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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1927-07-15 · 7 (15.7.1927) · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1927
Issue
7 (15.7.1927)
Article
Ausbau unserer sozialen Einrichtungen
Date
1927-07-15
Page
Seite 16 (sequence 1)
Language
German
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16 Mitteilungen des Israelitischen LchrervereinS für Bayern Nr. 7 Ausbau unserer sozialen Einrichtungen Einer längeren Zuschrift, die, ausgehend von der Notlage weiter jüdischer Beamtenkreise, sich mit den Mängeln unseres derzeitigen Hilfskasienwesens befaßt, entnehmen wir folgende Ausführungen: „Wäre es vielleicht nicht angebracht, die Achawa gemeinsam mit dem Verbände der Jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich, dem ja unser Verein nunmehr angehört, zu einer allgemeinen Hilfspensionskasse auszubauen? Welchen Hundertsatz unsere Pension im Falle der Dienstunfähigkeit, bzw. das Witwen- und Waifengeld auch betragen mögen — sie werden nie so groß sein, daß eine Zusatzrente nicht gut täte. Diese aber wäre umgekehrt wie die Pension zu berechnen, d. h. je früher die Außerdienstsetzung durch Krankheit oder Tod erfolgt, desto höher mühte der Hundertsatz der Zusatzrente sein. In jedem Falle aber müßte derselben eine B e - r e ch n u n g zugrunde gelegt werden, sie dürfte nicht dem freien Ermessen, das sich lediglich auf Bittgesuche stützt, überlassen bleiben. — Hat aber unser Verein nicht auch noch andere Aufgaben auf dem Gebiete der Hilfstätigkeit? Wäre es nicht an der Zeit, in Gemeinschaft mit den übrigen jüdischen Beamtenorganisationen und unter Mithilfe der Gemeindeverbände ein Erholungsheim für jüdische Beamte zu gründen? Wäre es nicht höchste Zeit, an die Schaffung von Beihilfen zur Ausbildung der Kinder (wieder in Gemeinschaft mit den übrigen Organisationen bzw. den Verbänden) zu denken? Ist es nicht eine Notlage, wenn ein jüdischer Beamter seinen Kindern nicht eine ordnungsgemäße Ausbildung gewähren kann, weil er an einem Orte wohnt, an dem keine Bildungsmöglichkeiten bestehen und er die Kosten für die Unterbringung in der Stadt nicht erschwingen kann? Wie steht es bei uns mit der Versorgung in Krankheitsfällen? Wie mit einer Sterbehilfe?" Wir geben diese Anregungen zunächst ohne weitere Bemerkungen wieder in der Erwartung, daß sich eine lebhafte Aussprache daran knüpfen wird. Aus den Bezirksvereinen kihingen, den 16. Juni 1927. Die Tagungen der 5., 6. und 7. Bezittskonferenz des Rabbinatsbezirks Kitzingen, fanden am 27. März, am 1. und 26. Mai 1927, in WürMrg statt. Tagesordnung für die Konferenzen: 1. Gemoroh, 4. Perek aus dem Traktat Rosch-Haschonoh. (Vortragender: Dr. Wohlgemuth.) 2. Referate: Die religionsgesetzlichen Besümmungen von Pesach, Schowus, Chanuka und Rosch-Haschonoh im Lichte des Midrasch. Referenten: Einstädter (Kitzingen), Sonn (Großlangheim), Bravmann (Königshosen), Bamberger (Kitzingen). Ei. Personalien Lehrer I. Lautmann in Nürnberg, früher Volksschullehrer in Altenstadt a. d. Iller, seit 1900 Leiter der L. u. B. Schwarzschen Altersversorgungsanstalt in Nürnberg, ist am 1. Juni in den Ruhestand getreten. Er verbringt seinen Ruhestand im Jüdischen Altersheim der Pfalz in Neustadt a. d. Hardt. Lehrer und Kantor Rau in Bayreuth verließ nach zweijähriger Dienstzeit seine dortige Stelle, um einem an ihn gelangten Ruf nach Weißenfels a. d. S. zu folgen. Nach langem und schwerem Leiden starb am 11. Juni in Reichenhall, wohin er sich zum Kurgebrauch begeben hatte, Lehrer Hirsch Wolfram von Ermershausen im 46. Lebensjahre. Bei der Beerdigung, die in München stattfand und zu der sich neben zahlreichen Gemeindemitgliedern sämtliche Kollegen von hier eingefunden hatten, schilderte Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu das entsagungsreiche und opferoolle Leben des Mischen Lehrers, dessen ganz auf das Ideelle gerichtete Streben oft genug nicht die Würdigung findet, die es verdient. Herr Oberlehrer Dingfelder sprach im Namen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des Israelitischen Lehrervereins den Hinterbliebenen das herzlichste Beileid aus. Er gab dabei die Versicherung ab, daß beide Organisationen bemüht sein werden, das Los der schwergeprüften Witwe nach Möglichkeit zu erleichtern. Kollege Wolfrom hatte ein wechselvolles und schicksalschweres Leben hinter sich. Nachdem er im Jahre 1900 das Jüdische Lehrerseminar in Köln absolviert hatte, wirkte er in verschiedenen norddeutschen Gemeinden, und zwar in Gemen, Labes, Könitz und Stallupönen. Bei dem Einfall der Russen im Jahre 1914 mußte er, seine ganze Habe zurücklassend, flüchten und kam dann nach Kleinsteinach in Unterfranken. Nach zweieinhalbjährigem Kriegsdienst kehrte er im Jahre 1919 wieder nach Stallupönen zurück, nahm im Jahre 1922 neuerdings die Stelle in Kleinsteinach an und wirkte schließlich bis zu seinem Tode in Ermershausen. Wir werden dem in so jungen Jahren abberufenen Kollegen ein treues Andenken bewahren. Tagung des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reich Das vorläufige Programm der vom 26. bis 28. Dezember l. I. stattfindenden Tagung sieht folgende Punkte vor: Am 26. vormittags 9 Uhr Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrer- Vereins für Bayern, um 11 Uhr preußische Delegiertenversammlung, abends Begrühungsabend, am 27. und 28. Hauptversammlungen. Die Themen der Hauptversammlungen sind dem jüdischen Schulwesen in Deutschland und der Jugendbewegung gewidmet. Religionslehrerprüfung Zum ersten Male fand am Verbandssitze eine Prüfung für Religionslehrer gemäß der Verordnung des Rats zu § 3, Ziffer 4, Abs. 2 der Veamtenordnung des Verbandes statt. An der Prüfung haben 2 Kandidaten teilgenommen, die beide bestanden haben. Bücherschan Die ersten Bände des Heine-Bundes. Bd. 1. S. Poljakoff. „Sabbatai Zewi". Roman, aus dem Russischen von Z. Holm. 300 Seiten. — Bd. 2. Gestalten und Momente aus der Mischen Geschichte, herausgegeben von Prof. Jsmar Elbogen, 320 Seiten, mit mehreren Bildtafeln. — Beide Bände aus holzfreiem Papier und in Ganzleinen gebunden. — Mitgliedsbeitrag für die vier Jahres- (Pflicht-)Bände bei jährlicher Vorauszahlung 14 RM. (Ausland 15.40 RM.), bei vierteljährl. Zahlung 3.75 RM. (Ausland 4.10). Adresse: Der Heinebund, Eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 9, Linkstrahe 39. Eine jüdische Buchgemeinde, die den bisher bereits bestehenden Gemeinschaften (Volksverband der Bücherfreunde, Deutsche Buchgemeinde usw.) werbend zur Seite tritt. Ihre beiden ersten Bände sind erschienen und bedeuten, das sei vorweggenommen, eine Tat. Poljakosfs Roman behandelt einen der interessantesten, aber auch zugleich erschütterndsten Abschnitte der jüdischen Geschichte. „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt", schwankt auch Sabbatai Zewis Charakterbild in der Geschichte. War er nur ein Betrüger? Oder glaubte er selbst an seine Mission? Wer möchte es heute, im Zeitalter des nüchternen Denkens, entscheiden? Daß eine gewaltige Begeisterung ihn erfüllte, daß diese suggestiv auf Tausende seiner Zeitgenossen ausstrahlte und die unter der Oberfläche glimmende Messiasschwärmerei zu lodernder Flamme anfachte, steht historisch fest. Und da nach Goethes Wort „ein volles, ganz von einer Empfindung volles Herz" den Dichter ausmacht, können wir es verstehen, daß zu allen Zeiten gerade Sabbatai Zewis wechselvolles Schicksal die gleichfühlenden Dichter zur Gestaltung reizte/ Ich erinnere nur an Jakob Wassermanns wunderbare Darstellung der „Juden von Zirndorf". Poljakoff hat das tragische Schicksal seines Helden uns menschlich näher gebracht, uns aus dem Einfluß seiner Freunde Primo, Pinheiro, Nathan, aber auch der schwärmerischhingebungsvollen Sarah, prächtiger Charakterbilder seiner Zeit, zu erklären versucht. Das zeitgenössische Leben der Juden in Amsterdam, in Deutschland, Smyrna, der Glanz am Sultanshofe, die Ränke seines Leibarztes, meisterhaft, knapp und doch anschaulich gezeichnet, geben den Geschehnissen einen wirkungsvollen Hintergrund. Zeichnet Poljakoff ein Momentbild, erregend, mitreißend zugleich, so führt uns Elbogen durch „drei Jahrtausende jüdischer Geschichte, dreißig Jahrhunderte von bizarrster Verschiedenheit, doch verknüpft durch ein einheitliches Band, den geschichtlichen Willen". Und da ziehen sie an unserem geistigen Auge vorüber, jene großen Gestalten und Ereignisse sturmbewegter Vergangenheit: vom Volkshelden David, Bar-Kochba, den Märtyrern von Mainz, aber auch von den idyllischen Tagen der Glücke! von Hameln, von der Rede des Abbe Lamourette in der französischen Nationalversammlung bis zu den Gedenkworten Nordaus an Theodor Herzls Bahre läßt Elbogen in meisterhafter Auswahl bedeutende Männer (wie Dillmann, Greogorovius, Luzzatto u. a.) und Urkunden selber zu uns sprechen. Ein Rück- und Ausblick aus des Herausgebers Feder krönt das wertvolle Werk. Äußere Ausstattung, guter Druck und holzfreies Papier erhöhen den Genuß der Lektüre, erfreuen zugleich auch das Herz des Bibliophilen. Die Bände des „Heinebundes" bilden eine wertvolle Bereicherung einer jeden, vor allem aber der jüdischen Lehrerbibliothek. Wir wünschen der jungen Buchgemeinde viele Mitglieder, ihren Büchern zahlreiche Leser. Dr. S. K. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.

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