Konkurrenz so erfolgreich vertreten hat, sein Interesse und zugleich eine Aufmunterung zu weiterer zielbewußter Arbeit mehr als bisher kundgibt, sei es durch aktive Mitwirkung oder zumindest durch zahlreichen Besuch der Konzertveranstaltungen, in denen jüdische Kunst durch jüdische Künstler gepflegt wird. — fürforge für jugendliche psvchopalhen Seit der Tagung der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" im vorigen Jahre in Düsseldorf macht sich der Mangel an geeigneten Einrichtungen für psychopathische. Kinder und Jugendliche immer empfindlicher geltend und immer wieder wird auf die Notwendigkeit der Schaffung solcher Einrichtungen hingewiesen. Es scheint daher im jetzigen Zeitpunkt zweckmäßig, einen ausführlicheren Bericht über die Beratungen dieser schwierigen Fragen, die schon bei der Düsseldorfer Tagung einen breiten Raum eingenommen haben, in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, damit jeder, der an der Erziehung unserer Jugend Anteil nimmt, sich an der Lösung dieser, für den Gesamtbestand des Judentums bedeutungsvollen Aufgabe beteiligen kann. In Düsseldorf führte der Heilpädagoge Lehrer Sawady in seinem Refereat über jugendliche Psychopathen etwa folgendes aus: Wir vermissen schmerzlich die Fürsorge für diese Kinder mit krankhafter Psyche, die sich in Willensschwäche in heftigen unvermitteltem Stimmungswechsel, in starken unbeherrschten Affekten äußert. Zweifellos sind die Grenzen zwischen erziehbarem Schwachsinn, Debilität, Imbezillität und Psychopathie und nicht oder schwererziehbarem Schwachsinn, höheren Graden der Imbezillität und Idiotie sehr fließend. Um so mehr aber müssen wir uns bemühen, alle Kategorien psychopathischer Kinder und Jugendlicher zu erfassen und ihnen die notwendige Fürsorge zuteil werden lassen, weil ohne rechtzeitiges Eingreifen die Gefahr der Verwahrlosung und des gesellschaftlichen Verfalles drohend ist. Sawady sagte weiterhin, daß die beste Fürsorge ein besonderes Heim für Psychopathen wäre, denn es fei unrichtig, psychopathische Kinder in Anstalten für Schwachsinnige oder in Irrenanstalten unterzubringen. Die Forderung nach Schaffung eines besonderen Heimes ist übrigens schon vor längerer Zeit auch von dem Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungs- Theatinerstraße 7 t Graf - Arco - Palais Neue Modelle Kostüme - Kleider Mäntel Pelze Vornehmste Maß-Anfertigung

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