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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-05-23 · 5 (23.5.1927) · p. Seite 162

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
5 (23.5.1927)
Article
[Nachricht]
Date
1927-05-23
Page
Seite 162 (sequence 1)
Language
German
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162 Bayerische Israelitische Gcmeindezeitung 9!r. 5 Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Metzgermeister in Bayern, Max Levi, Metzgermeister in München, wurde als Vertreter der Zwangsinnung der Münchener Metzgerinnung als Delegierter zum Verbandstag des Bezirksvereins Bayern im Deutschen Fleischeroerbande gewählt. Ausstellung für Gesundheitspflege Die Bayerische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Volksgesundheit veranstaltet vom 8. bis 29. Mai im Weihen Saal des Polizeigebäudes an der Ettstraße eine Ausstellung für Gesundheitspflege, „Volksgesundheit Bayern", verbunden mit ärztlichen Führungen und eigenem Gesundheitskino. Wir möchten unseren Lesern den Besuch dieser Ausstelluno wärmstens empfehlen. kZücderjchau Ein zeitgemäßes Buch: Heinrich Berl „Das Judentum in der Musik" von Heinrich Schalit Es bedürfte heute noch kaum einer näheren Erörterung, daß es — von den auch kunstmäßig stilisierten Bearbeitungen und Gestaltungen des jüdischen Volks- und Synagogalgesanges abgesehen — außerdem ein vielversprechendes Morgenrot einer jüdischen Kun st musik gibt, wenn diese Tatsache schon allgemein bekannt und anerkannt wäre Ganz im Gegenteil aber wird diese kaum anzweifelbare Anschauung, in völliger Unkenntnis der Dinge und aus einer falschen Einstellung heraus, vielfach bestritten und sogar in gehässiger Weise bekämpft, nicht zuletzt Gjjtünefyen G)ffj[tjfrn&iar*stt*asse 1 Gjjtünefyen Wlmf&m ij*mvdte «acß 9llaß (Lzu>äiUt Aclt iiÜe* 50 £faß*e«i K ■T Qilcinü&ittctuncj £atulait iu£&tai 0e£spi §ßa'itanjüye in unseren eigenen Reihen, und gerade dort, wo man sich berufen und verpflichtet fühlen sollte — dem Judentum zur Ehre — jüdische Schöpferkraft zu verkündigen. Schon in den Werken der klassischen und nachklassischen Periode: Meyerbeer, Mendelssohn, Offenbach, Bizet usw., viel bestimmter und charakteristischer aber im Schaffen der jüdischen Musiker der letzten Jahrzehnte und in unserer Zeit: Mahler, Milhaud, Honegger u. v. a., und ganz besonders erkennbar bei Ernest Bloch (weniger deutlich bei Schönberg und Korngold) — offenbaren sich Elemente jüdischer Geistes- und Wesensart, Kräfte, die spezifisch jüdischen Quellen entspringen, kurzum: offenbart sich ein „Judentum in der Musik". Um so erfreulicher ist es, daß das, was der schöpferische Jude schon lange intuitiv erkannt hat, nun plötzlich eine sachlich begründete Bestätigung weitgehender Art gefunden hat. Das vor nicht langer Zeit erschienene Buch Heinrich Berls: „Das Judentum in der Musik" (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart), redräsentiert sich nicht nur wissenschaftlich betrachtet, als ein bedeutsames Dokument unserer Zeit, sondern ist auch vom künstlerischen Standpunkt aus selbst eine fchöpferische Tat von seltenem Werte. Mit besonderer wissenschaftlich-künstlerischer Sachkenntnis führt uns der Verfasser zu den Quellen jüdischer Musik und weiß uns zu informieren, wie der jüdische Künstler mit dem Eintritt in die abendländische Musik seinen Orientalismus hineintrug, wie diese „jüdische Pseudomorphose" die wesentliche Ursache einer Krise in der europäischen Musik der Gegenwart ist (Gustav Mahler und Arnold Schönberg als die beiden Hauptrepräsentanten), und wie das Judentum sich den Weg zu einer eigenen neuen Musikkultur bahnt und gleichzeitig befruchtend auf die abendländische Musik zurückwirken wird. Es ist hier nicht der Ort und würde zu weit führen, den Inhalt des Buches, der neben seinen hohen Vorzügen allerdings viel Problematisches aufweist, auch nur einigermaßen zu skizzieren, Diese Zeilen wollen in der Hauptsache auf das Buch aufmerksam machen und es zur Lektüre nachdrücklich empfehlen. Einiges soll jedoch seines allgemein-jüdischen Interesses wegen nicht unerwähnt bleiben. Da sind zunächst die Abhandlungen über jüdische Volks¬ und Synagogalmusik, die gerade für den „Bearbeiter" von größtem Interesse sein müssen. Leider vermißt man hier eine eingehendere Behandlung des umfangreichen Stoffes. Mit Recht erblickt Verl in den bisher veröffentlichten Harmonisierungen ostjüdischer Lieder keinen Gewinn für diese Musik; das kann den Musiker von künstlerischer Kultur gar nicht Wunder nehmen, denn in der Tat stehen diese Harmonisierungsversuche — von geringen Ausnahmen abgesehen — auf recht bescheidener Stufe und haben diese so eigengearteten, ergreifenden Gesänge durch mehr oder minder unbeholfen angewandte Harmonik ihres eigentlichen Melos entkleidet und „verkitscht". Es ist daher an der Zeit, daß der jüdische Komponist heute am Werke ist und sich bemüht, hier gründlich aufzuräumen und das jüdifche Lied aus sich selbst heraus in künstlerischer Reinheit neu erklingen zu lassen. Ausführlicher befaßt sich der Verfasser mit der Synagogalmusik. Auch hier erblickt er in der „Zurechtbiegung" der altertümlichen Gesänge zugunsten einer in festgelegten Bahnen sich bewegenden Harmonik einen fundamentalen Mangel und sagt: Sicherlich wird sich einmal eine Reform der Synagogalmusik ereignen, viel größer und gewaltiger als jene unter Hiskija; dann wird man auch die uralten Lieder von ihren künstlichen Behängen sreimachen, um sie in ihrer reinen Schönheit neu erstehen zu lassen." Berl verkennt aber keineswegs die Bedeutung der Synagogalliteratur, die musikgeschichtlich betrachtet eine genügende Erklärung findet. Die Beiträge „Über die Wiederherstellbarkeit der althebräifchen Vokalmusik" gehören vielleicht innerhalb der neuzeitlichen Musikwissenschaft zum Interessantesten und Bedeutsamsten auf diesem Gebiete. Zum Schlüsse noch einige Worte aus dem Buche selbst: „Was aber ist das Wesentliche an der jüdischen Musik? ... Die jüdische Musik strebt, von Meyerbeer angesangen bis zur Gegenwart, nach dem Melodischen. Das Harmonische ist ihr immer nur sekundäres Mittel geblieben. ... Die Gesetze der Harmonie konnten nur gefunden werden auf dem Wege der objektiven Analysis. Da jedoch der Jude, wie wir gesehen haben, subjektiv-synthetisch ist, liegt ihm begreiflicherweise eine Musik näher, die aus der Augenblicksekstase, aus dem unmittelbaren Gefühl geboren ist: das ist die M e l o d i e." — „Daß das Judentum von orientalischer Herkunft ist, wurde schon oft gesagt und braucht nicht mehr weiter bewie-

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