Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (15.7.1927)
- Article
- Siedlungsaktion des Frontbundes
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 232 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Aus der Gemeinde Siedlungsattion des Fronlbundes Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten hak dieser Sondernummer, die der bedeutsamen Siedlungsfrage gewidmet ist, Zeichnungsscheine zur Verwirklichung der für den Bestand des deutschen Judentums so wichtigen Idee beigefügt. Eine Reihe von Mitgliedern unserer Gemeinde haben bereits namhafte Beträge gezeichnet. Wir fordern die Leser der Gemeindezeitung aus, der Aufforderung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten nach Kräften nachzukommen. Studienu. Arbeitsförderungs-Verein für Israeliten in Bayern E. V. Die jährliche Mitgliederversammlung fand am 20. Juni 1927 unter dem Vorsitz des Herrn Rabb. Dr. Baerwald statt. Nach dem vom Kassier, Herrn Dr. Ernst Wilmersdoerffer, erstatteten Kassenbericht schließen die Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1926 mit je rund 3400 RM. und einem Vortrag von 330 RM. für das Jahr 1927 ab. über diesen Kassenvartrag und einem Teil der Einnahmen des Jahres 1927 war bei Jahresschluß bereits durch Gewährung von Stipendien, welche anfangs 1927 zur Auszahlung gelangten, verfügt. Es gelangten im Jahre 1926 insgesamt 2625 RM. Stipendien in Höhe von 50 bis 100 RM. an Studierende sämtlicher bayerischer Hochschulen und 510 RM. Ermunterungspeise zu je 30 RM. an Handwerkslehrlingen zur Verteilung. Die mit Stipendien bedachten Studierenden gehören fast durchwegs bayerischen Familien des Mittelstandes an, deren Notlage vielfach eine solche ist, daß die Stipendien nur eine sehr kärgliche Hilfe bedeuten. Es wurde allseits dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß die Unzulänglichkeit der Vereinsmittel nicht die Verteilung größerer Stipendien gestatte und daß mitunter auch begründete Stipendiengesuche infolge dieses Umstandes nicht berücksichtigt werden konnten. Die Frage der Aufbringung weiterer Mittel, die den Gegenstand ernster Sorge der Vorstandschaft des Vereins bildet, wurde ausführlich besprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Verein wieder wie in Friedenszeiten Gönner finde, die seine ideellen Bestrebungen tatkräftig unterstützen. Radierungen von Professor Hermann Struck Der Kunstsalon I. Littauer, Odeonsplatz 2, teilt uns mit, daß er durch Vermittlung eines auswärtigen Geschäftsfreundes eine Anzahl Radierungen jüdischer Typen von der Hand des Berliner Professors Hermann Struck für kurze Zeit erhalten hat, die er zu günstigen Preisen abzugeben in der Lage ist. Die Firma Littauer weist dabei darauf hin, daß es sich um hervorragend schöne, völlig vergriffene Blätter handelt. Die antisemitischen Ausschreitungen vor dem Romanischen Cafe vor Gericht. Berlin, 29. Juni. (ITA.) Vor dem Schöffengericht Charlottenburg begann heute ein Prozeß gegen 19 junge Leute der aufgelösten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wegen Landfriedensbruchs und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Drei Angeklagte befinden sich noch in Haft. Am 12. Mai, kurz nach der Auflösung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, strömten 400 bis 500 Mitglieder der aufgelösten Partei im Zentrum des Berliner Westens zusammen. Dabei kam es, besonders zwischen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Romanischen Cafe zu schweren Mißhandlungen jüdisch aussehender Passanten, unter ihnen auch Frauen. Die sich den Exzedenten entgegenstellenden Polizeibeamten wurden ebenfalls angegriffen. 19 der jugendlichen Exzedenten konnten sistiert werden und stehen heute vor Gericht. Sie leugnen jede Schuld. Ihre Angaben werden jedoch durch Zeugenaussagen widerlegt. So hat der Angeklagte Buech eine jüdische Dame in der schwersten Weise insultiert und dabei gebrüllt: „Alle Juden müssen totgeschlagen werden." Der Angeklagte Schellenberg bedrohte die Polizeibeamten und ermunterte seine Gesinnungsgenossen mit dem Ruf, daß jetzt Blut fließen müsse. Das Urteil wird in später Abendstunde gesprochen werden. Die Landesregierungen gegen die Friedhofsschändungen Berlin, 29. Juni. (ITA.) Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist — wie schon mitgeteilt —durch seine Hauptgeschäftsstelle in Berlin und durch seine Landesverbände an die zuständigen Ministerien der deutschen Länder mit einer Eingabe herangetreten, in der die Aufmerksamkeit der Behörden auf die ständig sich wiederholenden Friedhofsschändungen hingelenkt und verstärkte amtliche Beachtung für diese Vorkommnisse erbeten wurde, die das deutsche Ansehen aufs höchste schädigen und die Moral vor allem der Heranwachsenden Jugend untergraben. Es sind bisher Antworten vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, Badischen Ministerium des Kultus und Unterrichts, Oldenburgifchen Ministerium des Innern, Preußischen Ministerium des Innern, Waldeck'schen Ministerium und Mecklenburg-Schwerin'schen Justizministerium, eingegangen. Das Bayerische Ministerium hat folgende Verfügung an die ihm unterstellten Behörden erlassen: Nr. 2019 da 6 Staatsministerium des Innern an die Regierungen KdJ. betreffend: Beschädigungen von Grabdenkmälern auf Friedhöfen, München, 23. Juni 1927. Wiederholt wurden in den letzten Jahren auf israelitischen Friedhöfen Grabdenkmäler umgestürzt, beschädigt oder beschmutzt, wobei es nur in wenigen Fällen gelungen ist, die Täter zu ermitteln. Die Polizeibehörden werden angewiesen, solche rohen Straftaten stets mit Nachdruck zu verfolgen und die mit der Ermittlung der Täter in solchen Fällen betrauten Organe zu möglichst eingehender Erforschung des Tatbestandes anzuhalten, damit durch eine entsprechende Sühne solcher Taten künftigen Vergehen in dieser Hinsicht möglichst vorgebeugt wird. gezeichnet: Stützet. Die Antwort des Preußischen Ministeriums des Innern hat folgenden Wortlaut: Der Preußische Minister des Innern, Berlin NW 7,14.Juni 1927. Die Eingabe vom 30. Mai 1927 habe ich zum Anlaß genommen, die Nachgeordneten Behörden auf die bedauerlichen Ausschreitungen und ihre nachdrückliche Bekämpfung hinzuweisen. Im Aufttage gezeichnet: Dr. Klausner. In C.-V.-Kreisen glaubt man, es fei nicht ganz unberechtigt, das Aufhören der periodisch wiederkehrenden Friedhofsschändungen in der letzten Zeit mit der verstärkten Wachsamkeit der zuständigen Polizei-Instanzen in Zusammenhang zu bringen. „Die Technische Hochschule München- Unter diesem Titel erscheint das „Nachrichtenblatt der Studentenschaft und des Kreisamtes VII (Bayern)" im Asta-Verlag der Technischen Hochschule München. Asta ist bekanntlich eine Abkürzung für „Allgemeiner Studentenausschuß", und man könnte daraus den Schluß ziehen, ein solcher Ausschuß hätte die allgemeinen Interessen der Studierenden wahrzunehmen. Dem ist aber nicht so. Die Herausgeber dieses vierzehntägig erscheinenden Nachrichtenblattes scheinen die Auf- Seidenhaus J.Haimann A.-G., München GrUndungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründungsjahr 1845 SPEZIALHAUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND - LYON — PARIS