Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (22.6.1927)
- Article
- Ingenheim (Rheinpfalz)
- Date
- 1927-06-22
- Page
- Seite 205 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 205 Ingenheim (Rheinpfalz). Vom Männergesangverein. Auf der am Sonntag, dem 22. Mai, in Neustadt a. d. Haardt abgehaltenen Tagung der Pfälzer Sängerbünde wurde bei der Ehrung unser Ehrenvorstand Mandel mit der goldenen Sängernadel des Pfälzischen Sängerbundes nebst Ehrenbries vom Deutschen Sängerbund für sein fünfzigjähriges Sängerjubiläum ausgezeichnet. Herr Mandel wirkt schon 44 Jahre als Kantor hier, weshalb ich Ihnen diesen Artikel einsende. Wieder eine Friedhofschändung , In der Nacht von Dienstag, den 24. auf Mittwoch, den 25. Mai wurde in Rülzheim (Pfalz) eine Friedhofschädung und sonstiger grabschändender Unfug verübt. Fünf Denkmäler wurden beschädigt. Die Täter sind noch unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Landau hat eine Belohnung von 300 Mark auf die Ermittlung der Täter ausgesetzt. Der bayerische Schochtim-Verband ersucht um Angabe von Bezugsquellen für Blasbälge. Antworten wollen an Herrn Gustav Neustädter in Bad Kissingen gerichtet werden. plus der Gemeinde Jacob frönhel Am 25. Mai d. I. ist Jacob Fränkel im Alter von 72 Jahren uns durch einen sanften Tod entrissen worden. Er war in Forchheim (Obersranken) geboren, einer angesehenen Familie entsprossen, in der Jugend schon mit reichem allgemeinem und jüdischem Wissen vertraut geworden. Seine frühen Mannesjahre verlebte er in Fürth, über drei Jahrzehnte seines Lebens dann in München, wo er sich die Lebensgefährtin geholt hatte, eine Tochter des Bankiers Elias Landauer, dessen Andenken noch in weiten Kreisen unserer Gemeinde lebendig ist. Jacob Fränkel hat viel Leid erfahren in seinem Leben. Die Gattin ist vor ihm ins Grab gesunken, der einzige Sohn nach schwerem Siechtum der Mutter gefolgt. Körperliche Beschwerden haben lange schon ihn gequält und seine Lebenskraft geschwächt. Aber dies war das Bewundernswerte an Jacob Fränkel: Trotz Kummer und Krankheit blieb sein Geist frisch und sein Herz empfänglich für die Mitwelt. Die Fragen des öffentlichen Lebens beschäftigten seinen lebhaften Sinn. Vor allem fühlte er sich innerlich beteiligt an allen jüdischen Angelegenheiten. So hat er, der religiös streng konservative Mann, in der Religionsgemeinschaft Ohel Jacob als Vorstandsmitglied und Kassier viele Jahre eine fruchtbare Wirksamkeit entfaltet. Er hat aber auch der Gesamtgemeinde seine Dienste bereitwilligst zur Verfügung gestellt und bis in die jüngste Zeit hinein die Revision der Gemeinderechnungen alljährlich mit großer Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit vorgenommen. — Als vor sechs Jahren erstmals die Wahlen zur Tagung des Landesverbandes stattfanden, wurde Jacob Fränkel von seinen Gesinnungsgenossen als Kandidat aufgestellt. Er hat sich dann nach seiner Wahl als Abgeordneter mit großem Eifer an den Arbeiten der Tagung beteiligt und auch dem Landesverband bei den Revisionsarbeiten seine Kraft gewidmet. Überall wurden die Leistungen des tüchtigen und bescheidenen Mannes aufs höchste geschätzt. Aber auch der weiteren jüdischen Öffentlichkeit hat Jacob Fränkel seine Dienste geweiht. Zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Artikel in verschiedenen jüdischen Zeitungen sind seiner Feder zu verdanken — die meisten ohne Nennung des Verfassers — und haben Belehrung und Anregung in weite Kreise getragen. Auch unsere Gemeindezeitung durfte sich seiner Mitarbeit erfreuen. — So hinterläßt der Mann, dem keine Kinder nachtrauern, eine große Gemeinde trauernder Freunde und Gesinnungsgenossen, die ihm ein treues ehrenvolles Andenken bewahren werden. N. St. Der jüdische Bauer auf deutscher Scholle Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, der bekanntlich den Siedelungsgedanken in besonders aktiver Weise propagiert und zu verwirklichen bemüht ist, hatte einen Kreis von Interessenten zu einer Aussprache über obiges Thema eingeladen, die am 9. Juni 1927 im Cherubinsaale stattfand. Hauptreferent des Abends war Universitätsprosesior Dr. Franz Oppenheimer (Frankfurt), der kurz vor Beginn des Vortrags im Flugzeug aus Hannover eingetroffen war. Oppenheimer wies auf die außerordentliche Bedeutung des Siedelungsgedankens hin, auf die Gefährlichkeit des Großgrundbesitzes und die hierdurch bewirkte erhöhte Auswanderungsziffer. Die Siedlung fei die Ausgabe, eine deutsche und jüdische Aufgabe zugleich. Das Judentum sterbe in den großen Städten aus; nur dadurch daß wieder ein Teil der Juden auf das Land gehe, könne der drohenden Auflösung gesteuert werden. Er spreche sich nicht für eine vollkommene Berussumschichtung aus, wohl aber für die Ansiedelung in einem gewissen Ausmaße. Sehr interessant sprach der Redner über die von ihm gemachten praktischen Versuche, die bereits zu einem respektablen Ergebnisse gediehen sind. Es handelt sich hier um eine gemeinnützige Siedelungs- G. m. b. H., die ein größeres Domänengut erworben hat. Die Eigenart der Oppenheimerschen, vor allem auch in seinem Werke „Siedelungsgenossenschaft" vertretenen Ideen besteht darin, daß nicht von allem Anfang ein solches Gut in kleine Parellen zerschlagen wird, sondern daß zunächst der Betrieb in der bisherigen Weise fortgeführt wird, wobei man technische Verbesserungen aller Art anstrebt. Erst nach einer Reihe von Jahren werden Arbeiter, die sich bewährt haben, als selbständige Bauern und Gärtner eingesetzt. In der Diskussion anerkannte Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer den Wert des Siedlungsgedankens und stellte weitestgehende Unterstützung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, nach Erledigung der Vorarbeiten, für die bekanntlich bereits einige Tausend RM. aus der letzten Tagung bewilligt worden sind, in Aussicht. Domänendirektor Dyk sprach über seine praktischen Erfahrungen in fesselnder Weise. Vereinslotterie der Ortsgruppe München des Jüdischen Frauen- , bundes Den meisten jüdischen Frauen in München sind unsere sozialen und kulturellen Einrichtungen bekannt. Um dafür neue Mittel zu gewinnen, veranstalten wir eine Vereinslotterie, zu der die namhaftesten Münchener-Firmen eine Menge wertvoller und praktischer Geschenke sowie Gutscheine gespendet haben. In diesen Tagen werden unseren Mitgliedern die Briefe, die je 10 Lose zu 1 M. enthalten zugehen. Unter diesen 10 Losen befindet sich garantiert ein Gewinn. Wir bitten um freundliche Annahme der Lose und machen besonders auf die darauf verzeichneten Hauptgewinne, denen sich in den letzten Tagen noch sehr schöne Gegenstände zugesellt haben, sowie auf den beigelegten Brief aufmerksam. Wenn man bedenkt, welche Summen jährlich regelmäßig und fortlaufend für andere Lotterielose ausgegeben werden, so erscheint dies einmalige Opfer wirklich nicht groß, zumal man bei zehn Losen jedenfalls einen Gewinn erhält. Da es sich um eine Vereinslotterie handelt, dürfen die Lose nicht weiter verkauft werden, jejüdisches kammerorchester/München Wir veranstalten am Mittwoch, dem 29. Juni (Peter und Paul), in einem größeren Saale (Näheres wird noch bekanntgegeben) eine öffentliche Probe um weitere Kreise für uns zu interessieren Programm: Prätorius: Fackeltanz Händel: Concerto grosso, G-Dur Mozart: Menuett Mozart: Nachtmusik Eintritt frei Schubert: Symphonie Nr. 5, B-Dur