Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (15.7.1927)
- Article
- Dr. Adolf Eckstein
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 231 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 231 Am 10. Juni feierte Rabbiner Dr. Mols Eckstein seinen 70. Geburtstag. Nahezu vierzig Jahre als Vezirksrabbiner von Bamberg tätig, hat Dr. Eckstein es verstanden, den religiösen Sinn in seiner Gemeinde zu erhalten und zu mehren und ihr die Stelle zuzuweisen, die ihr nach ihrer Größe und Bedeutung innerhalb des bayerischen Judentums zukommt. Über die Grenzen seines Amtsbezirkes hinaus hat er sich einen Ruf durch feine historischen Arbeiten geschaffen, und namentlich das bayerische Judentum dankt ihm manche wertvolle Arbeit aus seiner Vergangenheit. Vor allem bekannt geworden sind die Arbeiten über die Juden im Fürstbistüm Bamberg und die Arbeit über seinen Schwiegervater M. Joel. Er hat im Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden wertvolle Arbeit geleistet und ist jederzeit für die Einheit und Zusammenfassung des bayerischen Judentums eingetreten. Seit etwas über Jahresfrist hat er sich von seinem Amte zurückgezogen, aber nimmermüde arbeitet er an seinem wissenschaftlichen Werke fort und spendet Belehrung in Wort und Schrift. Wir senden dem allverehrten Manne, der auf ein Leben ernstester Pflichterfüllung zurückblicken darf, zu seinem Ehrentage die herzlichsten Wünsche. Möge ihm noch ein langer, froher Lebensabend im Kreise der Seinen beschieden sein! Verband der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz Bericht über die 10. ordentliche Mitgliederversammlung am 22. Mai 1927 in Landau Die diesjährige Mitgliederversammlung war von den Vertretern fast aller Mitgliedsgemeinden — einschließlich der im pfälzisch-bayerischen Teil des Saargebiets — und den psälz. Mitgliedern der Tagung besucht. Die stattliche Versammlung ist ein Beweis dafür, wie der Verbandsgedanke in den Gemeinden Wurzel gefaßt hat und wie gerne die Vorstände aller Gemeinden über die Tätigkeit der Verbände — des bayerischen und des pfälzischen — unterrichtet werden und von den Versammlungen Anregung und Rat für ihre Arbeit in den Gemeinden mit nach Hause nehmen. Dasselbe konnte man aus der regen Teilnahme aller Anwesenden an den Beratungen ersehen. 1. Aus dem Jahresbericht des Präsidenten, Herrn Kommerzienrat Joseph (Landau) war zu ersehen, welch gerüttelt Maß von Arbeit die Verbandsleitung leisten mußte. Wenn der pfälzische Gemeindeverband auch ein Bezirksverband des bayerischen ist und das Verbandsrecht des letzteren auch für ihn volle Geltung hat, so hat er seine finanzielle Selbständigkeit. Außerdem sind durch die Gesetze des bayerischen Verbandes der Leitung des pfälzischen Verbandes viele Aufgaben zugewiesen, die in den rechtsrheinischen Landesteilen dem Präsidium des Verbandes obliegen. 24 Sitzungen der Verbandsleitung, zum Teil im weiteren — meistens im dreigliedrigen engeren Ausschuß, waren im Laufe des Jahres notwendig. Außer der Tagung in Fürth, die von den 2 pfälzischen Ratsmitgliedern und von 9 (von 11) Tagungsmitgliedern besucht war, und den Ratssitzungen waren einige Besprechungen mit der Leitung des bayerischen Verbandes — hauptsächlich zum Zwecke der „Finanzausgleiches" — nötig. Dazu kamen Vorsprachen im Staatsminifterium für Unterricht und Kultus, bei der pfälzischen Kreisregierung, Sitzungen im Kreisfürsorgeausschuß und nicht zuletzt die reiche Korrespondenz und verschiedene Aussprachen mit den Mitgliedsgemeinden und deren Beamten. Die Reichs- und Landessteuern der pfälzischen Juden betrugen im Jahre 1926 rund 1,1 Mill. RM. Die dreiprozentige Landeskirchenumlage daraus ergab abzüglich der fünfprozentigen Hebgebühr der Finanzämter und Einnehn.ereien 30 817.25 RM., der auf die Pfalz treffende Teil des Staatszuschusses betrug 10 000 RM. Mit verschiedenen anderen Einnahmetiteln: Saldo aus 1925, Zuschüsse zu Wohlfahrtszwecken, für Religionsunterricht, den der vom Verband angestellte Wanderlehrer erteilt, Zinsen usw. betrugen die Gesamteinnahmen 49 212.36 RM. Außer der dreiprozentigen Landeskirchenumlage haben die Glaubensgenossen noch die sehr hohen Ortsumlagen aufzubringen, die in den Städten mit Einrechnung der Gebühren bis 25 Prozent und in den Kleingemeinden bis 80 Prozent in Einzelfällen gar 100 Prozent der Reichs- und Landessteuern betragen. Der Berichterstatter betonte deshalb die Notwendigkeit einer Erhöhung des Staatszuschusses und sprach die Hoffnung aus, daß diese Erhöhung bei der nächsten Etatsberatung vom Landtag beschlossen werden möge. Über die Ausgaben wurde folgendes berichtet: Fast 60 Prozent der Einnahmen, nämlich 28 416.25 RM. wurden für Zuschüsse an Rabbinatsbezirke und Gemeinden für Beamtenbesoldung, ferner zur Versorgung der nicht im Versorgungsverband pensionsberechtigten ehemaligen Beamten und deren Hinterbliebenen gebraucht. Die gesamte Verwaltung des Verbandes kostete nur 1390.80 RM. Für Ausschußsitzungen und Mitgliederversammlungen in der Pfalz, Ratssitzungen und Tagung des bayerischen Verbandes wurden 1235 RM., fiir Stipendien 1200 RM. ausgegeben. Die Ausgaben der beiden Verbände (bayer. und psälz.), die von beiden gemeinsam getragen werden, betrugen 97 050.91 RM. Davon hat die Pfalz ein Zehntel — 9705.09 RM. zu leisten. Da der pfälzische Verband für diese gemeinsamen Zwecke (Verwaltung, Zusammentritt der Organe und Stipendien) selbst 3825.80 RM. ausgegeben hatte, waren an den bayerischen Verband 5879.29 RM. abzuführen. Der Rest der Einnahmen (etwa 11000 RM.) wurde für notleidende Gemeinden, alte Friedhöfe, Wohlfahrtszwecke und für eine ganz kleine Rücklage gebruucht. 2. Der stellvertretende Präsident, Herr Amtsrichter Rofenberg (Frankenthal), berichtete über die Tagung des bayerischen Verbandes in Fürth; besonders über die beschlossenen Änderungen der Verfassung (§ 27 „Finanzausgleich" zwischen bayerischem und pfälzischem Verband: bei Bemessung des Ausgleichsbetrages für die Aufwendungen für gemeinsame Ausgaben soll nicht nur die Bevölkerungszahl, sondern auch die Steuerkraft berücksichtigt werden), der Beamten-, Besoldungs- und Schiedsgerichtsordnung; über den Stand der Schächtfrage und über die Mustersatzungen der Gemeinden. Da über all diese Punkte im Protokoll über die Tagung in Fürth berichtet wurde, sei auf die Nummern 4, 5 und 6 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" hingewiesen. Herr Reallehrer a. D. Strauß (Bad Dürkheim) erstattete den Bericht der Rechnungsrevisoren. Unter besonderer Anerkennung und Dank an die Verbandsleitung für die übersichtliche Jahresrechnung, aus der deutlich das segensreiche Wirken des Gemeindeverbandes für die pfälzische Judenheit hervorgehe, beantragte er Genehmigung der Jahresrechnung und Entlastung der Verbandsleitung. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. 4. Der Voranschlag für 1927 im Betrag von 52184 RM. und die vorgeschlagene Landeskirchenumlage von 3 Prozent der Reichs¬ und Landessteuern wurden genehmigt. Die Ausgaben setzen sich in ähnlicher Weise zusammen wie 1926 (siehe Ziffer 1 dieses Berichtes). Bei Besprechung des Voranschlages wandte sich Herr Hauptlehrer Krämer (Speyer) unter Anerkennung der hohen Leistungen des Verbandes für Besoldung der Beamten mit der dringenden Bitte an die Vertreter der Gemeinden, im besonderen der Kleingemeinden, auch den gemeindlichen Teil des Beamtengehaltes den Verbandsgesetzen entsprechend zu bemessen und nicht unter Beziehung auf die Verbandsleistung den aus der Gemeindekasse kommenden Gehaltsteil zu kürzen. 5. Nach Besprechung der finanziellen und Verwaltungsfragen kamen bei Punkt 5 der Tagesordnung „Wünsche und Anträge" religiöse und ideale Fragen zur Behandlung: Hilfsoorbeter an hohen Feiertagen, Wanderarmenfürsorge, Erhaltung und Betreuung alter Friedhöfe. Mit eindringlichen, von Herzen kommenden Worten beklagte Herr Synagogenwart Simon (Bad Dürkheim) den Mangel an Religiosität bei der jetzigen Generation und richtete einen warmen Appell besonders an die Frauen und Mütter, das Heranwachsende Geschlecht religiöser, jüdischer zu erziehen. Unter großem Beifall der ganzen Versammlung stattete ein Gemeindevorstand dem Präsidenten des Verbandes, Herrn Kommerzienrat Joseph Landau), den Dank aller Gemeindevertreter und Tagungsmitglieder für die große Arbeit, die er dem Verbände leistet, ab, den Herrn Kommerzienrat Joseph an seine Mitarbeiter im engeren Ausschuß, Herrn Amtsrichter Dr. Rosenberg und Herrn Reallehrer a. D. Strauß, weitergab. Krämer.