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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-06-22 · 6 (22.6.1927) · p. Seite 180

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
6 (22.6.1927)
Article
Deutsch-jüdische Verbindungen
Date
1927-06-22
Page
Seite 180 (sequence 2)
Language
German
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180 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Mitgliedern —, scharf korporativ und wasfenftudentisch aufgebaut — die Veda ohne Farben und Bestimmungsmensur, aber ,auch auf dem Boden der unbedingten Satisfaktion. Bei aller Bedeutung gerade der beiden letztgenannten Korporationen besteht für sie doch keine Möglichkeit, entscheidend über Würzburger Verhältnisse hinaus Bedeutung zu gewinnen. Sie beide haben es stets abgelehnt, sich mit anderen gleichgerichteten Verbindungen in mehr oder weniger loser Form zusammenzuschlie- .ßen, wohl in der Meinung, daß der Starke am mächtigsten allein sei. So richtig dieser Standpunkt in mancher Hinsicht sein mag, in hochschulpolitischer Hinsicht ist er es nicht. Dies haben vor etwa genau dreißig Jahren bereits sechs Korporationen erkannt, die sich damals in Breslau zum Kartell-Convent deutscher Studenten jüdischen Glaubens (K. C.) zusammengeschlossen haben. Der Verband umfaßt jetzt 17 Verbindungen an allen bedeutenden deutschen Hochschulen. Vom ersten Tage des Bestehens an haben der Verband sowie die einzelnen Korporationen einen schweren Kampf durchzufechten gehabt. Wenn -er Spruch „Viel Feind, viel Ehr" richtig ist, so kann sich der K. C. über einen Mangel an Ehre nicht beklagen. Es ist selbstverständlich, daß ihm, der in seinem Tendenzparagraphen, neben der Voraussetzung der deutsch-vaterländischen Gesinnung seiner Mitglieder, den Kampf gegen Len Antisemtiismus in der deutschen Studentschast und die Erziehung der Mitglieder zu selbstbewußten Juden sich als Aufgabe fetzt, die Gegnerschaft aller anderen studentischen Verbände von vornherein gewiß'war. Mag auch heute es nicht mehr ganz ungewohnt klingen, daß vor dreiunddreißig Jahren bei der Gründung der „Sprevia" in Berlin die burschenschaftlichen Blätter schrieben, Laß die Verbindung die Herrschaft des Alljudentums an der Spree aufrichten wollte, ist ein deutliches Zeichen dafür. Aber nicht nur von antisemitischer oder nichtjüdscher Seite wurde dem K.C. mit Mißtrauen oder offener Feindschaft entgegengetreten: jüdische-Kreise gaben antisemitischen manchesmal nichts nach. Daß der K. C. sich Satisfaktion zu holen suchte, wo er nur konnte, Satisfaktion nicht auf leichte Schläger, sondern gerade und mit Vorliebe auf schwere Säbel, daß er Band und Mütze trug — das hat man ihm schwer verübelt und bis heute noch nicht verzeihen wollen. Ist e§ denn wahr, daß der K. C.er damit einen Feudalismus wenigstens äußerlich Herstellen wollte, der ihn vor den anderen Sterblichen, deren Brust kein buntes Band schmückte, hervorhob? Ist es denn richtig, daß er focht, um im Schmucke seiner Schmisse durch die staunende Menschheit einherwandeln zu können? Ganz gewiß nicht. Er hat vielmehr nur nach dem alten, viel erprobten Grundsätze gehandelt, dem Gegner mit dessen Waffen und auf dessen Gebiet entgegenzutreten. Daß er dies mit vollem Erfolge getan hat, geht auch aus den berüchtigten Waidhofener Beschlüssen und dem ähnlichen Verhalten des deutschen WaffenftudententumS seit dem Kriege hervor, welches Juden gegenüber die Satisfaktion mit -er Waffe verweigert. Wenn dies so ist, so wird geftagt, warum hält der K. C. denn noch heute an den für ihn doch unbrauchbar gewordenen äußeren studentischen Formen fest? Warum legt er die bunte Mütze nicht ab? Warum stellt er den Säbel nicht in die Ecke? Der Frager möge nur etwas Nachdenken: die Antwort wird ihm nicht schwer fallen. Er wird sich sagen, daß dann der Wunsch der antisemitischen Studentenverbände erfüllt .sei: Man ist endlich wieder unter sich, nachdem man den Juden herausgedrängt hat- — den feigen Juden, der nach vierzigjähriger Gegenwehr nun endlich doch zu Kreuze gekrochen ist, der gekniffen hat. Der K. C. will seinen Gegnern diesen billigen Triunrph nicht lassen. Er wird die Formen, die die Mehrheit der deutschen Korporationen innehat, als deutsche Korporation weiter pflegen, nicht als Selbstzweck wie jene, wohl aber als Mittel zum Zweck. Es kann nicht seine Aufgabe sein, die Entwicklung des deutschen KorporationSstudententums führend zu beeinflussen. Er wird sich dieser Entwicklung gewiß nicht entziehen. Er wird gewiß nicht eine Woche länger Band und Mütze tragen als jene. Er wird die blanke Waffe im gleichen Augenblick beiseite stellen wie die anderen. Er lenkt auch heute schon sein Augenmerk auf die Zeiten, die da kommen werden, in denen Couleur und Schläger nur noch im Liede fortbeftehen werden. Wie das ganze deutsche Volk, wie die ganze deutsche Studentenschaft insbesondere, pflegt er den Sportgedanken in seinen Verbindungen, und es mag ein Zeichen für seinen fortschrittlichen Geist sein, daß er als erster der Verbände, die den Sport nicht als Hauptzweck treiben, die Einrichtung eines alljährlich wiederkehrenden Verbandssportfestes vorgenommen hat. Die Aufgaben, die die studentische Selbstverwaltung mit sich gebracht hat, hat der K. C. recht früh erkannt. Es ist kein Zufall, daß, soweit jüdische Delegierte auf den allgemeinen deutschen Studenjentagen waren, sie sämtlich dem K. C. angehörten, und es ist ein Erfolg, wenn auf dem letzten deutschen Studententage zum erstenmal ein jüdischer Vertreter nicht von jeder tatsächlichen Arbeit ferngehalten, sondern in wichtige Ausschüsse gewählt worden ist. So darf füglich behauptet werden, daß der K. C. heute die einzige große Organisation ist, die auf den Hochschulen bewußt ihre Mitglieder deutsch und jüdisch erzieht. Man mag dies bedauern, man mag der Ansicht sein, daß umfassendere Vereinigungen geschaffen werden sollten, in denen alle, die auf dem Bodden der Synthese von Deutschtum und Judentum stehen, zusammengefaßt sein können. Der K. C. ist gewiß nicht ein Hin- .derungSgrund für eine solche Zusammenfassung; im Gegenteil. Er hat es gezeigt, als er geschlossen in die studentischen Ortsgruppen des Centralvereins eintrat, er zeigt es noch heute, wenn er bei Hochschulwahlen sich bemüht, alle, auch die nicht korporativ eingestellten Studenten zusammenzufaffen, soweit ihnen Deutschtum und Judentum gleich wertvoll sind. Solange aber keine allumfassende Organisation besteht, wird der K. C. seinen Kampf allein kämpfen müssen. Diese Zeilen sollen nicht eine Propaganda für den K. C. darftellen. Sie sollen lediglich — neben einem Versuch, einige über diesen Verband herrschende Mißverständnisse auszuklären — das Interesse der Allgemeinheit und vor allem der Jugend wachrufen; sie sollen daran denken lassen, daß der deuffch-jüdische Student eine eigenartige Stellung auf unseren Hochschulen inne hat, deren er sich nur zum Teil bewußt zu sein scheint; sie sollen nicht zuletzt alle die aufmerken lassen, die, sei es als Akademiker, sei es als Leute des praktischen Lebens, im Berufe stehen. Der deutsch-jüdische Student kann ihres Interesses nicht entraten, wenn er seinen Aufgaben gerecht werden will. Vom veruke des jüdischen Studenten (Das Kartell Jüdischer Verbindungen) Von cand. iur. Ludwig Mayer Als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Wogen des Antisemitismus immer höher gingen und der Prozeß der Emanzipation eine stark rückläufige Tendenz zeigte, da dämmerte in den Köpfen von einzelnen Juden die Erkenntnis auf,

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