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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-05-23 · 5 (23.5.1927) · p. Seite 160

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
5 (23.5.1927)
Article
Israelitische Waisenanstalt
Date
1927-05-23
Page
Seite 160 (sequence 2)
Language
German
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160 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 Jede tatvolle Umsetzung dieser Gedanken schließt sich der gefeierten Wirksamkeit des „Retters der Armen" und „Vaters der Waisen" an und trägt Großes und Bedeutsames zur Lösung eines der wichtigsten sozialen Probleme, von welchen unsere Zeit beherrscht ist, bei. Im Rahmen dieses Aufgabenkreises waren wir bemüht, die Tätigkeit der Anstalt auch im abgelaufenen Schuljahre 1926—27 zu halten. Wesentliches und Grundsätzliches an der bisherigen Führung hat sich nicht geändert. Trotz des ooraufgegangenen schweren Krieges ist die Zahl der Zöglinge nicht größer geworden, was auf Verhältnisse und Begriffe zurückgeht, über die zu sprechen hier nicht der Ort ist. Der bis in die weitesten Kreise des Mittelstandes gedrungenen Verarmung sucht man schon seit langem durch Mittel abzuhelfen, die das Bedenken eines jeden Volks- und Sozialpolitikers erregen. Hierin ist auch der Grund für die absteigende Frequenz der Anstalt zu suchen. Ihre Wohltaten kamen im abgelaufenen Jahre dennoch 39 Kindern (25 Knaben und 14 Mädchen) zugute. Wir waren bestrebt, deren Körper- und Geisteskräften die bestmögliche Entwicklung zu geben und auch auf die Seelenformung günstig einzuwirken. Die schwierige Verantwortung einer späteren angemessenen Einordnung in eine praktische Erwerbsbetätigung mußte womöglich schon in den ersten Ausbildungsstadien berücksichtigt werden. Es erschien uns hierbei oft ganz unmöglich, die berufspolitischen Gesichtspunkte über die gefühlsmäßigen — sie feien religiöser oder bildungsgemäßer Art — außer Betracht zu lassen. Von den 39 Kindern haben darum 14 die israelitische Realschule, 4 die Vorschule derselben, 7 die städtische Volkshauptschule, 2 die Fortbildungsschule, 2 die städtische Höhere Mädchenschule, 4 die städtische Handelsschule und 3 die Frauenarbeitsschule besucht. Die hauswirtschaftlichen Kenntnisse, - welche letztere Schule den Mädchen vermittelt, gibt ihnen eine Erwerbsfähigkeit für Haus und Familie, die sich für ihren späteren Lebensgang als sehr nützlich erweist. 3 Zöglinge, welche bereits als Kaufmannsangestellte tätig sind, und deren wegen llberfüllung des Arbeitsmarktes nur geringe tarifmäßige Bezahlung ihnen keine Möglichkeit des eigenen Unterhaltes bietet, wurden weiter in der Versorgung des Hauses belassen. Der Gesundheitszustand der Kinder unterschied sich nicht von dem in der Stadt allgemein herrschenden; Erkrankungen an der Grippe, der Kopfdrüsen und der Atmungsorgane kamen in häufiger Abwechslung vor, die aber gut verliefen. In finanzieller Beziehung war es trotz der ansteigenden Teuerung möglich, die Ausgaben auf das Maß der vorjährigen zu beschränken, ja um ein geringes unter demselben zu bleiben. Sie betrugen ungefähr 66 000 M. Der Daseinskampf der Anstalt besteht also nach dem Verlust ihres Kapitalvermögens, dessen Erträgnis den Hauptteil des Aufwandes gedeckt hat, fort. Denn, wenn auch das Schwankende und Ungewisse, welche der Finanzaebarung unter der Geldentwertung anhafteten, seit der Währungsstabilisierung verschwunden ist, so fehlt uns doch jede feste und sichere Einnahmequelle, zumal über das Schicksal und die Höhe der Wohlfahrtsrente irgendeine Entscheidung noch nicht getroffen ist. Als tragende Kraft steht uns nur die Freundschaft und Mildherzigkeit privater Kreise zur Seite, die voll sich auszuwirken die schwere Wirtschaftskrise, die auf dem Lande lastet, verhindert. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dessen Vertretung hier in Fürch vor einigen Wochen versammelt war und dessen Verhandlungen Einblick in die stille großzügige Arbeit gestatteten, die er sowohl den religiösen, wie den sozialen und philantropischen Bestrebungen innerhalb der bayerischen Judenheit widmet, konnte bei aller Würdigung der Verdienste und Notwendigkeit der Anstalt und wiewohl er die Leistungen für Wohlfahrtspflege wesentlich gesteigert hat, seinen Zuschuß dennoch nur in der bisherigen Höhe von M. 10 000.— gewähren. Auch die unserem Werke höchster Menschenliebe nahestehenden Logenverbände, welche den nur anzuerkennenden Beschluß gefaßt haben, die Anstalt als eine für das ganze Land Bayern wirkende Organisation aufzunehmen und zur Unterstützung zu empfehlen, können bei den weitverzweigten und infolge der Wirtschaftsnot in erweitertem Maße an sie herantretenden Verpflichtungen für Beistand und Hilfe, ihre Zuschüsse nur auf der Linie halten als es bisher geschehen ist und geschehen konnte. So bleibt denn die Aufbringung des Großteils der Mittel, welche die Anstalt zu ihrem Bestände bedarf, dieser selbst überlassen, bis die Verbände einmal in der Lage sein werden, die Verpflichtungen für die große soziale Aufgabe, die hier gegeben ist, mit verständnisvollem Sinne und fühlendem Herzen, woran es ja nicht fehlt, selbst zu übernehmen und auf breiterer Basis als bisher ihrem Wirkungsbereich anzugliedern und befriedigend durchzuführen. plus der Lemeinde Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Am 6. April d. I. schloß Herr Dr. Willy Meyer (Nürnberg) seinen äußerst interessanten Zyklus über „Die Juden im mittelalterlichen Spanien" ab. Durch eine ausgebildete Vortragskunst begünstigt, vermochte der Redner den Zuhörern nicht nur Stunden der Belehrung, nein, auch tiefgehender Erbauung zu bieten. Den Kern der Vortragsreihe bildeten die mittleren drei Abende, die dem Dreigestirn des spanischen Judentums, Salomon Jbn Gabriol, Jehuda Halevi und Moses bei Maimon, gewidmet waren. Der erste und letzte Abend bildete den geschichtlichen Rahmen dieser für die Juden so ehrenvollen Epoche. Der Redner verstand es, die kulturhistorische Entwicklung des Judentums in Spanien besonders lehrreich herauszuarbeiten. Die stärkste Anregung aber gab der philosophisch-literarische Gehalt des Vortrags. Hoffentlich wird es Herrn Dr. W. Meyer möglich fein, ein andermal und dann zu einer zahlreicheren Zuhörerschaft in München zu sprechen. —!— Jüdischer Gesangverein München Am 30. April gab der Jüdische Gesangverein sein Frühjahrskonzert und kam damit seiner Doppelaufgabe nach, Musik im allgemeinen und jüdische Musik im speziellen zu pflegen. Der erste Teil, der durch ein auf synagogalen Motiven aufgebautes, zu packender Wirkung sich steigerndes Orgelpräludium von Josef Ziegler eingeleitet wurde, war sonst dem Wirken Emanuel Kirschners, des jugendlichen Siebzigers, der auch aktiv im Chor als Sänger teilnahm, gewidmet. DentscheLe]bens-n.Anssteiier-Yersicherangs- Aktiengesellschaft in München Rindermarkt 10 Gegründet von der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft hervorgegangen a. d. Gisela-V erein,Lebens¬ und Aussteuer -Versicherungs-Anstalt a. G. Gegründet 1880 zeigt nene Wege in der Aussteuer-Versicherung Rührige Mitarbeiter allerorts gesucht

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