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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-06-22 · 6 (22.6.1927) · p. Seite 173

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
6 (22.6.1927)
Article
Inhalt
Date
1927-06-22
Page
Seite 173 (sequence 1)
Language
German
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Rachrichtenblatt üer Israelitischen KultuSgemeinüe in München unü ües Verbanües Bayerischer Israelitischer Gemeinüen Oagensche IsraeÜtische Gemeinöezeitung Erscheint am Ansang jeöen Monats. — Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht elngewicsene Bezieher: Mark 4.— für öaS Herzog Marstraße4/Kernsprecher 5)op-,Postscheckkonto Rr.zpS/ München. Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4gespaltene mm* Heile 40 Pfennige, vchristleitung: Sr. Lugen Bchmiöt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße 6. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Pfennige. IpLT' München, LL. Juni ülr.6 Inhalt: Sonderheft Jüdische Jugend — „Jüdische Jugend" — Demsch-jüdische Jugend — Die zionistische Jugendbewegung — Thora-Jugendbewegung — Deutsch-jüdische Verbindungen — Vom Berufe des jüdischen Studenten — Weg und Ziel — Ruth - Eine Betrachtung zum Wochenfeste — Der Reichsverband —- Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes — Gefährdetenfürsorge — Tuberkulosenfürsorge — Hauptversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus — Aus dem Verbände — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung des Verbandes Bayerischer Jsraelinscher Gemeinden, betreffend Ersatzwahl — Personalia. SONDERHEFTS jüdische fugend Die Jugendbewegung bestimmt in charakteristischer Weise daö Gesicht unseres Zeitalters. So wie sie ist, war sie, trotz Rabbi Akkiba, noch nie da. Dies kann behauptet werden, selbst auf die Gefahr hin, durch ungenügendes Quellenstudium einige wichtige Anmerkungen lateinischer oder griechischer und anderer Schriftsteller, übersehen zu haben. In ihrer besonderen Eigenart, als Selbstbesinnung und Selbstbestimmung, kann sie in keiner anderen Epoche zuvor in dieser Weise hervorgetreten sein, sie ist ein Kind unserer Zeit. Sie reiht sich den großen demokratischen Tendenzen unserer Zeit ein. Ein Gemeinsames verbindet sie mit der Frauenbewegung und -emanzipation und mit dem Abbau vormals hochgeschätzter Traditionen Das Kind steht der Welt mit einer starken Unsicherheit gegenüber. Aus dem schützenden Mutterschoße entlasten, weiß es sich nicht zurechtzufinden, bedarf der Wartschaft in jeder Beziehung, bedarf vor allem der Beratung und jahrelanger Erziehung und Bildung. Der Erfahrung der Erwachsenen hat es nichts entgegenzusetzen. Was der Erwachsene tut, denkt, rät, ist sicher und ausprobiert, ist „praktisch", was die Jugend tut oder denkt, ist problematisch und „unpraktisch". Nichts wird daher der Jugend dringender ans Herz gelegt, als sich bewährter Leitung und Erfahrung zu fügen, das was als gut und richtig anerkannt ist, hinzunehmen, mit einem Worte zu „folgen", und in der Tat, was ist einfacher, was scheint selbstverständlicher als ein solches Ansinnen? Immerhin hätte solches Verlangen, bedingungslos gestellt, zur Voraussetzung, daß jene Erfahrung, die man dem Kinde entgegenhält, wirklich so fehlerlos und einwandfrei bestätigt ist, wie sie es nun einmal nicht ist. Und bald bemerkt auch der junge, Heranwachsende Mensch, daß es nicht so ist, bemerkt dieses Mißlingen und jenes Versagen seiner Ratgeber, spürt es am eigenen Leibe, quälend, daß er so nicht weiter kommt. Er erkennt bald, daß die stark betonte Sicherheit, mit der so häufig die Autorität auftritt, eines festeren Haltes entbehrt, ja die starke äußere Betonung von Sicherheit und Festigkeit oft geradezu die Folge jener Schwäche ist, die, was sie sich selber nicht zubilligen kann, nämlich Stärke, von anderen, jüngeren, zugebilligt zu erhalten wünscht. Hier muß auch der Gehorsam problematisch werden. Jene entartete Autoritätssucht, von weiser Leitung himmelweit entfernt, bringt die Jugend in Not. Unter einem Gestrüpp von Verordnungen und Ratschlägen, von unermüdlicher und ermüdender Fürsorge, aber auch von Strenge und Drill sucht und findet sie den Weg zu sich selbst. Nicht der schlechteste Teil der Jugend fühlt sich glücklicher unter eigenen Fehlern zu leiden, als unter fremder Verantwortung ausgetretene Pfade behaglich zu wandeln. Sind nun vollends in einer Zeit die Schwierigkeiten so sehr gestiegen, daß sie als kaum mehr zu meisternde erscheinen, so sind die Voraussetzungen für eine starke eigene Tätigkeit der Jugend, eben für eine Jugendbewegung, gegeben. In einem der nachfolgenden Aufsätze ist zwischen zwei Arten der Jugendbewegung unterschieden, zwischen einer Jugendbewegung, die „auf die Gestaltung einer charakteristischen Lebensform der Jugend hindrängt" und einer Jugendbewegung, „die sich als Regenerationsfaktor der Gesellschaft fühlt". Die Unterscheidung ist von Wichtigkeit und nützlich. Sie zeigt zugleich auch eine Entwicklungsrichtung an. Die Jugend, die eine eigene Lebensform ersehnt, wird notwendig dazu kommen müssen, auch die Gesellschaft zu gestalten, innerhalb derer sie aufwächft. Sie wird erstarren, wenn sie auf ihren eigenen Kreis sich beschränkt. Die jüdische Jugend hat in dem Deutschland der letzten Jahre vieles

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