Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (22.6.1927)
- Article
- Vereinslotterie der Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes
- Date
- 1927-06-22
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727836-2727843-2731451--02131-2731552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
206 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 doch steht dem nichts im Wege, daß man sie etwa an Stelle von Blumen oder ähnlichem als kleine Aufmerksamkeit verschenkt. Die Ziehung findet Anfang Juli statt. Eine Notiz darüber, sowie über die Ausgabe der Geschenke usw. wird in der Julinummer dieser Zeitung erscheinen. Alle ehemaligen Pensionärinnen von Frau Julie Bermann (Heidelberg) werden gebeten, anläßlich der Feier ihres 80. Geburtstages, der demnächst stattsindet, ihre Adresse an Frau Rosa Obermayer, geb. Mayer, München, Adelgundenstraße 34/11 zu übermitteln. vückerschau Deutsche Rassenangsk Eine Biologie des deutschen Antisemitismus von Dr. Michael Müller-Claudius. Verlag C. A. Schwetschke und Sohn, Berlin. 3.50 M., geb. 5 M. Unter den vielen, sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzenden Büchern, wohl eines der bedeutenderen. Von einem Nichtjuden geschrieben. Der Verfasser betont es ausdrücklich: „es besteht keine Möglichkeit, daß irgendwie in der Soldaten- und Beamtenfamilie, aus der ich stamme, eine Spur jüdischen Blutes enthalten ist." Er brauchte dies nicht zu betonen. Sätze, wie: „die fränkischen Recken und Ahnherrn würden die Antwort wissen. Mit lachenden Augen würden sie ihre trotzigen Köpfe schütteln, daß ihre blonden Haare wie im Sturme wehten" zeigen es. Für den Verfasser ist der Begriff der Rasse etwas Wichtiges und Bedeutendes. Er kommt also von einem anderen Standpunkt, als der ist, von dem aus gewöhnlich Schriften gegen den Antisemitismus geschrieben werden. Indes, die Schrift ist ein nützlicher und wertvoller Beitrag für das Problem, was man nur von wenigen Schriften dieser Art behaupten kann. Ihre Stärke liegt auch in einer großzügigen und grundsätzlichen Art, die Dinge anzugreifen. Der Verfasser geht von biologischen und biopsychischen Gedankengängen aus und beleuchtet unter diesen Gesichtspunkten die Bedeutung des Symbols als einer zweckmäßigen Vorstellung zur Organisation der Arbeitsenergie und des Gegensymbols (Teufel, Satan), als einer die Kraft entbindenden Entlastung. Einer solchen Entlastung dient auch die antisemitische Ideologie, die sich entwickelt hat „um dadurch entlastetes Aufatmen zu gewinnen". Interessant und sehr lesenswert ist die Darstellung des Buches über die Entstehung des deutschen Antisemitismus, die als religiösen Ursprunges erklärt wird. Zur Zeit der Kreuzzüge erklärt Gottfried von Bouillon, er müsse das Blut Christi am Blute der Juden rächen und er wolle deshalb keinen von ihnen übrig lassen. — Der Übergang von diesem religiösen zum nationalen Gegensymbol ist nur mehr ein kleiner Schritt. Treffend bezeichnet der Verfasser die antisemitische Einstellung als ein Produkt der Rassenangst, als „eine pathologische Deklassierung des Selbstbewußtseins, daß deutsche Männer sich als wehrlose Stiefkinder im eigenen Lande fühlen". Es komme darauf an, das Fremde zu sehen, von ihm zu lernen, statt es zu fürchten. Dies sei ein Zeichen der Gesundheit. Die eigenen Fehler auf ein Symbol abzuladen, sei verhängnisvoll, denn dies mache blind. Ein Kapitel über die Tragödie zwischen „Rasse und Kind" zeigt die Nöte des jüdischen Kindes in der Schule. Der „Morgen", hat es mit Recht wegen seines menschlichen Mitgefühls und guten psychologischen Verständnisses, wenngleich es nicht alles trifft, in seinem letzten Heft abgedruckt. Wir sehen in diesem Werke einen der ernstesten Versuche, sich mit dem Antisemitismus auseinanderzusetzen und einen nützlichen Beitrag zur Lösung des Problems. S. Der Morgen Die Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Herausgeber Prof. Dr. Julius Goldstein-Darmstadt) hält sich dem Tagespolitischen fern, obgleich sie allem Entscheidenden und Wertvollen der Zeit Ausdruck zu geben bemüht ist. Dieses Mal aber bringt die soeben erschienene Nummer 2 des Jahrgangs einen kräftigen Weckruf gegen die Schande unserer Tage: Die Schändung jüdischer Gräber. Wilhelm Michel, der bekannte Hölderlinforscher, spricht im Namen des Deutschtums und der Menschlichkeit gegen eine Niederträchtigkeit, die die Ehre des deutschen Namens befleckt. Seinen Auffatz „Kampf gegen Gräber" wird man nicht ohne innere Bewegung lesen können. Der zweite Aufsatz von Dr. Max Wiener behandelt die Frage der Unsterblicheit. Die Forderungen des religiösen Bewußtseins und die positive Haltung des Judentums zu der Frage der Unsterblichkeit kommen zu eindrucksvoller Darstellung. Carl Gebhardt, der Spinozaforscher und Herausgeber der Gesamtwerte Spinozas, behandelt das Thema „Spinozas Bann." Dr. B. Jacob (Dortmund) fährt in seiner Einführung in das 1. Buch Mose fort. Er behandelt dieses Mal die Akeda, die Geschichte der Bindung Jsaacs. Wie immer versteht es Jacob dem biblischen Bericht neue Seiten abzugewinnen. Pros. Julius Goldstein beschließt in seinem Aufsatz „Vom demokratischen zum völkischen Bürgertum" seine Artikelreihe. Völkischer Antisemitismus. Er schildert die Gesinnungswandlung des deutschen Bürgertums. In wenigen Seiten faßt er die politische und geistige Entwicklung eines Jahrhunderts zusammen, Einblicke gewährend in Zusammenhänge, die in dieser Schärfe und Klarheit bisher noch nicht erkannt worden sind. Das Problem der Sintflut in Sage und Dichtung behandelt Prof. Basnitzky. Im Anschluß an das Buch des Hamburger Senators Stubmann: Albert Ballin, stellt Dr. Carlebach die Gestalt des großen Hamburger Reeders vor uns hin und erörtert die Frage, aus welchen Kräften das Lebenswerk dieses Mannes sich aufgebaut hat. In den beiden aufschlußreichen Aufsätzen von Dr. Kurt Zielenziger: Der Einfluß der Juden aus die kalte Sozialisierung und Ernst Landsberg: Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen führt „Der Morgen" die Aufgabe weiter, die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden festzustellen. In dem zweiten Teil des Heftes bespricht der Zentrumsabgeordnete Adam Roeder Emil Ludwigs Bismarck-Buch; Prof. Goldstein macht mit der Bekenntnisschrift eines zum Judentum übergetretenen Katholiken bekannt und bespricht die Lebenserinnerungen Samuel Gompers, des Schöpfers der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Dr. Stahl gibt seine Eindrücke über das englische Judentum wieder. Ein jüdische Enzyklopädie Nach achtjähriger vorbereitender Arbeit gelangt jetzt im Jüdischen Verlag, Berlin, die erste Jüdische Enzyklopädie in deutscher Sprache zur Ausgabe. Sie besteht aus vier starken Bänden in Lexikonformat und wird von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner (Berlin) bei Mitarbeit von mehr als 230 der hervorragendsten jüdischen Gelehrten und Schriftsteller in den meisten Ländern der Welt und unter der Fachredaktion von Prof. Dr. Jsmar Elbogen, Dr. Josef Meist, Dr. Aron Sandler, Dr. Max Soloweitschik, Dr. Felix A. Teilhaber, Dr. Robert Weltsch, Rabbiner Dr. Max Wiener, herausgegeben. Das Werk umfaßt in etwa 15 000 Stichworten und Verweisungen das Gesamtgebiet der jüdischen Geschichte, Religion, Literatur und Wissenschaft, die Biographien aller bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwart, die Darstellung aller aktuellen jüdischen Fragen usw., so daß es ein umfassendes und dabei streng objektives Nachschlagewerk des Wissens vom Judentum geworden ist. Die Enzyklopädie, von der gleichzeitig auch eine Ausgabe in monatlichen Lieferungen erscheint, bringt auf ihren etwa 3000 Seiten weit mehr als 2000 Illustrationen, Noten und Tabellen, außerdem viele Kunstbeilagen. Aus der Zahl der allen Richtungen angehörenden 230 Mitarbeiter seien folgende erwähnt, die aktuelle Stichworte bearbeitet haben: Der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Weizmann, schrieb über die Entstehung der Balfourdeklaration, der unlängst verstorbene Führer, des deutschen Judentums, Dr. Paul Nathan, über die politischen Parteien Deutschlands und ihr Verhältnis zur Judenfrage; der Präsident der Zionistischen Exekutive N. Sokolow schrieb über jüdische Politik; der Direktor des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer, über diesen; der geistige Führer des deutschen jüdischen Liberalismus, Rabbiner Dr. Caesar Seligmann, behandelt Fragen des liberalen Judentums; der Leiter der orthodoxen Weltorganisation „Agudas Jisronl", Jakob Rosenheim, stellt deren Ideologie dar. über jüdische Geschichtsschreibung schreibt Prof. Simon Dubnow; über die Siedlungsgenossenschaft Prof. Franz Oppenheimer; über den Antisemitismus Arnold Zweig und Rabbiner Dr. Felix Goldmann; über die deutschen Judengesetze Dr. Jsmar Freund; über den Völkerbund und die Juden Leo Motzkin. Den Anteil der Juden an der Weltwirtschaft jüdischer Wirtschaftsführer schildern