Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (15.7.1927)
- Article
- Zum Geleit
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 213 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgemeinöe in München unö öes VerbanöeS Hagerischer Israelitischer Gemeinüen Vagerische Israelitische Gemeinöezeitung erscheint am Anfang jeöen Monats. — Verlag: S. Heller/ München/ Bezugspreis für nicht eingewrcsene Lezieher: Mark 4 — für öaS Herzog Marstraße 4/Kernsprecher-zo-5/Postscheckkonto Nr. München. Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene mm-Zeile 40 Pfennige, vchristleitung: Sr. Eugen Schmiöt/Rechtsanwalt in München/Narlstraste 0. Kamilienanzeigen/ Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Pfennige. 19&7 München, if. Juli Kr. 7 Inhalt: Sonderheft Siedlung — Zum Geleit — Genossenschaftliche Siedlung — Jüdische Siedlung in der Heimat —i Die jüdische Siedlung in Deutschland, ein Gebot der Stunde —> Jüdische Landerziehungsheime — Zurück zum Lande — Aus dem Verbände — Das Bezirksrabbinat Burgpreppach — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinden Augsburg, Fischach, Jchenhausen, Jllereichen-Altenstadt, Ingolstadt, Kempten, Krumbach, Memmingen und Dettingen — Bekanntmachung über die Unterbringung von Kindern im Jüdischen Landheim Wolsratshausen — Vereine — Personalia SONDERHEFT: Siedlung Zum Geleit von Dr. Alfred Neumeyer Diese Nummer unserer Zeitung ist der Siedlung der Juden auf dem Lande gewidmet. Es ist das Verdienst des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, daß wir auf dem rechten Wege find. In weite Kreise ist der Gedanke gedrungen, daß die Gesundung der deutschen Volksgemeinschaft im ganzen, wie des jüdischen Bevölkerungsteiles im besonderen nur durch das Verbundensein mit der Scholle und die diesem Verbundensein entsprechende geistige Einstellung geschehen kann. Der mütterliche Boden gibt unS die Richtung auf den gesunden, schaffenStüchtigen Körper, den einfachen und lebensfrohen Sinn, eine nicht komplizierte und doch starke, Werte schaffende geistige Haltung, das seine Kraft und seine Grenzen erkennende Bewußtsein unseres Selbst, den Willen zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung der Geschlechter und die schöpferische Mitarbeit an dem Wiederaufbau der menschlichen Kultur. Die Gefahr ist groß. Der Altersaufbau unserer Gemeinden und Bezirke zeigt den absterbenden Zug^. Von seiner Begründung an hat der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden auf die Notwendigkeit der Besiedlung auf dem Lande hingewiesen. Er wird Schutz und Hilfe allen Bestrebungen angedeihen lasten, die den Sinn der Juden für die Verknüpfung mit dem Lande wecken und in die Tat umsetzen. Möge unserer Gemeinschaft ihr uraltes Besitztum, das Leben und Wirken auf der Scholle, wieder lebendig werden und verstärktes Lebensgefühl ihre Kreise durchdringen, daß sie weiter befähigt sei, zu ihrem Teil mitzuarbeiten an der Wahrung und Förderung der geistigen und sittlichen Güter der Menschheit zum Preise des Höchsten, zur Ehre des jüdischen Namens und zum Wohle des deutschen Vaterlands! 1 Vgl. den Altersaufbau des Rabbinatsbez. Burgpreppach, S. 228. Genossenschaftliche Siedlung Von Prof. Dr. Franz Oppenheimer (Frankfurt) Der jüdische Frontkämpferbund ist in eine große Bewegung zum Zwecke der Ansiedlung von Juden als Landwirte und Gärtner in Deutschland eingetreten. Er dient damit gleichzeitig den wichtigsten deutschen wie jüdischen Interessen. Seit einem vollen Menfchenalter ist mein ganzes Bemühen darauf gerichtet, die Überzeugung zu verbreiten, daß die Siedlung nicht nur eine, sondern geradezu d i e Aufgabe unserer Zeit ist. Überall in Europa, mit einziger Ausnahme Deutschlands, ist dieser Gedanke bereits zur Tat geworden. Rußland hat seinen ungeheuren Großgrundbesitz in einem einzigen Akt gewaltsamer Umwälzung vernichtet; in Rumänien hat die herrschende Klasse in großartiger politischer Klugheit das gleiche geleistet, in der Erkenntnis, daß sie ihr in breitester Front an Sowjetrußland grenzendes Land nicht anders vor dem Bolschewismus retten könne als durch diese tief ins Fleisch schneidende Reform. In Südslawien, in der Tschechoflowakei hat man wenigstens einen Teil des Weges bereits zurückgelegt; Anhänger meiner wissenschaftlichen Arbeit waren nicht an letzter Stelle daran beteiligt. So ist das ganze flawische Osteuropa auf dem Wege zur Heilung; und nicht minder regen sich in dem einzigen Großbesitzlande Westeuropas, in Großbritannien, starke und aussichtsreiche Bewegungen (Lloyd George ist ihr Führer), um diesen letzten gewaltigen Rest des Feudalsystems abzubauen und damit zum ersten Male in aller Weltgeschichte die freie Verkehrswirtschaft herzuftellen. In Deutschland aber findet sich kaum der Anfang der theoretischen Erkenntnis von der Notwendigkeit der Reform. Nur langsam brechen sich meine Gedanken in der Fachwissenschaft ihre Bahn, und es